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Z direkt! 01-2021

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14 TITELTHEMA Interview

14 TITELTHEMA Interview „New Normal ist nicht mehr wegzudenken“ New ways of working, Homeoffice, Führen auf Distanz – seit Corona sind diese Begriffe aus der Arbeitswelt nicht mehr fortzudenken. Leere Büros, „glühende“ Internetleitungen und mehrmals täglich die Frage „Hört Ihr mich?“ oder „Seht Ihr gerade auch meinen Bildschirm?“. Das Arbeiten aus den eigenen vier Wänden und nicht zusammen mit den Kollegen im Büro ist für viele in Corona-Zeiten Alltag geworden. Und die meisten Führungskräfte mussten sich auf eine neue Art der Führung aus der Distanz einstellen. Zdirekt!-Chefredakteurin Sara Schwedmann hat mit der Managerin, Expertin für Change Management und Buchautorin Susanne Nickel gesprochen – über das Führen vor, während und nach Corona. Susanne Nickel

Z direkt! 01/2021 TITELTHEMA 15 Kein persönlicher Kontakt von Angesicht zu Angesicht, nicht zusammen als Team im Büro, sondern aus der Distanz über digitale Tools – kann man dazu überhaupt „Führen“ sagen? Jemand, der mit normaler Führung auf Kriegsfuß steht und generell nicht gern führt, der kommt mit Führen auf Distanz gar nicht klar, weil jetzt einfach andere Voraussetzungen vorliegen. Wenn ich Führungskraft bin, kann ich jetzt nicht einfach sagen, das ist nicht mein Verständnis von Führung, denn ich arbeite nun mal in einem Unternehmenskontext. Ich bin verantwortlich für die Ziele des Teams und für meine Ziele und insofern sollte ich mit den Gegebenheiten in der Pandemie umgehen und das Beste daraus machen. Das ist nicht immer einfach und viele Faktoren wie Motivation, Vertrauen, virtuelle Präsenz und Selbstführung spielen dabei eine Rolle. Aber ich sage ganz klar: So wie vor Corona wird es nach Corona nicht mehr sein. Wer sich also einem Führen aus der Distanz verschließt und sagt, das ist für mich kein Führen, der wird es in der Zukunft schwer haben, als Führungskraft zu bestehen. Viele Chefs der alten Schule fühlen sich verloren, seitdem ihre Mitarbeiter im Homeoffice verschwunden sind. Wie kann ich sie von den Vorteilen des digitalen Führens überzeugen? Das betrifft nicht nur oder besonders die älteren Führungskräfte. Die „alte Riege“ hat aber oft ein Thema, das stärker im Fokus steht: die Kontrolle. Begegnungen brauchen wir alle und für die jungen Menschen der Generationen Y und Z ist es nicht so einfach, aus der Distanz zu führen. In der – ich nenne es jetzt mal – alten Welt der Patriarchen, in der Weisung und Kontrolle vorherrschen, gilt oft noch: Wenn ich den Mitarbeiter nicht sehe und nicht kontrollieren kann, dann arbeitet er auch nicht. Das ist aber letztendlich eine Frage der Haltung und ein „Change im Mindset“, also auch eine Veränderung in der Denkweise, ist erforderlich. Um mit unseren Unternehmen – egal ob alt oder neu, groß oder klein – überlebensfähig zu sein, müssen wir mit der Zeit gehen und aus der Krise ins Neue aufbrechen. Dazu passt der alte Satz „Das haben wir noch nie so gemacht.“ nicht. Da kann ich mich jetzt auf den Kopf stellen und mit den Füßen wackeln. Die Pandemie lässt zurzeit nichts anderes zu und dazu drängen Generationen auf den Markt, die mehr nach dem Sinn suchen, die mehr mitbestimmen wollen und das Thema Netzwerkorganisation und agiles Arbeiten forcieren. Jetzt gilt es zu erkennen, einzusehen und sich neu auszurichten. Corona hat einen Quantensprung im modernen Führen erzwungen. Wodurch zeichnet sich eine gute „digitale“ Führungskraft aus? Durch ein Führen auf Augenhöhe. Und dafür benötige ich Vertrauen, die Haltung, dass Führen eine Dienstleistung ist, und virtuelle Empathie. Wenn ich jemanden nur am Bildschirm und nicht von Angesicht zu Angesicht sehe, stellt sich die Frage, wie ich denjenigen empathisch abholen und auch Wertschätzung zeigen kann. Das ist digital nicht so einfach. Außerdem sind meine eigene virtuelle Präsenz und Wirkung wichtig, also wie ich mich online präsentiere. Das fängt mit dem Hintergrund an, geht über die Ausleuchtung und reicht bis zur Kamera-Ausrichtung und Kleidung. Ich wirke und transportiere immer eine Botschaft, egal ob ich das will oder nicht. Das sind „Kleinigkeiten“, die aber sehr wichtig sind und viel ausmachen. Was sind absolute No-Gos beim Führen auf Distanz? Ich höre immer wieder von Meeting-Marathons. In vielen Unternehmen reihen sich mittlerweile Online-Meeting an Online-Meeting an Online-Meeting – ohne eine Pause. Wenn ich „Remote Leader“ oder Führungskraft auf Distanz bin, dann muss ich auch dafür Sorge tragen, dass die Meetings in einem ausgewogenen Verhältnis stehen und meine Mitarbeiter auch ausreichend Zeit haben, das eine Meeting abzuschließen und sich auf das nächste vorzubereiten. Das bedeutet, dass ich am besten von vornherein nicht mehr Meetings von 60 Minuten Länge plane, sondern nur mit 50 Minuten. Das gibt mir zehn Minuten vor dem nächsten Termin, um mal durchzuschnaufen. Dazu sollten Online-Meetings auch nicht zu lang sein, denn online ist die Konzentrationsfähigkeit eine ganz andere als im direkten Austausch vor Ort. Es gibt auch Unternehmen, die generell keine Meetings in der Zeit von 12 bis 14 Uhr erlauben, damit alle Mitarbeiter wirklich auch eine Mittagspause und Erholungsphase haben können. Das heißt, es ist sehr wichtig, dass das Unternehmen Grenzen setzt? Das Unternehmen sollte Grenzen setzen und ich selbst als Führungskraft auch. Es gibt Unternehmen, die setzen keine Grenzen. Dann sollte ich selbst tätig werden und Regeln für mein Team aufstellen. Wann ist die Kernarbeitszeit? In welcher Zeit werden Mails verschickt und Telefonate geführt? Außerhalb der vereinbarten Zeiten werden Mails nur im absoluten Notfall verschickt. Wann genau dann jeder von Zuhause aus arbeitet – abends, wenn die Kinder im Bett sind, oder frühmorgens, weil

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