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30 CORONAKRISE Über den

30 CORONAKRISE Über den Tellerrand schauen Die Coronakrise hat Zeitarbeitsunternehmen hart getroffen. Wie hart, das hat oft mit der Branche zu tun, in die das Unternehmen überlässt. Vier iGZ-Mitgliedsunternehmen – aus den Bereichen Pflege, Baugewerbe, Logistik und Automobilindustrie – berichten über ihre Erfahrungen während der Krise und des erneuten Lockdowns. Dabei zeigt sich, wie unterschiedlich Unternehmen mit den Folgen des Virus umgehen. Zu Beginn der Coronakrise kämpfte Elke Schneider, Geschäftsführerin der Personal Service PSH Wolfsburg GmbH, um jeden Job. Im März verzeichnete die auf Überlassung in Automobilindustrie und Handwerk spezialisierte Zeitarbeitsfirma einen starken Einbruch der Aufträge. Schneider musste für alle Mitarbeiter Kurzarbeit anmelden. Sie entschied sich, auch außerhalb ihrer Stammbereiche nach Aufträgen zu suchen: „Wir waren gezwungen, über den Tellerrand zu schauen.“ Das bedeutete: zum Hörer greifen und möglichst viele Unternehmenin Wolfsburg und Umgebung finden, die Unterstützung benötigen. Hier zeigten sich die Vorteile der Coronakrise: Denn das Zeitarbeitsunternehmen hatte seit Jahren versucht, Fuß in der Lebensmittelbranche zu fassen. Gelungen sei es dem Unternehmen erst jetzt, wo in der Branche deutlich mehr Helfer benötigt würden. Die Geschäftsführerin überließ beispielsweise Arbeitskräfte, die bei der Verpackung der Lebensmittel unterstützten, um Supermärkte zu beliefern. Auch andere Bereiche konnte das Unternehmen nun erschließen: Ein anderer großer Personaldienstleister benötigte in der Krise mehr Personal und so einigten sich die Personal Service PSH Wolfsburg und dieser auf eine Kooperation, um bessere Synergieeffekte zu erzielen. Mittlerweile ist die Geschäftsführerin mit der wirtschaftlichen Entwicklung ihres Unternehmens sehr zufrieden: „Wir sind dabei, unsere gesteckten Monatsziele wieder zu erreichen.“ Auch der erneute Lockdown im November habe daran nichts geändert. Sie blicke mit Zuversicht auf die Entwicklung des nächsten Jahres. FREMDES PERSONAL UNERWÜNSCHT Auch Zeitarbeitnehmer in der Pflegebranche waren zu Beginn der Pandemie von der Ungewissheit und dem unsicheren Umgang mit dem Virus betroffen. „Geschäftspartner wollten kein fremdes Personal im Haus haben.“, erinnert sich der Geschäftsführer des iGZ-Mitglieds Pflegepartner Nord GmbH, Kamil Lukas Morciniec, an die schwierige Situation im Frühjahr. Es sei zu einem nahezu kompletten Personalstopp gekommen. Wie Schneider bemühte sich auch Morciniec um mehr Aufträge und rief bei etlichen Seniorenheimen und Pflegeeinrichtungen an. Auf Unterstützung von Zeitarbeitnehmern ließ man sich jedoch nur zögerlich ein, wenn das eigene Personal – etwa aufgrund von Quarantäneverordnungen – ausfiel. Wenige Überlassungen und unklare Regelungen – bis in den Mai blieb die Geschäftssituation mäßig. Dennoch konnte Morciniec genug Aufträge sichern und keiner seiner Mitarbeiter musste in Kurzarbeit gehen. „Seit Juni ist die Auftragslage wieder sehr gut. Wir stellen sogar Mitarbeiter ein“, freut sich Morciniec. Es habe geholfen, dass Pflegepartner Nord auf möglichst gleichbleibendes Personal in den Einrichtungen setze. Dieselben Zeitarbeitnehmer blieben meist in den gleichen Unternehmen. Dies sei wichtig für den Infektionsschutz und schaffe Vertrauen und Sicherheit für die Geschäftspartner. Die Auftragsflaute bis Juli nutzte das Unternehmen aus Pinneberg, um die Digitalisierung voranzutreiben. Das Wichtigste dabei: möglichst kontaktlos arbeiten. Unterlagen und Akten wurden digital statt per Brief verschickt. Für das Büroteam richtete das Unternehmen Homeoffice-Plätze mit

Z direkt! 04/2020 Anzeige prosolution.com einem zentralen Server ein. Die hauseigene App half der Belegschaft, sich bereits während der Pandemie über die aktuelle Corona-Situation, neue Maßnahmen, Vorschriften oder Beschränkungen zu informieren. Geschäftsführer Morciniec glaubt trotz der steigenden Fallzahlen, dass sich die Situation wieder verbessert: „Das Unbekannte war der große Faktor. Jetzt ist es ein greifbarer Gegner und das nimmt die Angst.“ Das führe auch dazu, dass sich die Kundenunternehmen entspannten und sich die Auftragslage in der Pflegeindustrie normalisiere. docu! recrute! go! UNSICHERE ZUKUNFT Serhat Nil, Geschäftsführer der iGZ-Mitgliedsfirma BS Montagetechnik GmbH, bleibt skeptisch und möchte keine Einschätzung – weder positiv noch negativ – über die kommende Zeit geben. Die Situation sei noch immer sehr ungewiss. „Wir sind da auf die Politik angewiesen und müssen warten, welche Regelungen noch kommen und wie die Lage sich entwickelt.“ Auf seine Auftragslage habe sich Corona noch wenig ausgewirkt. Er überlasse Zeitarbeitnehmer, die Sprinkleranlagen in Hotels und Bürogebäuden montieren. Die Auswirkungen der Krise erwarte er in seiner Branche erst in den kommenden Jahren, wenn wirtschaftsbedingt weniger gebaut werde. Trotzdem habe die Krise enorme Folgen für seine Belegschaft: Sein Unternehmen mit Sitz in Berlin beschäftigt auch Osteuropäer, etwa aus der Slowakei, die für die Arbeit nach Deutschland reisen. „Diese Mitarbeiter müssen erstmal in Quarantäne, wenn sie hier ankommen oder nach Hause fahren“, erklärt Nil. Vor der Pandemie war es üblich, für zehn Tage anzureisen und dann wieder zu fahren. Mit der Quarantäneregelung war dies nicht mehr möglich. Deshalb einigte sich der Geschäftsführer mit seinen Mitarbeitern darauf, für mehrere Wochen zum Arbeiten zu kommen und Zeit vom Arbeitszeitkonto abzubauen, wenn sie wieder abreisen. Die meisten Mitarbeiter waren einverstanden, bis Dezember weiter in Deutschland zu bleiben. Wie es 2021 weitergeht, bleibt jedoch unklar. Mit Unsicherheit hat auch Bernd Golik zu kämpfen. Der Geschäftsführer der BHGo Logistik GmbH aus Frankfurt am Main verzeichnete in diesem Jahr einen starken Einbruch der Aufträge. „Die Nachfrage ist gerade grottenschlecht“, so Golik. Die Lage sei nicht mehr so kritisch wie zu Beginn der Pandemie, die Aufträge lägen jedoch weit hinter den üblichen Zahlen. Seine Firma überlässt LKW- Fahrer und Golik erwartet auch für die Weihnachtszeit eine überschaubare Auftragslage. Sonst habe das iGZ- Mitgliedsunternehmen zu dieser Zeit die meisten Geschäfte gemacht. Wie es weitergeht und ob sich seine Situation normalisieren werde, kann auch Golik nicht sagen: „Wir werden jetzt auf Sparflamme durch den Winter kommen und dann hoffen, dass die Lage sich verbessert.“ GB ERP-SOFTWARE FÜR PERSONALDIENSTLEISTER RECRUITING, CRM, HRM, DMS, ZEITERFASSUNG. Webbasiertes ERP-System als SaaS PROZESSORIENTIERT . PROZESSOPTIMIERT . DIGITAL Kommen Sie zu uns! Mit uns haben Sie eine gute Zeit. www.prosolution.com | office@prosolution.com

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