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Ausgabe 3/2007:

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NEUER AUSBILDUNGSBERUF:

NEUER AUSBILDUNGSBERUF: PDK titelthema Wie sieht es mit den Berufsschulen aus? „Wir stehen im Wettkampf um die besten Azubis“ Antworten von Ulrich Rüffin, Vorsitzender der Rahmenlehrplangruppe der Kultusministerkonferenz (KMK) „Entscheidend für den Erfolg des neuen Ausbildungsberufes wird die Ausbildungsbereitschaft der Personaldienstleister sein. Die Branche muss erkennen, welchen qualitativen Sprung sie bezogen auf ihre Arbeitsqualität und ihre Reputation in der Gesellschaft durch diesen neuen Beruf vollziehen kann.“ Schapfel-Kaiser Die Zeitarbeitsbranche war es, die mit ihrer Ausbildungsinitiative den Grundstein für den neuen Ausbildungsberuf Personaldienstleistungskaufmann/-kauffrau gelegt hat. So wurde das neue Berufsprofil auf Initiative des iGZ gemeinsam mit den beiden anderen Arbeitgeberverbänden BZA und AMP und im engen Schulterschluss mit den Arbeitnehmervertretern und den zuständigen Landes- und Bundesgremien entwickelt. Z direkt! sprach mit Michael Hacker, iGZ-Bundesvorstandsmitglied und einer der drei an dem Neuordnungsverfahren beteiligten Verbandssachverständigen, über das neue Berufsbild: iGZ-Bundesvorstandsmitglied Michael Hacker im Gespräch mit iGZ-Pressesprecherin Simone Kemper Franz Schapfel Kaiser, Projektleiter/ Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Arbeitsbereich: Kaufmännisch-betriebswirtschaftliche Dienstleistungsberufe am Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) „Es bedurfte keiner Überzeugungsarbeit hinsichtlich der Notwendigkeit des Ausbildungsberufes. Denn es wurde schnell klar, dass es für die Tätigkeit eines Personaldisponenten, die wir als Kerntätigkeit für den neuen Beruf anvisierten, bislang keine entsprechend geregelten Qualifi-zierungswege gibt. Beim Abgleich mit bestehenden Ausbildungsund Fortbildungsordnungen zeigten sich zum Beispiel bei den Industrie- und Bürokaufleuten nur geringe Ausbildungsanteile zum Thema Personal. Diesbezügliches Hintergrundwissen wird aber gefordert, wie unsere Stellenausschreibungsanalyse für Personaldisponenten ergeben hat. Nicht zuletzt ist für uns auch entscheidend welche Beschäftigungsperspektiven sich für die Auszubildenden nach Abschluss der Ausbildung ergeben und da waren die Wachstumszahlen der Personaldienstleistungsbranche eine gute Motivation für die Entwicklung des neuen Berufsbildes.“ Herr Hacker, wieso ist gerade die Zeitarbeitsbranche so dringend auf einen eigenen Ausbildungsberuf angewiesen? Bisher haben die Zeitarbeitsunternehmen meist Quereinsteiger, etwa Handwerksmeister oder Techniker, aber auch Juristen oder andere Studienabgänger eingestellt und dann ausgebildet. Daneben wurden oft auch angehende Bürokaufleute ausgebildet. Hier fehlte vor allem die Unterstützung durch die Berufsschule, denn der Auszubildende wurde dort eigentlich auf einen anderen Beruf vorbereitet. Das Berufsbild Bürokaufmann/ -frau passt auch einfach nicht. Bürokaufleute gehen später in die Sachbearbeitung oder ins Rechnungswesen. Ihnen fehlt das gesamte theoretische Rüstzeug aus Berufskunde und rechtlichem Hintergrundwissen. Dieses Defizit kann mitunter fatale Folgen haben. Da kann es schon mal sein, dass ein Staplerfahrer ohne die notwendige Erlaubnis losgeschickt wird oder Arbeitskleidung und persönliche Schutzausrüstung vergessen werden. Sie haben die Entwicklung des neuen Ausbildungsberufs von der Idee bis zur rechtsgültigen Umsetzung mit begleitet. Haben Sie die verantwortlichen Gremien schnell von der Notwendigkeit des neuen Ausbildungsberufes überzeugen können? Unsere Idee von einem neuen Ausbildungsberuf wurde von den beteiligten Wirtschaftsverbänden, den Ministerien und unseren Sozialpartnern begeistert aufgenommen. Positiv überrascht hat mich persönlich die gute Zusammenarbeit mit den Gewerkschaftsvertretern und den Sachverständigen der beiden anderen Arbeitgeberverbände. Die gute Zusammenarbeit war auch der Antrieb für die verhältnismäßig rasche Umsetzung. Als der ehemalige iGZ-Bundesvorsitzende Bert Dijkhuizen und ich im Jahr 2001 die Aufgabe angegangen sind, ein neues Berufsbild zu entwickeln, wurde uns nämlich eine mindestens siebenjährige Entwicklungsphase prophezeit. Wir waren schneller. Wann darf ein Unternehmen denn ausbilden? Wer bisher schon ausgebildet hat, kann grundsätzlich auch den neuen Beruf ausbilden. Im Übrigen prüfen die Kammern jedes eingegangene Ausbildungsverhältnis und unterschreiben erst dann, wenn sie sich von der Ausbildungsfähigkeit des Unternehmens überzeugt haben. Auf alle Fälle sollte sich jeder Ausbildungsbetrieb der großen Verantwortung bewusst sein, die er für eine fundierte Ausbildung trägt. Ein Auszubildender ist nämlich immer nur so gut, wie sein Ausbildungsbetrieb ihn ausgebildet hat. Was passiert mit den Auszubildenden, die bereits jetzt zu Bürokaufleuten ausgebildet werden und ebenfalls Interesse an dem neuen Ausbildungsberuf haben? Auszubildende aus benachbarten Berufen können natürlich wechseln. Die zuständige Industrie- und Handelskammer entscheidet über anrechenbare Zeiten aus anderen Ausbildungen. Meistens wird ein Drittel ohne größere Prüfung angerechnet. Im neuen Beruf müssen jedoch mindestens zwei Jahre Ausbildung durchlaufen werden. Wie geht es nach der Ausbildung weiter? Welche berufliche Zukunft erwartet die Personaldienstleistungskaufleute konkret? Ihnen liegt die gesamte Branche zu Füßen. Sie können sich als Juniordisponenten behaupten, als Personalvermittler oder -einkäufer, On-Site-Manager, Researcher, Recruitingspezialisten, Onlineredakteure, Personalberater oder Headhunter. Zusätzlich eröffnet das neue Berufsbild sehr viele Chancen bei der staatlichen Arbeitsvermittlung. Von den umfangreichen Chancen in den anderen Wirtschaftszweigen ganz zu schweigen Der „Kampf um Talente“ findet auch auf dem Ausbildungsmarkt statt. Mit welchen Perspektiven und Karriereaussichten kann die Branche die Besten für sich gewinnen? Wir stehen im Wettbewerb um die besten Azubis. Dabei können wir aber ganz selbstbewusst ins Rennen gehen. Während etwa Banken mit Personalabbau und wie die Versicherungen mit wachsenden Imageproblemen kämpfen, ist die Zeitarbeit die Branche, die im Laufe der nächsten zehn bis 15 Jahre weiter enorm boomt. Die Leistungspotenziale der Zeitarbeitsunternehmen erweitern und differenzieren sich stetig. Von ihren Kunden werden sie mehr und mehr als strategischer Partner verstanden. Deshalb benötigt die Branche interne Mitarbeiter mit immer komplexeren Kenntnissen und Fähigkeiten. Mit dem neuen Ausbildungsberuf ist die Entwicklung der Ausbildung im Übrigen noch nicht am Ende. Fachwirteausbildungen oder Bachelor-und Masterstudiengänge sind bereits in Planung und werden vereinzelt schon erprobt. „Potenzielle Auszubildende müssen in erster Linie an Menschen interessiert sein und als Teamplayer klar und verständlich kommunizieren können. Hierfür sind Erfahrungen im Umgang mit Menschen und auch in der Verantwortungsübernahme für Gruppen ungemein hilfreich. Das heißt, Trainer- oder Gruppenleitererfahrungen in Sportvereinen oder Jugendverbänden können entscheidende Hinweise für die besondere Eignung sein.“ Schapfel-Kaiser Die Frage nach den berufsbildenden Schulen vor Ort ist für viele Ausbildungsinteressierte sehr entscheidungserheblich. An welchen Berufsschulen kann der neue Ausbildungsberuf erlernt werden? Die Standorte werden in den Bundesländern nach Maßgabe des jeweiligen Kultusministeriums festgelegt. Nach Veröffentlichung der Ausbildungsordnung und des Rahmenlehrplans der Kultusministerkonferenz Anfang 2008 werden die Standorte sicherlich benannt sein. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise sind schon jetzt acht Standorte festgelegt. Was geschieht, wenn sich in einer Region nicht genügend Auszubildende finden? Gibt es die Möglichkeit der Klassenzusammenlegung? Es gibt die Möglichkeit der Einrichtung von Bezirksfachklassen in den Regionen beziehungsweise von Landesfachklassen im jeweiligen Bundesland. Wie werden denn die Lehrkräfte auf die fachspezifischen Anforderungen an den neuen Ausbildungsberuf vorbereitet? Im Februar 2008 ist ein bundesweiter Workshop zur Implementation des Rahmenlehrplans in Soest, Nordrhein-Westfalen, geplant. Es sollen modellhaft Lernsituationen zur Umsetzung des KMK-Rahmenlehrplans erarbeitet werden. Außerdem werden Unternehmensvertreter an dem Workshop teilnehmen, um eine enge Verzahnung betrieblicher und schulischer Ausbildungsinhalte zu erarbeiten. Des Weiteren werden die beruflichen Schulen, die den Ausbildungsberuf führen werden, in bewährter Weise Kontakte zu den Unternehmen in der Region aufnehmen und ihre Unterrichtsarbeit eng mit der betrieblichen Ausbildung absprechen. 4 5

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