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Z direkt! 01-2021

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26 NACHGEFRAGT Ost und

26 NACHGEFRAGT Ost und West – nun auch im Tarif vereint In Deutschland pendeln hunderttausende Menschen zur Arbeit. Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit zeigt: Dort wo am wenigsten verdient wird, ist der Drang zum Pendeln am größten – im Osten. In der Zeitarbeitsbranche fällt dieser Grund ab April weg. Mit der letzten Angleichungsstufe im Tarifvertrag ist sichergestellt: Wer als Zeitarbeitnehmer in einem ostdeutschen Bundesland arbeitet, bekommt das gleiche Gehalt wie für die vergleichbare Tätigkeit in einem westlichen Bundesland. Mehr als dreißig Jahre sind seit dem Fall der Mauer vergangen, Ost und West sind wieder vereint, aber längst nicht gleichgestellt – zumindest mit Blick auf den Verdienst. In der Zeitarbeit gilt ab dem 1. April: durchschnittlich 7,1 Prozent mehr Lohn – und damit das gleiche Lohnniveau wie im Westen. „Endlich, das wurde auch mehr als Zeit“, kommentiert Florian Meyer, „auch wenn es uns durchaus – finanziell gesehen – auch weh tut.“ Meyer – Vorstandsmitglied von iGZ-Mitgliedsunternehmen GeAT AG – ist ein Kind aus beiden Welten: im Osten geboren, im Westen aufgewachsen und im Osten die berufliche und familiäre Heimat gefunden. Von 15 Standorten in Thüringen aus überlässt GeAT Florian Meyer | GeAT AG rund 1.000 Mitarbeiter in die unterschiedlichsten Branchen, von der Logistik über die Automobilzulieferung und Optik bis hin in den gewerblich-technischen und Handwerksbereich. „Die Zeitarbeitsbranche nimmt eine Vorreiterrolle ein – nicht nur in Sachen Mindestlohn“, unterstreicht Meyer, „sondern auch bei der Ost-West- Angleichung – und das ist wichtig.“ FREUD UND LEID ZUGLEICH Voll hinter der Tarifangleichung steht auch Jan Lehmkuhl: „Kaum eine andere Branche hat eine derartige Entwicklung genommen und es gibt noch nicht viele Branchen, die eine Ost-West-Lohnangleichung vollzogen haben.“ Für seine Mitarbeiter sei die Angleichung der Löhne gut, berichtet der Geschäftsführer der PUR Montage-Dienstleistungs-GmbH aus Dresden. Aber Tariflohnerhöhungen bedeuteten im Endeffekt auch höhere Kosten. „Die Freud der Mitarbeiter ist das Leid der Zeitarbeits- und Kundenunternehmen. Im vergangenen Jahr konnten viele Zeitarbeitsunternehmen hier im Osten die Lohnerhöhungen nicht an ihre Kunden weitergeben – wir auch nicht. Unsere Preise sind stabil geblieben, wir haben auf eine Preiserhöhung verzichtet, um Aufträge und Mitarbeiter zu behalten.“ In der Coronakrise hätten viele Zeitarbeitsunternehmen einfach nur noch versucht, am Markt zu bleiben und hätten zum Teil eingebüßt, um nur mit einem blauen Auge davonzukommen, berichtet Lehmkuhl von seinen Erfahrungen. Das iGZ-Mitgliedsunternehmen PUR überlässt in der gesamten Republik Schweißer. Die Coronapandemie mit den Nachfrage-Rückgängen in der Zeitarbeitsbranche und dazu im Metall- und Elektro- Handwerk hat Lehmkuhl in seinen Auftragsbüchern doppelt gemerkt. „Aber wir haben das Jahr trotz allem gut gemeistert“, sagt der gebürtige Westfale.

Z direkt! 01/2021 NACHGEFRAGT 27 ATTRAKTIVER ARBEITGEBER Qualität hat ihren Preis – das ist auch das Credo von DREMO-Geschäftsführer Jörg Bachmann. „Die Tarifentwicklung sehe ich sehr positiv – denn sie macht uns als Arbeitgeber attraktiver. Wenn es diesen Zwang durch die Arbeitgeber, Gewerkschaften und Verbände nicht geben würde, sähen die Löhne in der Zeitarbeit wesentlich schlechter aus“, ist sich Bachmann sicher. DREMO überlässt Fachkräfte und Fachhelfer an aktuell rund 90 Kundenunternehmen überwiegend im Handwerk und der Altenpflege. „Für uns als Zeitarbeitsunternehmen ist die Erhöhung zum 1. April aber auch kritisch, denn der Pluspunkt für unsere Mitarbeiter, sie im Westen zu einem höheren Tariflohn einzusetzen, fällt nun weg.“ Die Kundenunternehmen reagierten unterschiedlich auf die Tarifangleichung. „Sie steht ja in den Verträgen festgeschrieben und kommt jetzt nicht als Überraschung. Aber natürlich haben das nicht mehr alle Kunden auf dem Schirm.“ Zwei Unternehmen hätten DREMO bereits signalisiert, die Überlassung aufgrund der Tariferhöhung zu beenden, weil gerade in der Entgeltgruppe 4 der Sprung nach oben groß und das im Handwerk nicht leicht zu stemmen sei, erklärt Bachmann. „Bei anderen Kunden gehen wir aus der Erfahrung davon aus, dass es nach der ersten Rechnung ab Ende April weitere Diskussionen geben wird.“ VERTRAUEN UND LANGFRISTIGKEIT Auch GeAT hat die Tarifangleichung frühzeitig an die Kunden kommuniziert: „Wir haben mit unseren Kundenunternehmen gesprochen – auch darüber, dass wir in allen Bereichen steigende Kosten haben und unsere Jan Lehmkuhl | PUR Montage-Dienstleistungs-GmbH Preispolitik dies natürlich auch abbildet“, erklärt Florian Meyer. „Fakt ist: Zeitarbeit ist kein Instrument, um billige – und ich sage bewusst billige – Mitarbeiter zu bekommen. Wir bieten ein umfangreiches Portfolio an hochqualitativer Dienstleistung und das kostet eben Geld.“ Auch bei PUR gebe es immer mal wieder Kunden, die ab und an einen anderen Dienstleister ausprobierten, verrät Jan Lehmkuhl. „Die meisten kommen aber wieder zu uns zurück, weil sich Qualität einfach durchsetzt.“ Über die Tarifangleichung hat das Dresdener Unternehmen seine Kunden bereits informiert. „Da braucht man allerdings viel Fingerspitzengefühl und wir haben die Umsetzung sehr vom jeweiligen Kunden abhängig gemacht“, berichtet Lehmkuhl. „Wir schauen Anzeige # Easy Homeoffice mit E+S Personaldienstleister ... damit Sie sich auf die wichtigen Dinge im Leben konzentrieren können! Mit uns bleiben Sie flexibel - jetzt und in Zukunft! www.es-software.de vertrieb@es-software.de

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