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Ausgabe 1/2008:

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Aus der Not geboren –

Aus der Not geboren – ein Kurzüberblick über die Geschichte der Zeitarbeit ZeitArBeit iM WANDeL in Prozent 40 30 20 10 titelthema Wie in der Arbeitswelt im Allgemeinen vollzieht sich auch in der Zeitarbeit ein tief greifender Strukturwandel. Mit Hilfe eines Blicks auf die entstehungsgeschichte der Zeitarbeit, Zeitzeugen-Gesprächen und Marktbeobachtungen beleuchtet Z direkt! ausgewählte Facetten des Wandels und zeigt entwicklungstendenzen auf. Verlagerung der geschäftsfelder Der allgemeine Strukturwandel der Arbeitswelt weg vom Produktionssektor hin zu dienstleistungsorientierten Bereichen wird auch an den Einsatzfeldern der Zeitarbeit deutlich. Waren im Juni 1997 noch 41 Prozent aller Zeitarbeitnehmer in Metall- und Elektroberufen tätig, so reduzierte sich dieser Anteil bis Juni 2007 um 17 Prozentpunkte auf 24 Prozent. Im Gegenzug dazu stieg der Anteil der Dienstleistungsberufe auf 27 Prozent. 1997 waren es noch 20 Prozent. 0 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 Quelle: Statistik der BA / Arbeitnehmerüberlassungs statistik Hilfspersonal Dienstleistung 34% 27% 24% Metall und Elektro übrige Berufe 11% techn. Berufe 5% Demographischer Wandel Bevölkerungsprognosen kommen zu dem Schluss, dass es bereits in 25 Jahren ein Fünftel weniger Erwerbspersonen geben wird als heute. Die Altersstrukturen werden sich gravierend verschieben. Bis zum Jahr 2050 werden die Menschen im Alter von 58 bis 63 Jahren, und nicht wie heute die 35- bis 40-jährigen, zu den zahlenmäßig stärksten Jahrgängen gehören. Daraus ergibt sich auch für die Zeitarbeit ein gewisser Handlungsdruck. Viele Unternehmen setzen deshalb schon heute auf das Know-How der Älteren. Im Jahr 2005 war bereits jeder fünfte Zeitarbeitnehmer über 45 Jahre alt. Gleichzeitig spielen Entwürfe der Mitarbeiterbindung, des Gesundheitsmanagements und des lebenslangen Lernens eine zunehmend wichtige Rolle. Fachkräftemangel Schweißer, Chemiker, Ingenieure, Konstrukteure, Mechatroniker – die Liste der offenen Stellen bei den Unternehmen ist lang, die Auftragsbücher sind voll. Rettender Strohhalm sind hier oft die Personaldienstleister, vor allem die kleinen und mittelständischen Zeitarbeitsunternehmen mit regionaler Ausrichtung und hohem Spezialisierungsgrad. Doch der allgemeine Fachkräftemangel macht auch vor der Zeitarbeit nicht Halt. Einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Lünendonk zufolge gab die Hälfte der beteiligten Zeitarbeitsunternehmen an, einen Bewerbermangel für Facharbeiter und Techniker zu spüren. Eine Folge dieses Umstands wird der verstärkte Fokus auf die Aus- und Weiterbildung der Arbeitnehmer sein. Altersgemischte Teams werden zunehmend wichtiger und die Zeitarbeitsunternehmen werden versuchen, ihre Attraktivität als Arbeitgeber weiter zu erhöhen. Konsolidierung des marktes Januar 2006: Adecco übernimmt die DIS AG, Februar 2006: Randstad übernimmt Bindan, Juni 2007: Adecco übernimmt die Tuja Gruppe, Dezember 2007: Randstad übernimmt Vedior. Laut einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Ernst & Young unter den 500 größten Zeitarbeitsunternehmen planen drei von vier Großunternehmen Wettbewerber aufzukaufen. Experten erwarten, dass der Zeitarbeitsmarkt in Deutschland aufgrund der guten Wachstumschancen und eines Generationswechsels im Mittelstand auch in den nächsten zwei bis drei Jahren interessante Übernahmeziele für Investoren und wachstumsorientierte Zeitarbeitsunternehmen bieten dürfte. Trotz der Konsolidierung an der Spitze ist der deutsche Markt aber noch stark fragmentiert. Frauenanteil Der Anteil der in Zeitarbeit beschäftigten Frauen liegt derzeit bei 27 Prozent. Mit dem fortschreitenden Strukturwandel in der Zeitarbeit wird er sich in den nächsten Jahren zugunsten der Frauen verschieben. Prinzipiell müssen Frauen aufgrund von Mutterschaft häufiger als Männer erneut in das Berufsleben einsteigen. Darin liegt eine große Chance für die Zeitarbeitsunternehmen. Sie müssen eine familienorientierte Personalpolitik betreiben und beispielsweise über noch flexiblere Arbeitszeiten und Unterstützung bei der Kinderbetreuung nachdenken. neue medien Auch in Zukunft wird die Bedeutung von internetbasierten Dienstleistungen für Zeitarbeitsunternehmen zunehmen, gerade im Bereich der Rekrutierung. Die klassischen Kanäle über Stelleninserate etc. gehören mehr und mehr der Vergangenheit an. „E-Recruiting“ lautet stattdessen das Zauberwort. Dieses spart Zeit und Geld, sowohl für Arbeitssuchende als auch für Arbeitgeber. Bereits heute setzt schon eine Vielzahl von Zeitarbeitsunternehmen elektronische Bewerbermanagementsysteme ein. Wenn sich der deutsche Zeitarbeitsmarkt ähnlich wie in Frankreich auf das elektronische Matching von Bedarfsprofil und Eignungsprofil spezialisieren sollte, werden Internet-Jobbörsen zu unmittelbaren Konkurrenten. neue Dienstleistung Die klassische Zeitarbeit im Sinne des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) wird in den nächsten Jahren weiter durch andere Dienstleistungen ergänzt werden. Nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 22. Mai 2006 beträgt der Anteil dieser Services bei den 15 größten Zeitarbeitsunternehmen circa 25 Prozent des Umsatzes. Dieser Anteil wird weiter zunehmen. Als ausbaufähig gelten nach dem Bericht vor allem die Bereiche Personalvermittlung und -beratung, die Vergabe von Projekten nach außen sowie Ausgliederungen. 1948: Zwei amerikanische Anwälte suchen vergeblich Ersatz für eine erkrankte Sekretärin. Aus der Idee zur Ar beitnehmerüberlassung geht noch im selben Jahr das erste Zeitarbeitsunternehmen in den USA hervor. 1960: Das erste Büro für Zeitarbeit öffnet in Deutschland. 1967: In einem Musterprozess stellt das Bundesverfassungsgericht die Weichen für die Zukunft der Personalüberlassung. 1972: Das AÜG wird verabschiedet. 1982: Die Arbeitnehmerüber las - sung im Bauhauptgewerbe wird verboten. 1985: Die maximal zulässige Einsatzdauer wird von drei auf sechs Monate erhöht. 1994: Verlängerung der Einsatz höchstdauer von sechs auf maximal neun Monate. Das Vermittlungsmonopol der Bundesanstalt für Arbeit fällt. 1997: Die Reform des AÜG: Die höchstzulässige Überlassungsdauer beträgt nun ein Jahr. 2002: Das Job-Aqtiv Gesetz tritt in Kraft. Die Überlassungs höchstdauer wird auf 24 Monate festegelegt, allerdings gilt ab dem 13. Monat Equal Pay 2003: Erfolgreicher Tarifabschluss des iGZ mit den Einzelgewerkschaften beim DGB 2004: Rahmenbedingungen für die Zeitarbeit wurden im Zuge der „Hartz-Vorschläge“ we sentlich geändert: • Es gibt keine Begrenzung der Höchstüberlassungsdauer • Das Synchronisationsverbot und Wiedereinstellsperre sind aufgehoben • Gesetzliches Equal Pay mit tariflicher Abweichungs möglichkeit 2006: Abschluss des Mindestlohn- Tarifvertrags iGZ-BZA-DGB- Gewerkschaften 2008: Mindestlohn-Antrag beim Bundesarbeitsministerium noch einmal offiziell gestellt und begründet 4

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