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Z direkt! 03-2017

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Z direkt! Titelthema Titelthema Z direkt! Internationale Verstärkung für das interne Team Syrische Personalberater schaffen Vertrauen Die Tür schwingt auf, und ein syrischer Mitarbeiter kommt herein. „Guten Morgen, wie kann ich Ihnen helfen?“, fragt Gebietsleiterin Brigitte Erang. Der Syrer grüßt freundlich zurück und deutet auf eine Bürotür: „Ich möchte zu Emad.“ Die Gebietsleiterin lacht. „Tja, bei unseren syrischen Mitarbeitern bin ich inzwischen abgeschrieben. Die möchten nur noch mit Herrn Kendakji sprechen.“ Emad Kendakji arbeitet seit Anfang Mai als Personalberater in der Saarlouiser Niederlassung des iGZ-Mitglieds TimePartner. Der 31-Jährige kam vor zweieinhalb Jahren nach Deutschland. Weil sein Berufsabschluss hier nicht anerkannt wurde, bewarb sich der studierte Rechtsanwalt beim Zeitarbeitsunternehmen für eine Helfertätigkeit in der Lebensmittelindustrie. „Aber als ich seinen Lebenslauf gesehen habe, wusste ich – der kann mehr“, war sich Erang sofort sicher. Gelernter Anwalt Neben seiner Anwaltsausbildung hat Kendakji in Syrien zehn Jahre lang im kaufmännischen Bereich gearbeitet. In Deutschland absolvierte er Praktika in der Verwaltung des saarländischen Landtags und bei der IHK im Bereich „Standortpolitik und Flüchtlingsintegration“. Seine Deutschkenntnisse verbessert er stetig. „Ich verstehe inzwischen alles und kann gut lesen. Schreiben fällt mir noch etwas schwerer, aber das wird schon noch“, zeigt er sich optimistisch. Eine einzige Hürde bleibt: „Wenn jemand richtig Saarländisch spricht, verstehe ich kein Wort“, schmunzelt Kendakji. „Das muss ich wohl auch noch lernen.“ Schon 19 Syrer eingestellt Seit Mai ist Kendakji in Saarlouis erster Ansprechpartner für alle arabischsprachigen Bewerber. Die Flüchtlinge begrüßen es, ihre Fragen in der Landessprache beantwortet zu bekommen. Das macht Vieles einfacher. „Syrer haben Angst vor deutschen Arbeitsverträgen“, nennt Kendakji ein Beispiel. Darum übersetzt er das Dokument Satz für Satz und erklärt die Details. Außerdem führt er die Bewerber an die Sitten der deutschen Arbeitswelt heran. Mit vollem Erfolg: „In den letzten vier Monaten habe ich schon 19 syrische Kollegen eingestellt“, berichtet Kendakji stolz. Und jeder neue Mitarbeiter bringt neue Bewerber. „Ich sage denen immer: ‚Wenn ihr zufrieden seid, dann sagt euren Freunden Bescheid!‘“, verrät Kendakji sein Erfolgsgeheim- nis. Außerdem hilft ihm sein starkes Netzwerk bei der Rekrutierung. „Ich pos- te auch manchmal freie Stellen auf arabischen Fa- cebookseiten, das spricht sich dann schnell rum.“ Sacha Müller (l.) und Brigitte Erang mit den beiden syrischen Personalberatern Emad Kendakji (2.v.l.) und Anas Almashhour. Führerschein in Sicht Bald soll Kendakji die neuen Kollegen auch zu den Einsätzen beim Kunden begleiten. Dafür macht er gerade seinen Führerschein, den er vom iGZ-Mitglied TimePartner bezahlt bekommt. „Emad kann dann noch vielfältigere Aufgaben für uns übernehmen“, freut sich Erang. Vertrauensbasis schaffen „Früher kam immer mal wieder vereinzelt ein Asylbewerber bei uns rein“, berichtet Sacha Müller, Projektmanager InhousePartner. „Seit Emad Kendakji da ist, sind es viel mehr. Es schafft natürlich eine ganz andere Vertrauensbasis, wenn dort ein Landsmann sitzt.“ Müller gehörte zu den ersten, die den Integrationslehrgang des Interessenverbandes Deutscher Zeitarbeitsunternehmen absolviert haben. Spätestens danach stand für ihn fest, dass sich TimePartner stärker auf Flüchtlinge ausrichten sollte. „Wir haben im Saarland seit einiger Zeit Vollbeschäftigung. Darum haben wir beschlossen, Flüchtlinge als neue potenzielle Bewerbergruppe anzusprechen“, erklärt Müller. Ziel: Flüchtlingslotsen in jeder Region Als Gebietsleiterin Erang vorschlug, Kendakji nicht extern beim Kunden, sondern intern als Personalberater einzustellen, stimmte er sofort zu. „Das ist für uns auf jeden Fall der richtige Weg. Langfristig möchten wir in jedem Gebiet mindestens einen Flüchtlingslotsen beschäftigen.“ Und dieser Plan scheint zu gelingen, denn der nächste syrische Personalberater steht schon in den Startlöchern. „Anas Almashhour wird zunächst in Saarbrücken eingearbeitet und wechselt dann in die Niederlassungen Düren und Euskirchen“, berichtet Müller. „Sein Bruder wohnt im Ruhrgebiet, darum passt der Ortswechsel ganz gut.“ Zukunftspläne Auch Emad Kendakji hat für die nähere Zukunft schon Pläne geschmiedet. Ende des Jahres kommt seine Frau aus Syrien. „Sie bereitet sich jetzt schon vor und lernt Deutsch“, erläutert er. Und auch er trifft erste Vorbereitungen, damit sich seine Frau in der neuen Heimat schnell wohlfühlen kann: Dank seiner Beschäftigung bei TimePartner konnte er vor zwei Monaten in eine eigene Wohnung umziehen, in der beide Platz finden werden. „Wenn meine Frau kommt, nehme ich mir einige Tage Urlaub. Dann kann ich ihr die Stadt und die Gegend zeigen“, freut sich Kendakji. Und irgendwann sollen dann auch die gemeinsamen Kinder in Deutschland aufwachsen. Maren Letterhaus 17

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