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26 TITELTHEMA Das Telefon steht kaum still Seit März bietet der Interessenverband deutscher Zeitarbeitsunternehmen seinen Mitgliedern eine kostenlose Erstberatung durch Bernd Loh und Guido Alesius an. Die beiden Finanzexperten sind auf die Zeitarbeitsbranche spezialisiert und beraten schon seit mehr als 30 Jahren Unternehmen, die in finanzielle Schieflage geraten sind. So viel zu tun wie aktuell, hatten die beiden Experten noch nicht einmal in der Finanzkrise vor zwölf Jahren. Guido Alesius Bernd Loh berichtet Guido Alesius aus seiner täglichen Praxis. Viele Unternehmen kämpften ums Überleben und hielten sich durch die staatlichen Hilfen gerade so über Wasser. Täglich 30 bis 40 Anrufe erhalten die Unternehmensberater Bernd Loh und Guido Alesius. Viele Zeitarbeitsfirmen sind von der Coronakrise hart getroffen und die finanziellen Förderungen reichen nicht immer aus. Gerade für die Mittelständler sei der Kredit der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“, meint Bernd Loh. Der Unternehmensberater aus Mülheim an der Ruhr mag gar nicht daran denken, was eine zweite Infektionswelle für die Unternehmen der Zeitarbeitsbranche bedeuten würde. „Heute hatte ich eine Zeitarbeitsfirma am Telefon, die mit ihrem ersten KfW-Antrag gescheitert ist, weil sie eine Restrukturierung in 2018/2019 hinter sich hat und damit nicht optimale Bilanzen vorweisen kann. Ich hoffe, dass die Planung für 2021 und 22 überzeugen kann und dann der Schnellkredit hoffentlich bewilligt wird“, Der Wunsch nach noch mehr finanzieller Unterstützung sei bei allen Unternehmen vorhanden, mit denen er in den vergangenen Wochen gesprochen habe. „Aber ich denke, dass die zur Verfügung gestellten Finanzhilfen grundsätzlich ausreichend sind,“ sagt Loh. „Schwierigkeiten haben vor allem die Unternehmen, die schon in den Vorjahren um ihr Überleben kämpfen mussten und entsprechend schlechte Zahlen vorweisen. Diese Unternehmen sind von allen Fördermaßnahmen ausgeschlossen. Die kommenden Monate sind entscheidend dafür, ob die Stellschrauben gegebenenfalls nachjustiert werden müssen. Das mache ich davon abhängig, wie rasch und nachhaltig die Wirtschaft wieder in Fahrt kommt.“ Den Zeitarbeitsfirmen geht es im Moment nach Einschätzung der Finanzexperten „schlecht bis kritisch“. „2018 waren schon die ersten Auswirkungen der AÜG-

Z direkt! 02/2020 TITELTHEMA 27 Reform spürbar, die sich dann in 2019 vollends entfaltet haben. Das hat sich in Verbindung mit der zuletzt konjunkturellen Eintrübung negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung etlicher Personaldienstleister ausgewirkt und vielfach finanzielle „Polster“ aufgezehrt. Dieses Geld fehlt jetzt“, meint Bernd Loh. FINANZIELLE HILFE ALS RETTUNGSANKER „Ich habe ein Unternehmen in der Beratung, welches in den Jahren 2017 und 2018 Verluste ausweisen musste, aber 2019 wieder in die Gewinnzone gekommen ist. Das Unternehmen aus Stuttgart beschäftigt knapp 120 Mitarbeiter und hatte durch die Coronakrise verursacht einen Finanzbedarf von rund 160.000 Euro, der nun durch einen KfW-Schnellkredit abgedeckt werden konnte. In diesem Fall war die hundertprozentige Haftungsfreistellung für die Hausbank der ausschlaggebende Faktor. Wäre die komplette Haftungsfreistellung für die Hausbank nicht gewährt worden, wäre die Finanzierung nicht zustande gekommen.“ Aber es kann auch genau in die andere Richtung gehen: „Es ging um ein an sich gesundes größeres Zeitarbeitsunternehmen aus dem Frankfurter Raum, das in den vergangenen Jahren immer Gewinne erzielen konnte, auch wenn diese in den vergangenen beiden Jahren aufgrund der AÜG-Reform rückläufig waren. Das Unternehmen hat einen Finanzierungsbedarf von 1,4 Mio. Euro, welcher über einen KfW-Schnellkredit nicht abgedeckt werden kann. Da liegt die Höchstgrenze bei 800.000 Euro. Für den benötigten Kreditbetrag kam nur ein anderes Förderprogramm der KfW in Frage, das aber die Hausbank mit einem Restrisiko von 20 Prozent behaftet. Die begleitende Hausbank lehnte die Finanzierung mit der Begründung ab, dass die Branche keine positive wirtschaftliche Prognose habe. Zurzeit wird versucht, den Finanzierungsbedarf mit Gesellschafterdarlehen und Mitarbeiterbeteiligungen aufzufangen.“ ES GEHT BERGAUF Ein Lichtblick in der Krise ist die Bereitschaft der Banken, ihre Aufgabe bei der Bereitstellung der erforderlichen Finanzmittel wahrzunehmen. „Die hat sich verbessert. Die anfängliche Angst bei einigen Banken die Haftungsfreistellung durch die KfW bei Krediten an weniger solide Unternehmen zu verlieren, hat sich etwas gelegt. Auch wenn es Ende 2021 und Anfang 2022 mit der Liquidität – dann beginnen die ersten Tilgungen auf die heute beantragten Fördermittel – düster aussehen kann, glaube ich schon, dass sich jetzt alles relativ schnell zufriedenstellend und für viele Unternehmen ausreichend entwickeln wird“, betont Guido Alesius. Dennoch werde es ein Umdenken geben und einige Branchen wie die Gastronomie und Automobilindustrie sind die großen Verlierer dieser Krise. „Für dieses Jahr rechne ich zwar mit einer Belebung ab dem zweiten Halbjahr“, schaut Loh nach vorne. „Aber das Vorkrisenniveau wird voraussichtlich erst zum Herbst des kommenden Jahres erreicht werden können. Wir werden also eine lange Durststrecke zurücklegen müssen.“ KM Anzeige #WIRKÖNNENKUG ... damit Sie mehr Zeit für die schönen Dinge im Leben haben! € € E+S Zeit € E+S LuG E+S Info-App E+S Zeit - ist die intelligente Branchenlösung für alle Personaldienstleister. Von der Akquise bis zur tarifgerechten Bruttolohnermittlung. E+S LuG - vereint alle tariflichen und gesetzlichen Abrechnungsformen branchenübergreifend. Abrechnung leicht gemacht! E+S Info-App - mit der App sind Sie zu jederzeit auskunftsfähig und überblicken Ihre Kunden- und Personaldaten einfach von unterwegs. www.es-software.de

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