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Ausgabe 3/2007:

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SACHGERECHTE RISIKO-

SACHGERECHTE RISIKO- VERTEILUNG STATT „EQUAL PAY“ iGZ-kommentar FÜR SIE GELESEN buchbesprechung Wenn´ se mich fragen... Diesmal: der iGZ-Rechtsexperte für grenzüberschreitende Arbeitnehmerüberlassung Stefan Sudmann Wie bringt man 27 EU-Staaten auf einen gemeinsamen Nenner? In Sachen Zeitarbeit sicher ein schwieriges Unterfangen, sind doch die Rahmenbedingungen in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich. Die EU arbeitet trotzdem wieder fleißig daran. So ist nach einer mehrere Jahre andauernden Blockade im Kreis der EU-Regierungen wieder Bewegung in die Beratungen über eine europäische Zeitarbeits-Richtlinie gekommen. Der von der Europäischen Kommission vorgelegte Vorschlag sieht vor, Zeitarbeitnehmer spätestens nach sechs Wochen bei Entgelt und Sozialleistungen mit fest angestellten Beschäftigten gleichzustellen. „Es wäre gut, wenn Deutschland, ebenso wie Großbritannien, seinen Widerstand gegen eine verbesserte Arbeitsplatzqualität von Zeitarbeitnehmern aufgeben würde“, hatte EU-Sozialund Beschäftigungskommissar Vladimir Spidla im September der WELT gesagt. Schützenhilfe bekommt die Kommission vom DGB, der schon seit langem „Gleichen Lohn für gleiche Arbeit“ fordert. Die Brüsseler Pläne mögen oberflächlich betrachtet eine faire Lösung sein. Immerhin stehen sie im Dienste der Schaffung einheitlicher, sozialverträglicher Arbeitsbedingungen in Europa. Doch die Vereinheitlichung rechtlicher Rahmenbedingungen macht nur dann Sinn, wenn sie den unterschiedlichen Rahmenbedingungen hinreichend Rechnung trägt. Anders als in anderen Ländern gilt in Deutschland Unser neues Seminarprogramm ist da. das „Unternehmerprinzip“, das heißt, die Zeitarbeitsunternehmen müssen die Zeitarbeitnehmer auch in den einsatzfreien Zeiten entlohnen. Sie tragen mithin das volle Beschäftigungsrisiko, das sie sich über den Verrechnungspreis vom Kunden entsprechend bezahlen lassen. Hier noch den Mehraufwand für „Equal Pay“ kalkulatorisch zu berücksichtigen, wäre arbeitsmarktpolitisch fatal. Zeitarbeit bietet gerade auch den Menschen, die unqualifiziert, lange aus dem Berufsleben heraus oder aus anderen Gründen schwer vermittelbar sind, ein Sprungbrett in die Beschäftigung. Häufig ist zu Beginn ihrer Beschäftigung die Produktivität geringer und die benötigte Einarbeitungszeit länger. Die Einführung von „Equal Pay“ würde die Aussichten dieser Bevölkerungsgruppen, über Zeitarbeit den Weg ins Berufsleben zu finden, deutlich erschweren. Die Integrationsfunktion der Zeitarbeit bliebe damit auf der Strecke. „Equal Pay“ sollte deshalb, so wie es im Übrigen auch der bisherige Entwurf der EU-Zeitarbeitsrichtlinie vorsieht, tarifvertraglich abdingbar sein. Selbstverständlich ist nichts dagegen einzuwenden, bei betriebswirtschaftlicher Vertretbarkeit, wie jüngst in der Automobilbranche geschehen, im Wege von Betriebsvereinbarungen „Equal Pay“ festzulegen. Diese Risikoverteilung zwischen allen Beteiligten ist sachgerechter als einseitige Vorgaben an die Zeitarbeitsunternehmen. Ab 6. Dezember buchen und Plätze reservieren! Die Zeitarbeitsbranche ist in Bewegung Bleiben Sie auf dem Laufenden! Fundiertes Praxiswissen rund um die Zeitarbeit erhalten Sie in unseren Kompakt-Workshops. Alle Termine für das erste Halbjahr 2008 erfahren Sie ab dem 6. Dezember unter www.akademie-der-zeitarbeit.de oder Tel.-Nr.: 0 42 74/93 15-0. www.akademie-der-zeitarbeit.de | Telefon: 0 42 74/93 15-0 iGZ-Bundesgeschäftsführer Werner Stolz Wirtschaftliche Bedeutung, Image und gesellschaftliche Akzeptanz einer boomenden Beschäftigungsform im Vergleich, Autor: Matthias Wandel. Ausgehend von der These des iGZ-Bundesvorsitzenden Volker Homburg: „Zeitarbeit ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen“ – wird in dem Buch eingehend untersucht, ob es hinreichende Belege hierfür im Ländervergleich Deutschland – Frankreich gibt. Zeitarbeit in Deutschland boomt und erlangt für den Arbeitsmarkt eine immer größere Bedeutung. Regelmäßige Erfolgsmeldungen aus der Branche und Wachstumsraten im zweistelligen Bereich lassen vermuten, dass es die Zeitarbeitsunternehmen hierzulande endgültig geschafft haben, ihr langjähriges Schmuddelimage abzustreifen. Hat sich die viel diskutierte Beschäftigungsform tatsächlich in der Gesellschaft etabliert? Wie wird Zeitarbeit inzwischen öffentlich wahrgenommen, als Jobmotor oder als Jobkiller? Der Autor Matthias Wandel analysiert die Fragen anhand eines Vergleichs mit dem Zeitarbeitsmarkt Frankreichs. Er untersucht dafür zunächst wesentliche Einflussfaktoren auf die gesellschaftliche Akzeptanz von Zeitarbeit: Ursprung und historische Entwicklung, Terminologie, rechtliche Rahmenbedingungen sowie kulturelle Aspekte. Darauf aufbauend präsentiert er in einem zweiten Schritt eine empirische Untersuchung, bei der über 1649 Probanden, sowohl Deutsche als auch Franzosen, zu Zeitarbeit Stellung nahmen. Die Auswertung der Studie liefert bemerkenswerte Ergebnisse und wichtige Erkenntnisse für Entscheidungsträger in der Zeitarbeitsbranche. Diese lassen sich zusammenfassend wie folgt beschreiben: 1. Zwar scheint sich die Einstellung in der Gesellschaft zur Zeitarbeit in beiden Ländern tendenziell verbessert zu haben, von einem „grundlegenden Imagewandel“ der Arbeitsform in Deutschland kann nach den Befragungen aber noch nicht gesprochen werden. 2. Die gesellschaftliche Akzeptanz der Zeitarbeit hängt ganz entscheidend von einer als „fair“ empfundenen Bezahlung ab. Der aktuell diskutierte Mindestlohn in der Branche wäre ein erster Schritt, um Pluspunkte im öffentlichen Bewusstsein zu sammeln. Zeitarbeit in Deutschland und Frankreich, erschienen 2007 im VDM Verlag, Saarbrücken, (ISBN: 978-3-8364-1958-1) 3. Ähnlich wie in Frankreich sollten die Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen deutlich ausgebaut werden, um auch über Zeitarbeit eine nachhaltige berufliche Entwicklungsmöglichkeit zu erzielen. 4. Die beste Werbung für Personaldienstleister sind positive Erfahrungen von Zeitarbeitsbeschäftigten, die über Mundpropaganda weitergegeben werden. 5. Steigende Branchenzahlen sind zwar ein Anzeichen dafür, dass sich diese Arbeitsform auch in Deutschland insgesamt auf einem guten Weg befindet. Gleichwohl betrachten viele Deutsche die Zeitarbeit noch nicht als vollwertige Alternative zur konventionellen „Normalbeschäftigung“. Der Autor meint deshalb abschließend, dass man in Frankreich bereits einen Schritt weiter sei und Zeitarbeit bereits den begehrten Platz in der Mitte der Gesellschaft erobert habe. Die Arbeitsform werde von der Bevölkerung überwiegend akzeptiert. Anzumerken bleibt, dass Wandel leider nur unzureichend auf die unterschiedlichen gesetzlichen Rahmenbedingungen bzw. Funktionen der Arbeitnehmerüberlassung in den beiden Ländern eingeht. Während in Frankreich der temporäre Charakter dieser Beschäftigungsart im Vordergrund steht (sog. Agenturprinzip mit „Synchronisationsgebot“, d.h. immer ein befristetes, einsatzbezogenes Arbeitsverhältnis), ist hierzulande das Leitbild ein grundsätzlich unbefristeter Arbeitsvertrag mit gleichen Rechten wie ein „normales Arbeitsverhältnis“ (sog. Unternehmerprinzip). Deshalb wird in Frankreich auch ganz offen Zeitarbeit als „prekäre Beschäftigungsform“ deklariert. Als Entschädigung erhält der französische Zeitarbeitnehmer nach Beendigung des Einsatzes einen sog. Prekaritätszuschlag, der zehn Prozent des Gehaltes beträgt. Insoweit sind die Entlohnungsstrukturen in beiden Ländern aufgrund der unterschiedlichen Philosophien nur bedingt vergleichbar. Andererseits ergibt die Umfrage unter den Probanden, dass gerade das französische Zuschlagssystem maßgeblich zum positiven Bewußtseinswandel der Zeitarbeit in der allgemeinen Bewertung beigetragen hat. 12 13

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