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Z direkt! 01-2021

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10 TITELTHEMA Interview

10 TITELTHEMA Interview „Wir lassen uns nicht unterkriegen!“ Die Coronapandemie hat Personaldienstleister und Zeitarbeitsunternehmen in sehr unterschiedlicher Weise getroffen. Wie die Hays AG als internationaler Personaldienstleister mit dem Tätigkeitsschwerpunkt in der Rekrutierung von Fach- und Führungskräften die Coronakrise bisher erlebt und bewältigt hat, erzählt der Vorstandsvorsitzende des iGZ-Mitgliedsunternehmens, Dirk Hahn, im Interview mit iGZ- Hauptgeschäftsführer Werner Stolz. Dirk Hahn

Z direkt! 01/2021 TITELTHEMA 11 Wie hat sich die Pandemie mit den verbundenen Restriktionen auf Ihre Unternehmensabläufe ausgewirkt – etwa bei den Arbeitsweisen wie mobiles Arbeiten oder auch beim Recruiting? Wie viele Unternehmen haben wir im März 2020 innerhalb weniger Tage praktisch alle 2.500 Mitarbeiter in Deutschland auf Remote umgestellt. Das war schon ein echter Kraftakt, hat aber sehr gut funktioniert. Ich habe auch gemerkt, dass in dieser Zeit wirklich ein toller Spirit entstanden ist – nach dem Motto „Wir lassen uns nicht unterkriegen“. Wir haben dann auch viele Online-Trainings angeboten, zugeschnitten sowohl auf die Führungskräfte, aber natürlich auch auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter, wie wir mit der neuen Situation umgehen. Sehr geholfen haben uns dabei auch unsere Investitionen der vergangenen Jahre in digitale Tools oder automatisierte Vertragserstellungsund Abrechnungssoftware für Kunden sowie Kandidatinnen und Kandidaten. Ergaben sich für Sie in diesem Ausnahmezustand auch Veränderungen im Führungsstil? Mit welchen Methoden haben Sie es geschafft, das große Hays-Team schadlos durch die Krise zu navigieren? Ganz sicher. Ich selbst habe als CEO eine wöchentliche Videobotschaft immer freitags an alle Mitarbeiter gesendet. Dafür habe ich viel positives Feedback bekommen. Unser Kick-off zum Beginn des Geschäftsjahres im Juli ist immer ein Highlight im Hays-Kalender. Das haben wir auch digital gemacht, aus einem TV-Studio in Heidelberg. Wir haben dazu ein Talkshow-Format gewählt. Ohne Charts, nur anhand von Geschichten und persönlichen Erlebnissen. Wir haben komplett neue Dinge in digitalen Formaten ausprobiert, wie beispielsweise das Geschäftsjahr an einer Riesen-Videowand „erlaufen“ und symbolisch alte Zöpfe abgeschnitten. Das kam auch sehr gut an. Den „Unterhaltungsfaktor“ darf man in Zeiten wie diesen nicht unterschätzen. Wenn solche Formate gut gemacht sind, zahlen sie enorm auf Bindung und Motivation der Mitarbeitenden ein. Hat es durch die Corona-Lockdowns auch Veränderungen im Geschäftsumfeld der von Hays angebotenen Arbeitnehmerüberlassung ergeben und wie haben Sie darauf reagiert? Natürlich war im März/April 2020 die Lage insgesamt sehr schwer einzuschätzen. Auch wir hatten Einbußen, sind aber insgesamt gut durch die Krise gekommen. Denn wir sind mit unseren unterschiedlichen Geschäftsfeldern sehr breit aufgestellt. Neben der Zeitarbeit sind wir sehr stark im Freelancer-Markt, aber auch im Bereich Festanstellung tätig. Gerade dieser hat sich zu meiner eigenen Überraschung während der Pandemie gut behauptet. Das Contracting mit Freelancern, wie wir es nennen, lief auch stabil. Die Zeitarbeit war leider etwas unter Druck, das liegt natürlich an den großen Industriebereichen wie der Automobilwirtschaft. Das haben sicher auch viele Wettbewerber von uns erlebt. Gibt es für das Rechnungsjahr 2020 unter dem Strich eher negative oder sogar positive Bilanz- Auswirkungen bei Hays durch die Pandemie? Unterm Strich ziehen wir eine positive Bilanz. Natürlich immer unter den aktuellen Umständen. An die Zahlen vor der Pandemie kommen wir natürlich aktuell (noch) nicht heran, aber wir sind auf einem wirklich guten Weg. Die breite Aufstellung in einem eher höher spezialisierten Kandidatensektor hat sicherlich auch geholfen. Auch haben wir zu vielen Kunden langjährige, vertrauensvolle Beziehungen aufgebaut. So etwas zahlt sich besonders in einer Krise aus. Wir merken jetzt seit einigen Wochen und Monaten, dass die Nachfrage in allen Vertragsarten wieder anzieht. Wir werden das erste Geschäftshalbjahr daher bereits mit einem ordentlichen Gewinn abschließen. (Hinweis: Das Geschäftsjahr bei Hays beginnt zum 1.7. eines Jahres.) Trifft es zu, dass im Lichte von Corona „Baustellen“ nicht nur im Bildungsbereich klarer sichtbar wurden, die aber eigentlich schon vorher vorhanden waren – etwa bei den digitalen Infrastrukturen? Ja, das ist sehr deutlich geworden, nicht nur im Bildungsbereich. Der ganze öffentliche Sektor hat einen großen Nachhol- und Handlungsbedarf beim Thema Digitalisierung. Das sieht man auch beim Thema Homeoffice-Lösungen. Hier tun sich Verwaltungen und Behörden etwas schwer. Aber auch viele private Unternehmen, zum Beispiel im Bereich Einzelhandel

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