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Z direkt!-Sonderausgabe 20 Jahre iGZ

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20 Jahre iGZ iGZ-Branchenimpulse iGZ-Branchenimpulse 20 Jahre iGZ Interview mit Torsten Oelmann von der Kontakt- und Schlichtungsstelle "Von allen Seiten akzeptiert" Torsten Oelmann (52) ist die erste Ansprechperson der Kontakt- und Schlichtungsstelle (KuSS). Er prüft die eingegangenen Anfragen und bewertet, ob ein Verstoß gegen den iGZ-Ethikkodex vorliegen könnte. Wenn ja, bespricht er die Fälle anschließend mit seinen KuSS-Kollegen Prof. Franz Josef Düwell und Holger Dahl. Maren Letterhaus, stellvertretende iGZ-Pressesprecherin, sprach mit Oelmann über Sinn und Herausforderungen der KuSS. Z direkt!: Herr Oelmann, Sie arbeiten seit der Gründung im Jahr 2012 für die Kontakt- und Schlichtungsstelle. Hat sich die Art der Anfragen innerhalb dieser Zeit verändert? Oelmann: Die Art der Fragen hat sich eher weniger verändert, wobei es immer aktuelle Themen gibt, die vorübergehend stärker in den Vordergrund treten, zum Beispiel bei der Einführung der Branchenzuschläge oder der tariflichen Neuregelung der Entgeltfortzahlung bei Urlaub und Krankheit. Aktuell werden zunehmend Fragen im Hinblick auf das neue Arbeitnehmerüberlassungsgesetz an uns herangetragen. Verändert hat sich die Anzahl der Anfragen, wobei jetzt ein relativ konstantes Level erreicht scheint. Z direkt!: Bietet der iGZ-Ethikkodex eine ausreichend detaillierte Basis, um über ein faires und ethisch korrektes Verhalten urteilen zu können? Oelmann: Der iGZ-Ethikkodex ist eine gute Grundlage für unsere Tätigkeit, eine punktuelle Weiterentwicklung sollte jedoch nicht außer Acht gelassen werden. Wichtig ist für uns, dass die Mitglieder zur Zusammenarbeit mit uns verpflichtet sind. Viele Konflikte beziehen sich im Übrigen auf konkrete arbeitsund tarifvertragliche Regelungen, andere Themen lassen sich auch mit einem gesunden Menschenverstand oft erfolgreich lösen. Z direkt!: Die KuSS erzielt in fast allen Fällen eine außergerichtliche Einigung. Wie groß ist die Akzep- tanz solcher Schlichtungen bei den Streitparteien? Oelmann: Die Akzeptanz ist in der Regel sehr hoch, wenn man die Anfangszeit einmal unbeachtet lässt. Tendenziell ist sie bei Arbeitnehmern allerdings noch ein wenig höher als bei Arbeitgebern. Z direkt!: Es gibt nur wenige Mitgliedsunternehmen, die öfter als einmal in Kontakt mit der KuSS standen. Glauben Sie, dass die Arbeit der KuSS auch eine im positiven Sinne abschreckende Wirkung hat? Verhalten sich iGZ-Mitglieder ethisch korrekter, seit sie wissen, dass die KuSS genauer hinschaut? Oelmann: Wir können natürlich nicht beurteilen, ob sich einzelne Unternehmen vor und nach der Einführung des Ethikkodexes jeweils unterschiedlich verhalten haben. Wir haben jedoch die Hoffnung, dass betroffene Unternehmen Anfragen ernst nehmen und eventuell daraus Konsequenzen für die interne Abwicklung ableiten. Im Das unabhängige Team der Kontakt- und Einzelfall haben uns und Torsten Oelmann (v.l.). Arbeitnehmer auch davon berichtet, dass sie Meinungsverschiedenheiten mit dem Arbeitgeber selber lösen konnten, nachdem sie angekündigt hatten, ansonsten die Schlichtungsstelle anzurufen. Z direkt!: Die KuSS darf als unabhängiges Gremium selbst keine Sanktionen gegen iGZ-Mitglieder verhängen, sondern kann dem iGZ-Bundesvorstand lediglich Vorschläge unterbreiten. Sehen Sie dieses Konstrukt als Hindernis oder als Voraussetzung für Ihre unabhängige Arbeit an? Schlichtungsstelle (KuSS): Prof. Franz Josef Düwell, Holger Dahl Oelmann: Grundsätzlich finden wir es richtig und wichtig, dass Mitglieder bei groben Verstößen gegen den Ethikkodex mit Konsequenzen rechnen müssen. Aus unserer Sicht ist es unproblematisch, wenn zum Beispiel unsere Empfehlung zum Ausschluss zudem noch von einer weiteren iGZ-Einrichtung verbindlich überprüft wird. Hilfreich ist es zudem, dass es neben einem Ausschluss aus dem iGZ noch weitere Sanktionsmöglichkeiten gibt. In diesem Zusammenhang möchten wir aber gerne noch einmal darauf hinweisen, dass nicht eine – durchaus relevante oder gravierende – Konsequenz für das Mitgliedsunternehmen im Vordergrund unserer Tätigkeit steht, sondern Lösungen zu finden beziehungsweise iGZ-Mitglieder zur Optimierung ihrer Dienstleistung anzuregen. Z direkt!: Trägt die Arbeit der KuSS dazu bei, das Image der Zeitarbeit zu entskandalisieren? Oelmann: Auch wenn wir pauschale Verurteilungen immer nur auf den konkreten Einzelfall bezogen bewerten können, hilft unsere Tätigkeit unserer Auffassung nach sehr, Meinungsverschiedenheiten zu versachlichen und einer konkreten Lösung zuzuführen – dies hilft dem Image der Zeitarbeit sicher insgesamt. Nach einer anfänglichen Skepsis, nach der unsere Tätigkeit nur ein guter „Marketing-Gag“ sei, wird unsere Schlichtungstätigkeit mittlerweile von allen Seiten voll akzeptiert und respektiert. Z direkt!: Die Zeitarbeitsbranche wird zunehmend stärker reguliert, was den Arbeitsalltag der Personaldisponenten erschwert. Was schätzen Sie, wie häufig ist eine Unachtsamkeit Ursache für Konflikte, die letztlich bei der KuSS landen? Oelmann: Zwar führen wir diesbezüglich keine konkrete Statistik und manche Ursachen sind auch nicht immer abschließend zu bewerten, aber sicher sind zwei Drittel aller Anfragen auf Unachtsamkeit oder auch Unwissenheit zurück zu führen. Dies ist zum einen der Komplexität der Zeitarbeitsbranche und den tariflichen und gesetzlichen Regelungen geschuldet, zum anderen gibt es aber sicher auch weiteren Schulungsbedarf, um die Mitarbeiter kompetent weiterzuentwickeln. Auch in diesen Fällen können wir immer wieder Aufklärungsarbeit leisten oder Hinweise geben. 2012 62 63

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