Aufrufe
vor 7 Monaten

Zdirekt! 04-2019

24 UNTERWEGS

24 UNTERWEGS Landeskongress Süd BA: Köpfe zusammenstecken Es war ein weitgehendes Kooperationsangebot, das Roland Schüßler auf dem Landeskongress Süd den Vertretern der iGZ-Mitgliedsunternehmen aus Bayern und Baden-Württemberg machte. In der Nürnberger Meistersingerhalle würdigte der Geschäftsführer im Sektor Qualitätssicherung, Umsetzung und Beratung der Bundesagentur für Arbeit (BA) die Leistungen der Branche mit Blick auf die Integration Geflüchteter und Langzeitarbeitsloser in den Arbeitsmarkt. Sein Blick ging nicht nur zurück, sondern auch nach vorne: „Künftig könnten wir noch die Köpfe in den Bereichen Digitalisierung und Qualifizierung zusammenstecken“, appellierte er an die Personaldienstleister. Schüßler ging in seinem Vortrag auch auf die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt ein. Von den 2,2 Millionen Arbeitslosen, die im September 2019 in der BA-Statistik erfasst waren, waren mit 1,2 Millionen mehr als die Hälfte geringqualifiziert. Ein knappes Drittel, nämlich 700.000, war langzeitarbeitslos. Da die Zeitarbeit in dieser Klientel einen eigenen Beschäftigungsschwerpunkt habe, sah er hier die Personaldienstleister ebenfalls als wichtigen Partner bei der Begleitung von Menschen zurück in verlässliche Arbeitsstrukturen an. Ebenfalls eine besonders erfasste Personengruppe in dem Vortrag des BA-Geschäftsführers war der Kreis der Ausländer. Von den registrierten rund 600.000 ausländischen Arbeitslosen kann ein Drittel (200.000) der Gruppe der Geflüchteten zugerechnet werden. Auch hier gibt es ein relativ homogenes Bild: 66 % der Geflüchteten sind männlich, 70 % Helfer und 53 % jünger als 36 Jahre. Diese Faktoren machten die Zeitarbeit auch hier zu einem prädestinierten Arbeitgeber. Das belegen auch die Zahlen: 35 % aller Geflüchteten, die Roland Schüßler | Geschäftsführer im Sektor Qualitätssicherung, Umsetzung und Beratung der BA

Z direkt! 04/2019 UNTERWEGS 25 600.000 Ausländer 70 % Helfer 2,2 Mio. Arbeitslose 200.000 Flüchtlinge 15 % Fachkräfte / Spezialisten 11 % ohne Angaben 3 % Experten INTEGRATIONSQUOTE 35% über Zeitarbeit einen sozialversicherungspflichtigen Job gefunden haben, haben diesen bei einem Zeitarbeitsunternehmen gefunden. Keine andere Branche bringt so viele Geflüchtete in Arbeit, wie die Personaldienstleister. Trotz dieser neu hinzugekommenen Personengruppe sind die Beschäftigtenzahlen in der Zeitarbeit aber deutlich rückläufig: Im Jahresvergleich rechnet Schüßler einen Rückgang um 104.000 Zeitarbeitskräften vor – und das, obwohl es in anderen Branchen immer noch einen Beschäftigungsaufbau gibt. Weitere Veränderungspotenziale schilderte der Arbeitsmarktexperte mit Blick auf die Auswirkungen der Digitalisierung: „Betrachtet man die Jahre 1995 bis 2017, so verzeichneten alle hochentwickelten Ländern einen Rückgang der Beschäftigung in durchschnittlich qualifizierten Jobs. Gleichzeitig nimmt die Beschäftigung in gering- und hochqualifizierten Jobs zu“, so Roland Schüßler. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der BA (IAB) gehe daher davon aus, dass auf Grund der Digitalisierung Tätigkeiten in Helfer- und Fachkräfteberufen bereits jetzt ein hohes Veränderungspotenzial aufweisen würden. Seine These lautete daher: „Die Berufsbilder werden sich in den nächsten Jahren teilweise deutlich wandeln.“ Nicht nur deswegen habe sich die BA eine deutliche Erweiterung der Weiterbildungsförderung für Beschäftigte auf die Fahne geschrieben. Das Thema Rekrutierung und Veränderungen der Arbeitsanforderungen hat sich über diesen Vortrag von Roland Schüßler hinaus, wie ein roter Faden durch den Kongress gezogen. So stellte die Leiterin des iGZ-Fachbereichs Arbeits- und Tarifrecht, Judith Schröder, die neuen Regelungen zur Beschäftigung von Drittstaatsangehörigen vor und Möglichkeiten dar, diese Personengruppe trotz enger rechtlicher Vorgaben auch für Personaldienstleister zu erschließen. Und auch im Expertengespräch am Nachmittag stand die Frage im Fokus, wie sich Kundenanforderungen an die Qualifikation der Mitarbeiter durch Digitalisierung auf die Nachfrage nach Personal auswirken werden. Unter der Moderation von Marcel Speker, Leiter Fachbereich Kommunikation, diskutierten dazu iGZ-Regionalkreisleiterin Nicole Munk (Synergie Personal Deutschland GmbH), Matthias Werner, Geschäftsführer der Bezirksgruppe Mittelfranken der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) und Dr. Oliver Stettes vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) die verschiedenen Szenarien. Abschließend warfen iGZ-Hauptgeschäftsführer Werner Stolz und sein Stellvertreter Dr. Martin Dreyer den Blick in die Zukunft und beantworteten im direkten Austausch mit den Teilnehmern die Frage zu beantworten, was im kommenden Jahr – neben dem neuen Tarifvertrag, der aktuell mit der DGB-Tarifgemeinschaft verhandelt wird – auf die Branche zukommt. MS DAS VIDEO ZUM KONGRESS youtube.com/user/FaireZeitarbeit

Z direkt!

© 2017, Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen e.V.