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Ausgabe 1/2008:

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SiCHer iSt SiCHer

SiCHer iSt SiCHer meldepflichtige Unfälle pro 1.000 Versicherte in der zeitarbeitsbranche 1998 – 2006 arbeitsschutz Mitarbeitern pflegt. Denn diese müssen an ihrem Arbeitsschutz ja auch mitwirken. Sie werden ermuntert, sich zu melden, wenn ihnen irgendetwas unsicher erscheint und das Problem beim Kunden nicht direkt geklärt werden kann. Wenn der Einsatz läuft, muss der Disponent sich vergewissern, dass der Zeitarbeitnehmer auch entsprechend eingesetzt wird. Auch nach dem Einsatz sollte sowohl der Zeitarbeitnehmer als auch der Kunde befragt werden, um den Überlassungsprozess nachhaltig zu optimieren. Außerdem bietet die VBG Qualifizierungsmaßnahmen für die Disponenten an. Dabei lernen sie, Arbeitsplätze beim Kunden zu erfassen, Gefahren zu erkennen und Maßnahmen abzuleiten. Wenn nun alle Seiten sämtliche Präventionstipps beherzigen würden, könnten dann die Unfallzahlen auf Null reduziert werden? Es ist eine Menge beeinflussbar. Aber natürlich gibt es immer etwas, was man leicht übersehen kann. Aus Fehlern kann man aber lernen. Wichtig ist, dass das Thema Arbeitsschutz immer präsent ist. Die Vertreter des iGZ in der VBG-Selbstverwaltung: Martin Gehrke, iGZ-Bundesvorstandsmitglied (r.) und Dietmar Richter, iGZ-Ehrenvorsitzender Matthias Stief, Stief Personalmarketing GmbH, Ingolstadt „Unsere Mitarbeiter schätzen unseren offenen und konsequenten Umgang mit dem Thema Arbeitssicherheit. In den letzten Jahren hat sich hier auch seitens der Kunden eine immer bessere Kooperationsbereitschaft gezeigt.“ Quelle: Bericht der Bundesregierung über den Stand der Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 2006 Carsten Zölck, Zeitarbeitsexperte der Prävention VBG Quelle: VBG/Rayermann Das thema Arbeitssicherheit in der Zeitarbeit geht alle Beteiligten was an, das Zeitarbeitsunternehmen ebenso wie den Auftraggeber und den Beschäftigten selbst. Z direkt! sprach mit Carsten Zölck, Zeitarbeitsexperte der Prävention bei der Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG). Gibt es so etwas wie eine zeitarbeitstypische Gefährdungssituation? Was sicherlich zu einer zusätzlichen Gefährdung der Zeitarbeitnehmer beiträgt, ist der häufige Arbeitsortwechsel. Zeitarbeitnehmer sind dadurch oft Neulinge, ihnen können leichter Fehler passieren, da sie ihr Arbeitsumfeld noch nicht kennen. Wie hat sich das Unfallaufkommen in den vergangenen Jahren entwickelt? Die Zahl der registrierten und meldepflichtigen Unfälle ist in den vergangenen Jahren zunächst zurück gegangen. Ein Beleg für die deutlichen Präventionserfolge. Von 2005 auf 2006 ist sie allerdings wieder leicht angestiegen, was in erster Linie mit dem Zuwachs an Zeitarbeitnehmern zu tun hat. Der Zeitarbeitsboom hat auch zu einer Zunahme an Disponenten geführt. So schnell konnte die Organisation vielerorts nicht Schritt halten. Mit der Anpassung der Organisationsstrukturen an die veränderten Verhältnisse und der Fortsetzung der bereits erzielten Präventionserfolge werden sich die Unfallzahlen dann wohl auch wieder stabilisieren und weiter zurück gehen. Erfahrungen keine Rücksicht genommen werden sollte. Ein Helfer, der zuvor nur in der Lebensmittelindustrie eingesetzt war, kann nicht ohne weiteres in der Stahlindustrie eingesetzt werden. Das wird zum Teil übersehen. Welche typischen Verschuldenssituationen gibt es? Versäumnisse gibt es auf allen Seiten. Bei den Zeitarbeitsunternehmen kann das qualifizierte Erfassen der Situation zu kurz kommen, während es bei den Kundenunternehmen häufig an der unzureichenden Information der Gegenseite hapert. Eine sicher gestaltete Zeitarbeit ist abhängig von der sorgfältigen Vorbereitung des Überlassungsprozesses. Hinsichtlich der Informationen besteht sowohl eine Bringschuld des Kundenunternehmens als auch eine Holschuld des Zeitarbeitsunternehmens. Die Disponenten müssen sich auch mal am Arbeitsort sehen lassen. Ihnen muss bewusst sein, dass sie auf Fachkräftenetzwerke zurückgreifen können. Wichtig ist, dass der Arbeitsschutzgedanke einen hohen Stellenwert hat. Was kann ein Zeitarbeitsunternehmen konkret machen, um den Arbeitsschutz der Zeitarbeiter zu verbessern? Entscheidend ist die Kenntnis des zu besetzenden Arbeitsplatzes, die am besten durch seine Besichtigung vor Ort erlangt wird. Wichtig ist auch, dass der Disponent ein gutes Verhältnis zu seinen mehr als nur eine hochglanzbroschüre von martin gehrke Wir brauchen uns nichts vorzumachen: Zeitarbeitnehmer verunfallen in vielen Einsatzbereichen häufiger als die festangestellten Mitarbeiter der Kundenunternehmen. Zumindest im Helferbereich. Dennoch hinkt der pauschale Vergleich mit anderen Branchen. Zeitarbeit findet nämlich in fast allen Branchen statt. Sie bildet deshalb diese Branchen selbst ab. So wie es keine zeitarbeitstypische Tätigkeit gibt, gibt es deshalb auch keinen zeitarbeitstypischen Unfall. Der Arbeitsschutz unserer Mitarbeiter sollte stets einen hohen Stellenwert haben und die wirtschaftliche Rendite, nötigenfalls auch mal hintenan stehen lassen. Hier sind vor allem die Disponenten gefragt. Die umfassende Information über den Einsatz des Mitarbeiters ist das A und O. Lieber einmal zuviel fragen als zu wenig. Auch wenn dafür eigentlich die Zeit fehlt. Zur Unterstützung der Disponenten bei arbeitsschutzrechtlichen Fragen gibt es ja die Fachkraft für Arbeitssicherheit. Nicht selten erweist sich diese aber nur als Papiertiger. Das darf natürlich nicht sein. Arbeitsschutz ist nicht nur ein Nebenjob, den man hin und wieder bei Gelegenheit ausübt, sondern eine Daueraufgabe. Natürlich ist auch der Kunde gefordert. Er muss den Zeitarbeitnehmer wie eigene Mitarbeiter in sein Arbeitsschutzsystem integrieren. Leider bedeutet die nach unserem Rechtssystem geltende geteilte Verantwortung für den Arbeitsschutz nicht immer doppelten Schutz Während die Unfallzahlen im höherqualifizierten Bereich im Durchschnitt liegen, sind sie im Helferbereich vergleichsweise hoch. Warum? Dort ist keine formale Qualifikation erforderlich. Das heißt aber nicht, dass auf betriebliche für den Arbeitnehmer. Sie kann für Unklarhei- Unternehmens und der ganzen Branche. 8 9 ten und Abstimmungsschwierigkeiten sorgen. Deshalb ist die Betriebstorregelung, wonach die Verantwortlichkeit des Zeitarbeitsunternehmens am Betriebstor des Kunden endet (gilt etwa in Frankreich), zumindest von ihrem theoretischen Ansatz her vernünftig. Übrigens, entgegen manchem Vorurteil handhaben die großen Zeitarbeitsunternehmen ihren Arbeitsschutz nicht besser als die kleinen und mittelständischen. Zwar sind die Großen durch eine zentrale Organisation eher in der Lage einheitliche Standards zu schaffen. Letztlich geht es aber um die gelebte Arbeitsschutzorganisation vor Ort, die über die Erstellung von Hochglanzbroschüren weit hinaus geht. Insgesamt hat die Branche beim Thema Arbeitsschutz bereits beachtliche Präventionserfolge erzielt. Diesem Umstand haben die neuen Gefahrtarife, für deren Einführung ich mich gemeinsam mit Dietmar Richter in der VBG-Vertreterversammlung stark gemacht habe, Rechnung getragen. Dadurch konnten wir die Beitragsgerechtigkeit erhöhen und die Belastung der Unternehmen immens senken. Die stete Beharrlichkeit in Sachen Arbeitsschutz aus Sicht des Zeitarbeitsunternehmens ist sicher nicht immer einfach. Schließlich kann dadurch der Betriebsablauf gestört und der Kunde verärgert werden. Letztlich ist ein umsichtiger Disponent aber im Sinne aller Seiten. Denn ein Arbeitsunfall macht den ganzen Einsatz zunichte und schadet dem Image des Harald Junglas, ARMON GmbH, Koblenz „Arbeitsschutz wird bei uns seit Jahrzehnten groß geschrieben. Jeder interne und externe Mitarbeiter in unseren Niederlassungen ist im Thema eingebunden und wird von externen Arbeitsschutzexperten unterstützt.“ Anja Trenkle, ASPO Personalmanagement GmbH, Villingen-Schwenningen „Arbeitsschutz ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für die langfristige Zusammenarbeit mit Kunden und Mitarbeitern. Wir setzen daher darauf, Arbeitsschutz in allen Betriebsabläufen fest zu verankern und konsequent umzusetzen.“

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