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Z direkt!-Sonderausgabe 20 Jahre iGZ

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20 Jahre iGZ Arbeitsmarktpolitik Arbeitsmarktpolitik 20 Jahre iGZ Flüchtlingsintegration: Clemens von Kleinsorgen und Judith Schröder im Gespräch Stärkster Integrationsmotor: Zeitarbeit bietet Chancen Der Flüchtlingsstrom hat auch die Zeitarbeitsbranche gefordert und wieder einmal gezeigt, dass die Zeitarbeit ihrer Rolle als Integrationsmotor vollumfänglich gerecht wird. Das Hauptamt des iGZ hat sich intensiv mit dem Thema „Flüchtlinge in der Zeitarbeit“ befasst und dieses aus vielen unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet, erklärt und dargestellt. Clemens von Kleinsorgen, Referat Arbeitsmarktpolitik, und Judith Schröder, iGZ-Referat Arbeits- und Tarifrecht, ziehen gemeinsam ein Resümee. Schon früh war klar, dass die Flüchtlingswelle Gesellschaft, Politik und insbesondere das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge vor große Herausforderungen stellen und der Ansturm auf Asyl mit den vorhandenen (rechtlichen) Möglichkeiten und Regelungen nicht zu bewältigen sein würde. Es kam daher zu einer Vielzahl von Reformen, die aus rechtlicher und arbeitsmarktpolitischer Sicht auch der Zeitarbeit zugute gekommen sind. Clemens von Kleinsorgen: Die Zahlen haben es deutlich gemacht: In den Jahren 2014/2015 wurden rund 680.000 Asylanträge gestellt. Wie hat der Gesetzgeber denn darauf reagiert? Judith Schröder: Die Ereignisse haben sich überschlagen. Reform folgte auf Reform. Es begann alles im Oktober 2015 mit dem Asylreformpaket I, dann kam Asylpaket II, das Datenaustauschverbesserungsgesetz, das Integrationsgesetz und so weiter. Es wurde erkannt, dass der Zugang zur Arbeit einer der wichtigsten Integrationsfaktoren darstellt. Daraufhin hat der Gesetzgeber den Zugang zum Arbeitsmarkt für geflüchtete Menschen erleichtert. Das war längst überfällig. Denn bis dahin war eine Beschäftigung von Geduldeten und Asylbewerbern erst nach einem vierjährigen Aufenthalt in Deutschland möglich. von Kleinsorgen: Mit Reglementierungen hat die Zeitarbeit aber nach wie vor zu kämpfen. Zwar war die Branche schon immer Vorreiter bei der Beschäftigung von Arbeitnehmern mit Migrationshintergrund. Jeder vierte Zeitarbeitnehmer besitzt einen ausländischen Pass (28 Prozent). Die Branche könnte aber noch viel mehr bewegen. Leider werden den Personaldienstleistern noch viele Steine in den Weg gelegt. Die Beschäftigung von Drittstaatsangehörigen in der Zeitarbeit ist stark beschränkt. Schröder: Ja, das stimmt. Aber immerhin hat sich viel bei den Asylbewerbern und Geduldeten getan. Aktuell ist es so, dass die Ausländer mit Aufenthaltsgestattung und Duldung bereits nach drei Monaten Aufenthalt in der Zeitarbeit beschäftigt werden dürfen. Voraussetzung ist aber, dass die Beschäftigung in einem Bezirk der Agentur für Arbeit ausgeübt wird, der auf die Vorrangprüfung verzichtet hat. von Kleinsorgen: Puh, hört sich kompliziert an. Schröder: Ja, schon ein wenig. von Kleinsorgen: Ok. Also muss der Personaldienstleister herausfinden, welche Agenturbezirke auf die Vorrangprüfung verzichtet haben. Schröder: Genau. Alle diese Agenturbezirke sind in einer Anlage zu § 32 Beschäftigungsverordnung aufgeführt. Die Beschäftigungsverordnung kann man über Google finden. Aber Spaß beiseite: Aus rechtlicher Sicht gibt es hier viel zu erzählen. Ich muss zugeben, dass die Materie nicht ganz einfach ist, aber es ist wichtig, dass sich der Personaldienstleister auskennt und weiß, wann er Asylbewerber und Geduldete einstellen darf und wann nicht. Hierbei unterstützen wir unsere Mitglieder, indem der Verband zum Beispiel spezielle Seminare anbietet, Netzwerke knüpft, Projekte ins Leben ruft, den Austausch mit Politikern sucht und vieles mehr in Bewegung bringt. Clemens, du kennst dich da besser aus. von Kleinsorgen: Hier gibt es tatsächlich viel zu erzählen. Der iGZ hat schon einiges zusammen mit seinen Mitgliedern auf die Beine gestellt. Wir bieten eine Reihe von Veranstaltungen und Seminaren sowie Zertifizierungen zu diesem Thema an. Der iGZ hat seit Sommer 2016 einen eigens für die arbeitsmarktpolitische Integration und Betreuung von geflüchteten Menschen entwickelten Lehrgang zum TÜV-zertifizierten „Integrationsexperten in Zeitarbeitsunternehmen“ ins Leben gerufen, der von seinen Mitgliedern gut angenommen wird. Mit Erfolg in der Praxis: Das iGZ-Mitgliedsunternehmen Raphael Personal-Service beschäftigt beispielsweise 15 Geflüchtete in heimischen Kundenbetrieben. Für das Erfolgsrezept der Kombination aus Integration in den Arbeitsmarkt und Vermittlung deutscher Sprache wurde das Mitgliedsunternehmen Synergie im Frühjahr 2017 mit dem iGZ-Award ausgezeichnet. Die Zeitarbeit ist Vorreiter bei der Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt. Keine Branche hat mehr Geflüchtete in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt als die Zeitarbeit. Des Weiteren haben wir die Projektgruppe „Zielgruppen am Arbeitsmarkt“. Diese Projektgruppe analysiert, welche Zielgruppen des Arbeitsmarktes im Sinne eines Abbaus der strukturellen beziehungsweise der Langzeitarbeitslosigkeit am ehesten Potenziale zur (Re-) Aktivierung für den Arbeitsmarkt bieten. Das sind zum Beispiel Frauen, Ältere, Berufseinsteiger oder Flüchtlinge. Diese Zielgruppen werden vor dem Hintergrund analysiert, welche Besonderheiten bei Ansprache, Umgang und Betreuung zu berücksichtigen sind. Ziel ist es, die Kompetenz der Zeitarbeitsunternehmen gerade auch mit Blick auf die (Re-)Aktivierung Am 20. Januar 2017 fand die erste Abschlussprüfung des Lehrgangs „Integrationsexperten in Zeitarbeitsunternehmen“ vor dem TÜV Rheinland statt. 2014 2015 2016 2017 18 19

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