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Z direkt!-Sonderausgabe 20 Jahre iGZ

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20 Jahre iGZ Arbeitsmarktpolitik Arbeitsmarktpolitik 20 Jahre iGZ schwieriger Zielgruppen für den Arbeitsmarkt herauszustellen und gleichzeitig den Zeitarbeitsunternehmen Tipps und Hinweise für eine noch bessere Ansprache dieser Zielgruppen an die Hand zu geben. Hieraus entwickeln wir dann gemeinsam „Praxistipps“ welche sich mit den verschiedenen Zielgruppen befassen. Der iGZ ist zudem Mitglied im Netzwerk „Unternehmen integrieren Flüchtlinge“ der DIHK. Das Netzwerk unterstützt Betriebe aller Größen, Branchen und Regionen, die Geflüchtete beschäftigen oder sich ehrenamtlich engagieren wollen. Schröder: Das ist eine Menge und das Engagement lohnt sich. Die Zahl der Geflüchteten, die nach Deutschland gekommen sind und auf dem Arbeitsmarkt und in der Zeitarbeit Fuß gefasst haben, ist beträchtlich. von Kleinsorgen: Zeitarbeit ist momentan der stärkste Integrationsmotor. Zwischen Mai 2016 und April 2017 haben 41.000 Flüchtlinge eine Erwerbstätigkeit am ersten Arbeitsmarkt aufgenommen. Davon sind 7.600 in der Zeitarbeit beschäftig, was die Zeitarbeit zur stärksten Branche für die Integration von Flüchtlingen macht. Viele Beispiele zeigen, dass die Integration durch Zeitarbeit sehr gut funktioniert. Schröder: Und dabei handelt es sich nicht nur um Geflüchtete mit an- erkanntem Schutz- status und Aufenthaltserlaubnis. Diese dürfen bereits kraft Gesetzes einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Insbesondere diejenigen mit einer Aufenthaltsgestattung und Duldungsbescheinigung profitieren von den neuen Regelungen zum Arbeitsmarktzugang. von Kleinsorgen: Aber man kann nicht leugnen, dass der Personaldienstleister ganz schön hoch springen muss, um die bürokratischen Hürden zu überwinden. Ich denke da an die Suche nach dem richtigen Agenturbezirk… Schröder: Du hast recht. Zwar haben dann 133 der insgesamt 156 Agenturbezirke auf die Vorrangprüfung verzichtet. Aber auch wenn der „Arbeit + Sprache = Integration“ heißt das Pilotprojekt, für das das iGZ-Mitgliedsunternehmen Synergie mit dem iGZ-Award ausgezeichnet wurde. Über den Projektstart freuten sich (v.l.): Saskia Ohnmacht, Personalberaterin Synergie/Projektbeauftragte, Nicole Munk, Geschäftsführerin Synergie, Allen Khahak, Projektteilnehmer, Angelika Domig, Geschäftsführerin Böhmler Drehteile, Ines Wolf-Vetter, Gebietsleiterin Synergie. Ausländer zum Beispiel an einen Kunden in Münster überlassen werden soll, muss der Personaldienstleister immer einen bürokratischen Ablauf einhalten. Die Bundesagentur muss vor einem Einsatz zuerst noch die Beschäftigungsbedingungen prüfen. Das stellt zwar für unsere Mitglieder aufgrund der Tarifbindung keine Hürde dar, aber das braucht Zeit: Die Unterlagen müssen eingereicht werden, die Bundesagentur muss die Sachlage prüfen, die Aufenthaltsgestattung muss entsprechend geändert werden. Für einen kurzfristigen Einsatz bleibt da leider wenig Spielraum. Ist die Zustimmung aber einmal da, gibt es keine Hürden mehr. Judith Schröder von Kleinsorgen: Trotzdem, ich denke, dass die Zeitarbeit auf einem guten Weg ist. Und es geht noch mehr. Viele Minderjährige haben den Weg nach Deutschland auf sich genommen. Auch diesen jungen Menschen kann die Zeitarbeit unter die Arme greifen. Es gibt verschiedene von der Bundesagentur für Arbeit initiierte Projekte zur Integration, insbesondere von Jüngeren. Sie sollen so an den Arbeitsmarkt herangeführt werden mit dem Ziel, vielleicht eine Ausbildung zu machen. Die Personaldienstleister können einen Beitrag leisten, indem sie sich zum Beispiel als Praktikums- oder Ausbildungsbetrieb zur Verfügung stellen. Schröder: Es gibt also genug zu tun – auch aus rechtlicher Sicht. Dabei sollten unsere Mitglieder auch viel Wert darauf legen, dass die beschäftigten Flüchtlinge die deutsche Sprache erlernen. Sprache spielt nämlich nicht nur eine integrative Rolle, sondern auch eine rechtliche. Ich denke da insbesondere an den Arbeitsschutz. Hier muss genau geprüft werden, welche Anforderungen ich als Arbeitgeber an die Sprachkenntnisse meiner Arbeitnehmer stelle. Je nach Sprachniveau kann es sein, dass der Kunde und der Personaldienstleister in die Muttersprache des Beschäftigten übersetzen müssen. von Kleinsorgen: Auch hier sind viele Mitglieder schon aktiv und bieten Sprachkurse an oder unterstützen die Teilnahme an solchen. Es bleibt zu hoffen, dass das große Engagement der Branche weiterhin so erfolgreich fortgeführt werden kann. Schröder: Insbesondere darf es keine Rückkehr zu alten Regelungen geben, wie sie vor den Reformen gegolten haben. Aktuell soll der Verzicht auf die Vorrangprüfung allerdings nur für drei Jahre gelten. Damit wäre dann schon 2019 Schluss, und es würde die Vierjahres-Regelung wieder greifen. von Kleinsorgen: Das wäre nicht nur für die Branche schlecht, sondern auch für die Geflüchteten. Was sagt unsere neue Regierung eigentlich hierzu? Clemens von Kleinsorgen Schröder: Im Koalitionsvertrag habe ich nach langem Blättern die entscheidende Aussage gefunden: „Schließlich wollen wir die Regelungen des Integrationsgesetzes entfristen und die Wohnsitzregelung zeitnah evaluieren“. Das macht Mut und gibt Hoffnung auf noch mehr Deregulierung. Es scheint nicht ausgeschlossen zu sein, dass künftig auch geeignete und qualifizierte Fachkräfte aus Drittstaaten in der Zeitarbeit beschäftigt werden könnten. Das ist aktuell auch nicht ohne weiteres möglich. von Kleinsorgen: Das würde die Branche tatsächlich einen großen Schritt nach vorne bringen. Das heißt für uns: Wir warten ab, machen aber so weiter wie bisher. 2016 2017 20 21

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