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Zdirekt! 02-2021

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32 CORONAKRISE Trotz

32 CORONAKRISE Trotz Umsatzeinbußen optimistisch in die Zukunft Die Zeitarbeit gehört – neben der Gastronomie – zu den Branchen, die am schwersten von der Coronakrise getroffen wurden. Dabei hatten und haben die Unternehmen nicht nur mit den konjunkturellen Eintrübungen durch Lockdowns und damit verbundene Auftragsrückgänge zu kämpfen: Bereits vor der Viruspandemie hatte sich die wirtschaftliche Lage eingetrübt. Weitere Stolpersteine – wie etwa das Verbot von Zeitarbeit in der Fleischindustrie und die Beschränkungen durch die Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (Überlassungshöchstdauer von 18 Monaten, Equal Pay etc.) – sorgten zusätzlich für ausgeprägte Auftrags- und damit Arbeitsplatzverluste in der Zeitarbeitsbranche. Einziger Lichtblick: Das Kurzarbeitergeld wurde auch für die Zeitarbeit gewährt und intensiv in Anspruch genommen. In Zahlen ausgedrückt musste die Branche beispielsweise im April 2020 zwischenzeitlich ein Minus von fast 110.000 Mitarbeitern im Vergleich zu April 2019 verkraften. Über ein Drittel – 36,4 Prozent – der Zeitarbeitsunternehmen beantragten in dieser Phase Kurzarbeit. Auch das Zahlenwerk der aktuellen Lünendonk-Studie 2021 dokumentiert, welch’ tiefe Spuren diese größte Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit hinterlassen hat. Die Lünendonk & Hossenfelder GmbH errechnete für 2020 ein Marktvolumen von 27,2 Milliarden Euro, was einem Minus von 12,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Firmen gaben auf oder fusionierten – das wirbelte vor allem auch die Liste der Top 20 der Zeitarbeitsbranche kräftig durcheinander: Marktführer ist unverändert Randstad mit einem Umsatz von 1,56 Milliarden Euro. Noch im Vorjahr verzeichnete das Unternehmen knapp 1,93 Milliarden Euro. Dem Umsatzrückgang von 19,0 Prozent steht ein Rückgang der Zeitarbeitnehmenden von 22,2 Prozent gegenüber. Auf Rang zwei folgt wie in den Vorjahren Adecco mit nun knapp 1,11 Milliarden Euro (-17,2 Prozent). Erstmals seit 2015 ist Persona Service aus Lüdenscheid mit einem Umsatz von 557 Millionen Euro (-21,4 Prozent) wieder auf Rang drei gelistet. Persona tauscht den Listenplatz mit Manpower (537 Millionen Euro, -26,7 Prozent). Neu auf Listenplatz sechs ist House of HR Germany, die seit dem Zusammenschluss von Timepartner und Zaquensis gemeinsam berichten. Beide Unternehmen zusammen kommen auf ein Umsatzminus von 56,5 Millionen Euro (-14,5 Prozent). Hays Professional Solutions verzeichnet ebenfalls einen Umsatzrückgang und erreicht nun 294,3 Millionen Euro (-23,1 Prozent) und Rang sieben des Rankings. -19,0 % Randstad -17,2 % Adecco -21,4 % Persona Service -26,7 % Manpower -14,5 % House of HR Germany -23,1 % Hays Professional Solutions

Z direkt! 02/2021 CORONAKRISE 33 Amadeus FiRe + 20,2 % Gi Group + 65,6 % Es gibt aber auch Zeitarbeitsunternehmen, die für das abgelaufene Geschäftsjahr ein Plus verbuchen. Zwei Unternehmen aus den Top 20 steigerten den Umsatz. Sowohl von Amadeus FiRe (+20,2 Prozent und Rang 8, 2020: Rang 13) als auch von der Gi Group (+65,6 Prozent, Rang 17, 2020: Rang 25) wurden übernommene Gesellschaften konsolidiert. Amadeus FiRe ist damit erstmals in den Top 10 vertreten. Hier spiegelt sich wider, was die Personaldienstleistungsbranche vor allem ausmacht: Vielfalt und Flexibilität. Das schnelle Reagieren auf ständig sich ändernde Marktbedingungen sorgte auch in Zeiten des Lockdowns dafür, dass die Zeitarbeit eine wichtige Rolle in der Versorgung der Bevölkerung und der Sicherung von Logistik spielte. Während die Zahlen in den produzierenden Wirtschaftszweigen – und hier insbesondere der Autoindustrie – bereits vor drei Jahren langsam durch den Strukturwandel in den Sinkflug gingen, ergaben sich plötzlich zusätzliche Personalbedarfe in ganz anderen Sparten wie etwa im Pflegesektor oder in Logistikbereichen. Dank des Kurzarbeitergeldes konnte die Branche zahlreiche Arbeitskräfte halten, die nun sofort wieder einsatzbereit sind. Ähnlich wie nach der Wirtschaftskrise 2011 steigt die Zahl der Aufträge – Zeitarbeit wird häufig von den Kundenunternehmen genutzt, um flexibel auf die Auftragslage reagieren zu können. Nun bleibt abzuwarten, ob – analog zur sich stabilisierenden Wirtschaftslage im Jahr 2011 – auf die Zeitarbeit erneut eine Übernahmewelle ihrer Zeitarbeitskräfte zurollt. Die aktuelle Erholung am Arbeitsmarkt drückt sich nun an den Zahlen der Beschäftigten aus: Allein im März dieses Jahres stieg die Zahl der Beschäftigten in der Zeitarbeitsbranche um 22.300 auf insgesamt 682.900. Nach Lünendonk- Einschätzung wird es aber noch eine Weile dauern, bis sich die Wirtschaft von diesem Einschnitt wieder erholt haben wird. Die Branche erweist sich nichtsdestotrotz einmal mehr als Frühindikator für die Wirtschaft. Insoweit kann die Personaldienstleistungsbranche mit Optimismus in die Zukunft schauen. WLI Anzeige Quelle: Marktforschungsunternehmen Lünendonk & Hossenfelder GmbH

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