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Z direkt!-Sonderausgabe 20 Jahre iGZ

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20 Jahre iGZ Arbeitsmarktpolitik Arbeitsmarktpolitik 20 Jahre iGZ Zahlen zur Zeitarbeitsintegration Hoher Sprungbretteffekt In den vergangenen zwanzig Jahren haben ausländische (Fach-)Kräfte eine große Rolle für die Zeitarbeit gespielt, doch seit der Flüchtlingswelle im Jahr 2014 ist das Thema so aktuell wie nie zuvor. Interessanterweise haben schon im Gründungsjahr des iGZ 1998 rund eine Million Geflüchtete in Deutschland gelebt. Zehn Jahre später waren es nur noch rund 400.000 Geflüchtete. Seit 2012 steigt die Zahl wieder und erreichte mit der Flüchtlingswelle einen neuen Hochpunkt: Im Jahr 2015 lebten schätzungsweise 890.000 Asylsuchende in Deutschland. Die Zeitarbeitsbranche gilt traditionell als starker Integrationsmotor für ausländische Mitarbeiter. Laut Bundesagentur für Arbeit haben mittlerweile 28 Prozent der Zeitarbeitskräfte eine ausländische Staatsangehörigkeit. Dieser Wert ist mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnittswert aller in Deutschland Beschäftigten: Dort beträgt die Ausländerquote nur elf Prozent. Ein Rückblick auf das Jahr 1998 macht deutlich: Der Ausländeranteil ist in den vergangenen zwanzig Jahren deutlich angestiegen. Damals lag der Wert noch bei 17,3 Prozent. Trotz dieses deutlichen Anstiegs muss angemerkt werden, dass der Ausländeranteil in der Zeitarbeitsbranche auch damals schon deutlich höher war als bei allen Beschäftigten insgesamt, wo der Ausländeranteil im Jahr 1998 bei lediglich 7,5 Prozent lag. Die Integration von ausländischen Mitarbeitern ist seit jeher eine der Kernkompetenzen der Personaldienstleister. Besonders für Ausländer attraktiv Ein Bericht des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) zeigt, dass Ausländer, die aus der Arbeitslosigkeit heraus eine Beschäftigung in der Zeitarbeit aufnehmen, zuvor durchschnittlich 3,6 Monate arbeitsuchend waren. Deutsche Arbeitnehmer waren zuvor im Schnitt drei Monate beschäftigungslos. Etwa 70 Prozent aller Zeitarbeitnehmer kommen aus der Beschäftigungslosigkeit, der überwiegende Teil davon war arbeitslos. Besonders für Ausländer ist der Einstieg in den Arbeitsmarkt durch Zeitarbeit attraktiv, da sie hier im Vergleich zur Gesamtwirtschaft öfter und leichter eine Stelle finden. Dabei ist die Tendenz steigend. Doppelte Chance durch Sprungbretteffekt Interessant ist, dass der Sprungbretteffekt bei ausländischen Zeitarbeitnehmern stärker ausgeprägt ist als bei der deutschen Vergleichsgruppe. Der Sprungbretteffekt beschreibt, dass im Anschluss an die Beschäftigung in der Zeitarbeit eine Beschäftigung im Kundenunternehmen oder in einem anderen Arbeitsverhältnis ausgeübt wird. Durch diesen Effekt wird die doppelte Integrationschance der Zeitarbeitsbranche sehr deutlich: Während der Beschäftigung im Zeitarbeitsunternehmen können die Mitarbeiter viele Erfahrungen sammeln, die auch für anschließende Tätigkeiten sehr wertvoll sind. Vorrangprüfung ausgesetzt In den ersten drei Monaten des Aufenthalts in Deutschland ist Geflüchteten eine Beschäftigung grundsätzlich verboten. Anschließend galt zunächst noch, dass Zeitarbeitskräfte nur für Jobs ohne Vorrangprüfung infrage kamen. Im Fall einer Vorrangprüfung muss zunächst analysiert werden, ob für den konkreten Arbeitsplatz ein deutscher oder EU-freizügigkeitsberechtigter Arbeitnehmer zur Verfügung steht. Das erschwert den Einstellungsprozess erheblich. Auch auf Initiative des iGZ hin erklärte sich die Bundesregierung im August 2016 bereit, die Vorrangprüfung zunächst befristet für drei Jahre in 133 der 156 Agenturbezirke auszusetzen. In diesen Bezirken können Asylbewerber und Geduldete jetzt ab dem vierten Monat eine Beschäftigung in der Zeitarbeit aufnehmen. Hält sich der Geflüchtete schon länger als 15 Monate in Deutschland auf, entfällt die Vorrangprüfung grundsätzlich. An- sonsten ist eine Beschäftigung nur in Berufen möglich, für die die BA ausdrücklich einen Fachkräftemangel ausgewiesen hat. iGZ-Projektgruppe Im Kontext der Flüchtlingswelle konnte die Zeitarbeitsbranche erneut ihre Erfahrung in der Integration von ausländischen Mitarbeitern beweisen. Der iGZ gründete im Jahr 2015 eine Projektgruppe, die sich mit der Integration von Geflüchteten beschäftigte. Mit dem Aussetzen der Vorrangprüfung initiierten immer mehr Mitgliedsunternehmen eigene Integrationsprojekte und wurden dabei tatkräftig vom iGZ unterstützt. Zeitarbeit ist größter Integrationsmotor Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen, dass die Zeitarbeitsbranche der größte Integrationsmotor der deutschen Wirtschaft ist. Zwischen Januar und Dezember 2017 wurden von den 67.600 Geflüchteten, die eine Stelle auf dem ersten Arbeitsmarkt gefunden haben, 17.900 in der Zeitarbeit aufgenommen. Die Beschäftigungsquote der Geflohenen aus Kriegs- und Krisenländern liegt zwar nach wie vor weit unter der Gesamtbeschäftigungsquote, jedoch steigen die Zahlen stetig. Zudem besuchen viele der Geflohenen immer noch Sprachund Integrationskurse. Gegen Mitte des Jahres 2018 wird erwartet, dass vermehrt Flüchtlinge auf den ersten Arbeitsmarkt oder in die Arbeitslosigkeit treten werden. Dieser Punkt wird sehr spannend, da die Zeitarbeitsbranche dann erneut zeigen kann, dass sie der Herausforderung „Integration durch Beschäftigung“ gewachsen ist. Jedoch kann die Zeitarbeitsbranche das nicht allein. Es bleibt abzuwarten, welche Entscheidung die Bundesregierung im Sommer 2019 bezüglich der Aussetzung der Vorrangprüfung treffen wird. Denn dann läuft die jetzige Übergangsregelung aus. Cristina Justus Abgang aus Arbeitslosigkeit in Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt nach Wirtschaftszweigen, Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Januar 2017 – Dezember 2017 1998 2012 2014 2015 2015 2016 2017 2018 22 23

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