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Zdirekt! 01-2022

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38 AKTIV Mit der Idee,

38 AKTIV Mit der Idee, die Zeitarbeit als Mittel gegen diesen zunehmenden Fachkräftemangel zu nutzen, machte er sich selbstständig. Mit Erfolg – mittlerweile hat das Unternehmen deutschlandweit zehn Niederlassungen mit insgesamt 267 Mitarbeitern, Tendenz steigend. Das Unternehmen kümmert sich auch intensiv um die Weiterbildung seiner Mitarbeitenden: „Seit 2015 stellen wir fest, dass die Qualifizierung sinkt und gleichzeitig die Anforderungen steigen“, hat Waltke beobachtet. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Minden reagierte frühzeitig, bot im Schulterschluss mit der Bundesagentur für Arbeit (BA) Weiterbildungen parallel zur Arbeit an: „Angebote wie etwa den CE-Führerschein, den Staplerschein oder auch Praktika übernehmen wir“, erläutert der Geschäftsführer. Mit dem CE-Führerschein können LKW jeglicher Gesamtmasse gefahren werden. Bei dem Angebot nutze er beispielsweise auch Fördermöglichkeiten, wie etwa die „Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen“ (WeGebAU). Das Zeitarbeitsunternehmen kooperiert außerdem erfolgreich mit mehreren Fahrschulen, die Aus- und Weiterbildungen für den Kraftverkehr anbieten. „Unsere Mitarbeiter können sich dabei ihre Schwerpunkte aussuchen. Normalerweise findet das zudem in Absprache mit den Kundenunternehmen statt“, erklärt der 52-Jährige. „Zunächst einmal können die Mitarbeiter, je nach Qualifizierung, alles fahren. Wenn ein Fahrer zum Beispiel Interesse daran hat, statt eines Sattelschleppers eine Wechselbrücke zu fahren, kann er dann auch mit entsprechender Weiterbildung bei uns wechseln“, verweist Waltke auf die zahlreichen Möglichkeiten. Eine Wechselbrücke ist ein austauschbarer Ladungsträger für LKW, der vom Trägerfahrzeug getrennt werden kann. Gerne werde auch auf Tank- und Gefahrstoffe umgesattelt, weil in diesem Bereich der Verdienst besser sei. Und für treue Seelen gibt´s einen Bonus: Bei langjährigen Mitarbeitern übernehme Lenkzeit komplett die zu bezahlende Fortbildung. Attraktive Ange-

Z direkt! 01/2022 AKTIV 39 bote, Lenkzeit liege laut Waltke bei den Vergütungen auch über den in dieser Branche üblichen Bruttolöhnen, die dennoch eher zögerlich wahrgenommen werden. Das Image des Kraftverkehrs habe sich in den vergangenen Jahrzehnten regelrecht ins Gegenteil verkehrt. Vom „König der Landstraße“ seien die Brummifahrer quasi zum Buhmann der Autobahn mutiert. Überlange Lenkzeiten, Dauerstaus und verheerende Unfälle hätten, so Waltke, dazu beigetragen, dass der Beruf des Kraftfahrers ins Abseits geraten sei. Und unter den Fahrern habe die Zeitarbeitsbranche – bislang – kein gutes Image. Viele Vorurteile lassen die Beschäftigten laut Geschäftsführer zögern. Ein mühsames Überzeugungsgeschäft, das denn auch in erster Linie von der Mund-Propaganda lebe. „Kraftfahrer orientieren sich in erster Linie an den Bruttolöhnen, die in der Branche »Angebote wie CE-Führerschein, Staplerschein oder Praktika übernehmen wir.« Thomas Waltke | Lenkzeit, Kraftfahrer und Logistik Personalleasing GmbH teils sehr schlecht sind. Da ist das Misstrauen erstmal groß, obwohl wir weit über dem Durchschnitt liegen“, betont der studierte Diplom-Ingenieur. Hinzu komme, dass mittlerweile der Wunsch, abends zuhause bei der Familie zu sein, sehr groß geworden sei. Lenkzeit trage dem Rechnung – über 90 Prozent der Kraftfahrer seien im Nahverkehr eingesetzt. Um dem schlechten Image – hier wie da – die Stirn zu bieten, gebe es bei Lenkzeit klare Ansagen auch an die Kundenunternehmen: „Lenkzeitüberschreitungen oder Missachtung von Tempolimits tolerieren wir nicht“, unterstreicht Waltke. Besonderes Augenmerk gelte auch den Mitarbeitern mit Migrationshintergrund – bei Lenkzeit sind es rund 50 Prozent der Belegschaft. „Wir kümmern uns um die Behördengänge und Familienangelegenheiten wie etwa Kitaplätze für kleine Kinder. Kommt ein Kraftfahrer beispielsweise aus Syrien, gilt seine Fahrerlaubnis hier nicht. Dann organisieren wir hier die entsprechenden Kurse, damit er in Deutschland fahren kann.“ Außerdem helfe Lenkzeit dabei, dass der Führerschein umgeschrieben werde. An die Agentur für Arbeit werde bei Bedarf eine Einstellungszusage geschickt, damit der Mitarbeiter die Ausbildung bezahlt bekomme. Um die Situation langfristig zu verbessern, müsse seiner Ansicht nach, das Berufsbild attraktiver gestaltet werden, die Ausbildung sei zu beschleunigen, und die mangelnde Wertschätzung in der Gesellschaft müsse vom Tisch. Bei Flüchtlingen sei es politisch wichtig, dass sie auch in Deutschland arbeiten dürfen und – vor allem sprachlich – weitergebildet werden. „Dazu müssen dem Regulierungswahn Einhalt geboten und die Bürokratie eingedampft werden“, weiß Waltke aus der täglichen Praxis. WLI Thomas Waltke Auch Themen wie etwa eine solide Ladungssicherung gehören bei Lenkzeit zu den Standards. Selbst bei Jobs wie etwa dem Lenken eines Ladekrans biete die Zeitarbeit Vorteile. „Das ist Saisonarbeit und wenn die Saison vorbei ist, kann der Mitarbeiter bei fortlaufender Bezahlung das Plus seines Arbeitszeitkontos nutzen oder wir schicken ihn auf Schulungen“, zeichnet Waltke die Alternativen nach. „Der iGZ-Ethikkodex wird hier gelebt“, freut sich Waltke.

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