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Ausgabe 1/2007:

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| 12 13 | Zeitarbeit in

| 12 13 | Zeitarbeit in Europa Zeitarbeit in Europa Personaldienstleistern gutgeschrieben, die mehr in die Ausbildung ihrer Mitarbeiter investiert haben. Das Projekt finanziert sich zunächst nur über die Beiträge der Personaldienstleister und soll später von Personaldienstleistern, Staat und Arbeitnehmern mischfinanziert werden. Dr. Tischler: Anstoß für die Errichtung des Fonds war der auch in unserer Branche gestiegene Bedarf an fachlich Zur Person Dr. Hermann Rantasa Dr. Hermann Rantasa ist Vizepräsident des VZa. Er ist Geschäftsführer der Dr. Rantasa Interimpersonal GmbH, einem mittelständischen österreichischen Familienunternehmen. spezialisierten Arbeitskräften. Zu der Zeit, in der sich der Facharbeitermangel abzeichnete, steckte die Branche selber in den Kinderschuhen und konnte daher noch nicht viel tun. Mit dem in der Geschichte der Arbeitskräfteüberlasser einmaligen Fonds kann unsere Branche von nun an dem Facharbeitermangel entgegen wirken. Die Zeitarbeitsbranche wird damit außerdem für Frauen attraktiver, die mit einem Anteil von 18 Prozent weit hinter ihren männlichen Branchen-Kollegen liegen. Bei den Kollektivvertragsverhandlungen werden die Interessen der Arbeitgeber systembedingt durch die Wirtschaftskammern vertreten. Inwieweit können Sie sich als Verband dort überhaupt einbringen? Dr. Tischler: Um auf die Kollektivverhandlungen Einfluss nehmen zu können, müssen wir uns aktiv in den Wirtschaftskammern engagieren. So bin ich in der Wirtschaftskammer Oberösterreich tätig und mein Kollege Dr. Rantasa in der Wirtschaftskammer Wien. iGZ-Pressesprecherin Simone Kemper und iGZ-Rechtsexperte für grenzüberschreitende Arbeitnehmerüberlassung Stefan Sudmann im Gespräch mit Dr. Viktoria Tischler und Dr. Hermann Rantasa Seit einem Jahr steht die Zeitarbeitsbranche auch diplomiertem Gesundheits- und Krankenpflegepersonal beschränkt offen. Die Lockerung ist auch ein persönlicher Erfolg für Sie, Herr Zehetner, da Sie als Obmann der Allgemeinen Fachgruppe des Gewerbes eine der maßgeblichen Triebfedern waren. Kann damit dem Pflegenotstand ein Ende gesetzt werden? Zehetner: Das wird natürlich sehr schwierig werden, denn nahezu alle österreichischen Pflegekräfte stehen bereits in Lohn und Brot. Außerdem sind uns an vielen Stellen leider auch noch die Hände gebunden. Nur 15 Prozent aller Gesundheitsund Krankenpfleger dürfen durch Zeitarbeitsfirmen überlassen werden. Zudem sind der medizinische Dienst und zahlreiche andere Berufsgruppen ausgeschlossen. Die fehlenden 40 000 Pflegerinnen und Pfleger können wir auch nicht ohne weiteres aus dem Ausland rekrutieren, da ihre Ausbildung hierzulande häufig Zur Person Gerhart Zehetner Gerhart Zehetner (rechts, im Gespräch mit iGZ-Pressesprecherin Simone Kemper) ist Vorstandsvorsitzender der EURO JOBS AG, einer Aktiengesellschaft mit über 26 Niederlassungen in neun Ländern. Als Fachgruppenobmann in der Wirtschaftskammer Wien vertritt er die Interessen von rund 6 500 Unternehmen und 80 Berufsgruppen, darunter auch die Zeitarbeit. nicht anerkannt wird. Damit die Gesundheits- und Krankenpflege für die Österreicher nicht in einem Desaster endet, muss sich die Grundhaltung der politischen Entscheidungsträger ändern. Für sie scheint Zeitarbeit noch immer nicht mit der sozialen Ausrichtung des Gesundheits- und Pflegebereiches vereinbar zu sein. Dass sie damit falsch liegen, zeigt sich in Deutschland, wo der Einsatz von Zeitarbeitnehmern im Gesundheitsbereich uneingeschränkt möglich ist. Sollten sich die Deutschen denn umgekehrt ein Beispiel an Österreich nehmen, was die Legalisierung der Zeitarbeit im Bauhauptgewerbe betrifft? Zehetner: Unbedingt. Einer unserer größten Kunden ist ein international tätiger Baukonzern. Ich weiß daher aus eigener Erfahrung, wie sehr die Branche auf das Flexibilisierungsinstrument der Arbeitnehmerüberlassung angewiesen ist. Dort wird nicht auf Vorrat produziert, sondern man ist extremen Auftragsschwankungen und kurzen Auftragsreichweiten ausgesetzt. Das Arbeitnehmerüberlassungsverbot in Deutschland halte ich daher für einen großen Fehler, auch aus arbeitsmarktpolitischer Sicht. Zeitarbeit fördert Schwarzarbeit nicht, sondern verhindert sie. Worin sehen Sie die Herausforderungen für die Zukunft? Dr. Tischler: Jeder Wirtschaftstreibende, der unserer Branche mit Skepsis begegnet und jeder Personaldienstleister, der von unseren seriösen Standards abweicht, tut uns weh. Unter den Wirtschaftstreibenden müssen wir also noch mehr Aufklärungsarbeit leisten – unter den Personaldienstleistern uns weiter vorbildlich dafür einsetzen, dass sie am Markt positiv agieren. Über den VZa Der Österreichische Verband Zeitarbeit und Arbeitsvermittlung, kurz VZa, ist mit seinen rund 40 Mitgliedsunternehmen die einzige repräsentative Dachorganisation der österreichischen Zeitarbeitsunternehmen. Zum Abschluss von Tarifverträgen, in Österreich so genannten Kollektivverträgen, ist der VZa indes nicht fähig. Das System der Interessenvertretung ist in Österreich grundsätzlich anders geregelt als in Deutschland. Nicht die Verbände sind auf Arbeitgeberseite in die Sozialpartnerschaft mit den Gewerkschaften eingebunden, sondern die Wirtschaftskammern. Jedes der neun österreichischen Bundesländer hat seine eigene Wirtschaftskammer, bei der aufgrund des Wirtschaftskammergesetzes alle gewerblich tätigen Wirtschaftstreibenden mit einigen Ausnahmen gesetzliche Mitglieder sind. Nähere Informationen zum VZa gibt es unter www.vza.at. Z direkt! Z direkt!

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