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Ausgabe 2/2005:

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| 12 13 | Ältere

| 12 13 | Ältere Arbeitnehmer Frauen ALS ZEITARBEITER IN RENTE GEHEN Leistungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer wird oft unterschätzt Mit 53 Jahren bot nur noch Zeitarbeit einen Einstieg in den Arbeitsmarkt: Hartmut Reinhardt. Die vielen Vorstellungsgespräche endeten im Sommer 1996 immer mit demselben Tenor: „Sie sind ein hervorragender Mann, aber leider zu alt.“ Hartmut Reinhardt war damals 53 Jahre alt und betriebsbedingt gekündigt worden. Ein Bekannter gab ihm den Tipp: „GEO-MONT Personaldienste in Oberhausen stellen auch ältere Fachkräfte ein.“ Der gelernte Sanitär- und Heizungsmonteur bekam dort seine Chance und ist seit neun Jahren als Zeitarbeitnehmer fest angestellt. Z direkt! Hartmut Reinhardt ist kein Einzelfall. Wer jenseits einer unsichtbaren und willkürlichen Altersschranke den Job verliert, hat schlechte Karten, wieder berufstätig zu werden. Das bestätigt auch das Bundesministerium für Arbeit: „Ältere Arbeitnehmer sind heute im Allgemeinen aktiver und leistungsfähiger als je zuvor. Nationale und auch internationale Studien belegen, dass es keine signifikanten Unterschiede in der Arbeitsleistung älterer und jüngerer Menschen gibt. Leistungsdifferenzen innerhalb einer Altersgruppe sind wesentlich höher als solche zwischen unterschiedlichen Altersgruppen.“ Damit sei das Vorurteil, ältere Menschen seien grundsätzlich weniger leistungsfähig, wissenschaftlich nicht haltbar. Gleichwohl sei diese Sichtweise in der Gesellschaft und den Betrieben noch weit verbreitet. Nur sehr langsam setzte sich die Erkenntnis durch, dass Ältere nicht in erster Linie Defizite gegenüber Jüngeren haben, sondern auch über spezifische Kompetenzen verfügen, die gerade auch für die Wirtschaft unverzichtbar sind. Diese Einschätzung bestätigt auch der Branchenverband iGZ. Aus seiner Sicht stellt Zeitarbeit einen diskriminierungsfreien Zugang zum Arbeitsmarkt dar und gibt es kein effektiveres Arbeitsmarkt-Instrument zur Wiedereingliederung älterer Erwerbsloser. Diese Erfahrung machte auch Ratko Vasiljevic: In Kroatien war er Förster, bis er 1971 nach Deutschland reiste („Ich kam, um Vespa zu kaufen.“). Nach zwei Jahren wollte er dann wieder in seine Heimat zurückkehren – doch es kam anders. Zunächst in einem Sägewerk, anschließend in einer Metallfirma und schließlich viele Jahre bei einem großen Automobilhersteller arbeitete der heute 60jährige durchgängig, bis er Mitte der Neunziger Jahre aus betrieblichen Gründen auf die Straße gesetzt wurde. Auch eine Umschulung änderte nichts daran, dass er sich eineinhalb Jahre vergeblich um einen Job bemühte. 1999 kam er dann zur Firma hkw nach München, wo er im Jahr 2005 nach verschiedenen Einsätzen als Gießer, Lagerist und im Gerätebau in den Ruhestand verabschiedet wurde: Aus der Zeitarbeit in die Rente – auch das ist möglich und mittlerweile in Deutschland gar nicht mehr so selten. Auch für Hartmut Reinhardt wird diese Option immer realistischer: Der 62jährige gelernte Bergmann und Sanitärund Heizungsmonteur ist viel rumgekommen im Raum Rhein-Ruhr. Im RAG- Neubau in Essen hat er die Wasserleitungen verlegt und sanitären Anlagen angeschlossen, in Krefeld Druckluftleitungen für die Bahn gelegt und immer wieder hat er in Ratingen bei Calor Emag, das heute zur ABB AG gehört, Schaltgeräte gefertigt. „Da waren viele spannende Projekte dabei“, sagt Reinhardt. So interessant der häufige Wechsel des Einsatzortes und der jeweiligen Aufgabe auch war, heute ist der zurückhaltende Mann sehr zufrieden, dass er hauptsächlich bei ABB in Ratingen in der Division Energietechnik tätig ist und dort Baugruppen- und Einzelteile in die Schubvorrichtungen einbauen muss. Präzise Arbeit ist dabei gefragt. Genau das Richtige für Reinhardt. Mit 60 Jahren wurde Ratko Vasiljevic (r.) von Dieter Kick (l.) als Zeitarbeiter in den Ruhestand verabschiedet. FREUNDIN ZEITARBEIT Tina Voß setzt auf weibliche Kompetenzen bei Personaldienstleistungen Mitarbeiterinnen-Besprechung bei Tina Voß (2.v.r.): „Frauen sind für die Personaldisposition besser geeignet.“ Hannover: Landeshaupt-, Expo- und Messestadt. Die Stadt ist erfolgreiche Unternehmer gewohnt. Firmen aus aller Welt präsentieren regelmäßig dort ihre Produkte und Geschäftsideen. Und trotzdem sticht Tina Voß heraus: Seit 2004 ist sie Trägerin des Titels „Local Hero“. Die 35-jährige Unternehmerin, Mitglied im Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen, besitzt zwei Zeitarbeitsfirmen mit rund 8 Millionen € Umsatz im Jahr. Eigentlich wollte sich Tina Voß nie selbständig machen: „Das erschien mir immer viel zu anstrengend. Aber wenn man etwas gern und gut macht, wie ich meinen Job damals, und man wird ausgebremst, ist der Drang sehr schnell da, alles selber zu machen.“ Aus diesen Worten spricht bereits eine Power, die sofort rüberkommt, wenn man der Unternehmerin gegenübertritt: Die Wahl-Hannoveranerin engagiert sich häufig am Ende des Tages noch für kreative und gesellschaftliche Projekte. Dabei ist auch die Gleichberechtigung ein Thema für sie. Sie würde sich aber nicht nur aus Prinzip für Belange von Frauen einsetzen. „Die Welt besteht nun mal aus Männern und Frauen. Ich rate aber Frauen, die Karriere machen wollen, sehr fleißig zu sein, viel Einsatz zu zeigen und nicht seine eigenen Qualitäten unter den Scheffel zu stellen.“ Frauen sind in ihren Augen besser für die Personaldisposition geeignet, „da es da viel um soziale Kompetenz, ums Anhören der Mitarbeiter geht. Und das können Frauen besser.“ Auch auf der Nachfrageseite der Zeitarbeit sind Frauen „im Kommen“: Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Zeitarbeitnehmerinnen überproportional: 20,5 Prozent mehr Frauen verzeichnet die Zeitarbeitsstatistik für 2004 gegenüber 2003. Bei den Männern fällt die Steigerungsrate mit 15,5 Prozent spürbar niedriger aus. Frauen und Zeitarbeit freunden sich in Deutschland, so könnte man meinen, immer mehr miteinander an. Knapp ein Viertel aller Zeitarbeitnehmer in Deutschland sind heute weiblich – vor zehn Jahren waren das gerade einmal 18 Prozent. Allerdings zeigt auch hier der Blick über die nationalen Grenzen, was in der Zeitarbeit noch möglich ist: In den Niederlanden und den USA gibt es etwa gleich viele Männer wie Frauen in der Zeitarbeit. Natürlich hat Tina Voß in ihren beiden Unternehmen – den Branchendurchschnitt zugrunde legend – überwiegend Männer unter Vertrag und auch in der Personaldisposition gibt es bei Tina Voß keine weibliche 100-Prozent- Quote. Denn ihr geht es nicht ums Prinzip. Überhaupt steht bei ihrem Handeln die Person im Mittelpunkt: „Wir schauen nicht so stark nach Umsatz und Ertrag, sondern zunächst einmal nach dem Menschen, der bei uns arbeitet. Und wenn der Mensch sich wohl fühlt, dann kommt der Rest von alleine.“ Medien bezeichnen sie oft als mutige Frau. Aber die gelernte Industriekauffrau und staatlich geprüfte Betriebswirtin winkt nur lächelnd ab. Fallschirmspringer sind in ihren Augen mutig. Für die Zukunft hat sie auch klare Vorstellungen: „Kein Wachstum außerhalb von Hannover. Wir haben eine nicht beliebig oft kopierbare Philosophie. Menschlichkeit lässt sich nicht einfach in jede Filiale kopieren. Ich finde es spannender an einem Standort zu wachsen.“ Z direkt!

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