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Z direkt! 01-2021

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18 TITELTHEMA

18 TITELTHEMA Corona-Hilfen – Tropfen auf den heißen Stein oder Rettungsanker? Der Corona-Schutzschirm, den die Bundesregierung aufgespannt hat, um die Unternehmen von den Auswirkungen der Corona-Lockdown-Einschränkungen zu schützen, besteht aus vielen verschiedenen Einzelmaßnahmen. Diese haben sich in der Krise als unterschiedlich effektiv herausgestellt. Auch bei der Beliebtheit der Maßnahmen unter den Zeitarbeitsunternehmen sind klare Unterschiede zu beobachten. Mit 73 Prozent stiehlt die Kurzarbeit allen anderen Hilfsmaßnahmen die Show. Das hat eine Umfrage unter den iGZ-Mitgliedern ergeben, an denen 650 Zeitarbeitsunternehmen im Januar 2021 teilgenommen haben. Zum Vergleich: Im April 2020, also zu Beginn der Coronakrise, hatten 82 Prozent der befragten Unternehmen angegeben, dass sie die Anmeldung von Kurzarbeit in Erwägung ziehen. Das Instrument der Kurzarbeit hat der deutschen Wirtschaft bereits in der Finanzmarkt-Krise 2008 nicht nur das Überleben gesichert, sondern gleichzeitig auch eine ausgesprochen gute Startposition beschert. Denn während in anderen Staaten Beschäftigung abgebaut wurde und im Aufschwung zunächst wieder rekrutiert werden musste, konnten die deutschen Unternehmen sehr schnell und unkompliziert wieder auf eingearbeitete Arbeitskräfte zurückgreifen. Auch diesmal deutet sich an, dass das Modell Kurzarbeit als Brücke über die Krise funktioniert und Mitnahmeeffekte so gut wie nicht zu beobachten sind: „Wir sehen, dass sich Kurzarbeit nicht in Arbeitslosigkeit niederschlägt, wenn sie ausläuft. Sondern wir sehen, dass die Unternehmen die Arbeitszeit wieder hochfahren“, sagte der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesarbeitsminister Hubertus Heil. Am 12. März zogen die beiden eine arbeitsmarktpolitische Bilanz nach einem Jahr Corona. Dabei bezeichnete Heil die Kurzarbeit als „das wichtigste Instrument“ im Kampf gegen die krisenbedingte Arbeitslosigkeit. Und auch Scheele betonte: „Dass der deutsche Arbeitsmarkt angesichts der größten Krise der Nachkriegsgeschichte insgesamt vergleichsweise robust geblieben ist, verdanken wir vor allem der Kurzarbeit.“ Dennoch wurden auch andere Hilfsangebote in Anspruch genommen. Abgeschlagen hinter der Kurzarbeit aber tatsächlich auch auf Platz eins des Verfolgerfeldes landeten die Leistungen nach dem Infektionsschutzgesetz. Dabei handelt es sich um eine Entschädigung, die gezahlt wird, wenn beispielsweise ein Mitarbeiter behördlicherseits in Quarantäne geschickt wird. Immerhin 40 Prozent der befragten Unternehmen aus der Zeitarbeit haben angegeben, dass sie entsprechende Leistungen bereits bezogen haben. Interessant in diesem Zusammenhang: Vor einem Jahr sind nur 27 Prozent der Unternehmen davon ausgegangen, dass sie hiervon profitieren könnten. Ein Grund könnte sein: Es war vor einem Jahr auch noch das unbekannteste aller Unterstützungs-Instrumente. So gab seinerzeit jeder vierte Befragte an, von diesen Leistungen noch nie gehört zu haben. Ein absoluter Spitzenwert. Zurück in die Gegenwart: Auf Platz drei der populärsten Hilfsinstrumente landete die Stundung der VBG-Beiträge. Mit 37 Prozent waren es mehr als ein Drittel der befragten Zeitarbeitsunternehmen, die von diesem Angebot Gebrauch gemacht haben. Hier haben allerdings

Z direkt! 01/2021 TITELTHEMA 19 weniger zugeschlagen, als vor einem Jahr gedacht: Seinerzeit gingen 54 Prozent der Unternehmen davon aus, dass sie auf dieses Instrument zurückgreifen würden. Dennoch hat die gesetzliche Unfallversicherung VBG eine Fortschreibung dieser Entlastungsmaßnahme auch für 2021 in Aussicht gestellt. Platz vier sichert sich die Stundung von Steuerzahlungen. 34 Prozent haben mit diesem Angebot für betriebliche und liquiditätsmäßige Entlastung gesorgt. Im April 2020 waren noch 56 Prozent der befragten Zeitarbeitsunternehmen davon ausgegangen, diesen Schritt gehen zu müssen. liche Nutzung ein Stück weit hinter den erwarteten Inanspruchnahmen zurück, denn vor einem Jahr sind noch 44 Prozent davon ausgegangen, diese Hilfen in Anspruch nehmen zu müssen. Auch wenn die beiden Umfragen streng genommen statistisch nicht repräsentativ sind, sind sie aufgrund der hohen Beteiligungszahlen von rund 20 Prozent aller iGZ-Mitgliedsunternehmen dennoch aussagekräftig. Auffällig ist, dass die Befürchtungen vor den Auswirkungen der Krise vor einem Jahr sehr groß waren. So gingen damals 35 Prozent der Unternehmen davon aus, dass die Coronakrise für sie existenzgefährdend sein würde. Aktuell halten immer noch 22 Prozent aller Zeitarbeitsunternehmen die Krise für existenzgefährdend. Ein alarmierender Wert, der auch nicht dadurch relativiert werden kann, dass die vorherigen Befürchtungen noch schlimmer gewesen sind. Die Daten zur Inanspruchnahme der Hilfsinstrumente belegen diese Tendenz: Die Lage für die Unternehmen ist sehr schlecht. Dass wird nicht dadurch besser, dass viele Unternehmen befürchtet hatten, sie könne extrem schlecht werden. Deswegen ist es gut, dass die Politik die Kurzarbeit- Ausnahme für die Zeitarbeit weiter verlängert hat. Wie Bundesarbeitsminister Hubertus Heil verkündete, können sie Zeitarbeitsunternehmen bis zum 31. Dezember 2021 nutzen, wenn sie dieses Instrument bis zum 30. Juni eingeführt haben. Somit gibt es angesichts der weiterhin unübersichtlichen Krisen-Situation einen Aufschub um drei Monate. MS Die finanziellen Soforthilfeprogramme, die als „Novemberhilfen“ aufgrund der massiv verspäteten Auszahlung unrühmliche Bekanntheit erlangt haben, wurden von 30 Prozent der Zeitarbeitsunternehmen in Anspruch genommen. Auch hier bleibt die tatsächiGZ-KURZUMFRAGE zu den Auswirkungen der Coronakrise auf die Zeitarbeit

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