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Zdirekt! 04-2019

22 BERLIN DIREKT Pflege

22 BERLIN DIREKT Pflege unter Druck Berlin denkt über ein Verbot der Zeitarbeit in der Pflege nach. In der Bundesregierung und der SPD-Bundestagsfraktion sieht man das kritisch. Zeitarbeitnehmer haben Angst. Die Pflege in Deutschland steht seit geraumer Zeit unter Druck. Es fehlt an Personal, die Bezahlung ist nicht immer leistungsgerecht. Viele können den Beruf nur eine Weile ausüben, nicht aber ihr gesamtes Berufsleben. Zugleich gehört die Pflegearbeit zu den sensibelsten Dienstleistungen in Deutschland – sie ist unverzichtbar für die Wahrung der grundlegenden Werte Gesundheit und Würde (im Alter). Unser Gesundheitssystem muss diese zukünftig immer wichtiger werdende Pflegedienstleistung auf höchstem Niveau sicherstellen. Hierfür braucht es qualifizierte und motivierte Pflegekräfte in ausreichender Zahl. Genau dieses Personal stellt auch die Zeitarbeit zur Verfügung. Allerdings nicht in der Breite, sondern in Spitzen: Gerade einmal knapp zwei Prozent der Pfleger in Deutschland arbeiten für ein Zeitarbeitsunternehmen. Sie haben sich bewusst für eine Tätigkeit bei einem Zeitarbeitsunternehmen entschieden und sehr häufig dort die Arbeitsatmosphäre gefunden, die sie gesucht haben. Sie stehen dem Gesundheitssystem mit ihrer Qualifikation zur Verfügung und üben ihren Beruf motiviert und entspannt zugleich aus – dem Patienten kommt es zugute. „Als Zeitarbeitskräfte sind wir hoch motiviert, weil zufrieden, und stehen gleichzeitig unter besonderer Beobachtung. Im Ergebnis erbringen wir besonders gute Leistungen, sowohl am Patienten als auch in der Dokumentation“, schildert Pflegerin Maria Krüger von der ICC-Medical GmbH den pflegerischen Alltag. Die so wichtige Dokumentation der Patientenpflege werde von den Zeitarbeitskräften oftmals gewissenhafter durchgeführt als üblich. „Wir sind manchmal froh, wenn uns eine Kollegin oder ein Kollege aus der Zeitarbeit einen Patienten übergeben kann“. Hinzu kommt die wertvolle Erfahrung aus unterschiedlichen Einsatzorten: „Wir kennen die unterschiedlichsten Geräte und pflegerischen Methoden. Nicht selten sind wir die einzigen, die mit einem neuen medizinischen Gerät umgehen können. Dafür sind alle anderen sehr dankbar“. Motivation, Erfahrung und Flexibilität: Die Zeitarbeitskräfte bringen mit, was in jeder Stellenausschreibung verlangt wird. Pfleger F. Sendrowski von der ICC-Medical GmbH bringt es auf den Punkt: „Die Zeitarbeit bietet eine Pflege, die von der Politik gefordert wird“. Niemand bestreitet, dass es Missstände in der Pflegesituation in Deutschland gibt und dass Pflegeeinrichtungen ihnen begegnen müssen. Die Zeitarbeit in der Pflege zu verbieten ist nun allerdings der Versuch, ein Instrument zu untersagen, das diese Missstände mildert und hierdurch die Missstände zu mildern. Selbst wer die Quadratur des Kreises für möglich hält, wird hieran scheitern. Die Berliner Landesregierung versucht es dennoch. Sie hat eine Bundesratsinitiative angekündigt, um die Zeitarbeit in der Pflege gesetzlich zu untersagen. Welche

Z direkt! 04/2019 BERLIN DIREKT 23 Vorstellung kann dahinterstehen? Die heute in der Zeitarbeit tätigen Pfleger heuern voller Motivation, weil gezwungen, bei den Stammarbeitgebern an? Für Martina F. von der Felten Personalservice GmbH ist genau das Bemühen (und die Personalkompetenz) ihres Arbeitgebers der entscheidende Anreiz: „Nur die Zeitarbeit hat es mir ermöglicht, mein Familienleben mit dem anstrengenden Pflegeberuf zu verbinden“ – wieder ein Satz, der aus einem arbeitsmarktpolitischen Programm stammen könnte. Niemand kann tatsächlich der Auffassung sein, dass Motivation per gesetzlichem Zwang erreicht wird. Die Menschen werden gerne in Kliniken und Pflegeeinrichtungen arbeiten, wenn diese ihre Personalarbeit so ausrichten, dass sie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern entgegenkommt – fairen Wettbewerb um begehrte Köpfe nennt man das. Pflegerin Anne Braunke von der ICC-Medical GmbH hat sich seit der Diskussion über ein Zeitarbeitsverbot in der Pflege bereits Gedanken über ihre Zukunft gemacht: „Ich habe mir das schon überlegt. Dann muss ich mir etwas ganz anderes suchen“. Diese Reaktion ist alles andere als ein Einzelfall. Die Menschen per Gesetz in eine bestimmte Arbeitsform zu zwingen, kann nicht funktionieren. Das Verbot einer Beschäftigungsform für Pflegepersonal würde die Personalknappheit verschärfen, nicht lindern. Dies sehen offenbar auch die Bundesregierung und die SPD-Bundestagsfraktion so. Björn Böhning, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, äußerte sich auf der 98. PEAG-Personaldebatte in Berlin zu dem Thema. Er sehe für das Bundesarbeitsministerium „überhaupt keinen Grund“ für ein Verbot. Hiermit würden Menschen in schlechtere Arbeitsbedingungen reguliert. Dies habe sein Haus nicht vor. Etwas vorsichtiger, aber in die gleiche Richtung argumentiert die Pflegebeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Heike Baehrens. Auf die Frage der „Zdirekt!“, wie sie zu einem Verbot von Zeitarbeit in der Pflege stehe, wie es das Land Berlin über den Bundesrat einbringen möchte, betonte Baehrens den Wettbewerb um begehrtes Personal als Lösung: „Uns als SPD ist es wichtig, dass Pflegekräfte unter guten Arbeitsbedingungen eine würdevolle Pflege leisten können. Hier sind die Arbeitgeber in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen gefragt, Arbeitszeiten und Entlohnung so attraktiv zu gestalten, dass ihre Beschäftigten keinen Anreiz haben, in Leiharbeit zu wechseln. Pflege braucht Kontinuität, darum sollte Zeitarbeit die Ausnahme sein, mit der bei Engpässen eine gute Pflege sichergestellt werden kann." Ein Verbot schließt diese Antwort letztlich nicht für alle Zeiten aus, die Pflegebeauftragte sieht jedoch eindeutig die Stammarbeitgeber in der Pflicht, nicht den Gesetzgeber. Hierauf könnten sich doch alle Beteiligten einigen: Den Beschäftigten in der Pflege wird eine freie Wahl ihres Arbeitgebers ermöglicht, wodurch die Arbeitgeber gezwungen sind, mit attraktiven Arbeitsbedingungen um die besten Pfleger zu werben. Diese Pfleger, entspannt und zufrieden bei dem Arbeitgeber ihrer Wahl, haben dann die besten Voraussetzungen um die Pflege auf höchstem Niveau sicherstellen. Insofern ist zu hoffen, dass die besonnenen Stimmen in der SPD und darüber hinaus die Oberhand gewinnen. Ein Verbot, dass die Qualität der Pflege gefährdet und zugleich Pflegern Wahlmöglichkeiten nimmt, wäre nicht nur überflüssig, es wäre schädlich. BT Anzeige EHRGEIZIGE ZIELE? EIN FALL FÜR FACTORING! Mit hohen Außenständen lässt sich schwer wachsen: Sie überlassen uns Ihre Forderungen und wir zahlen, bevor es Ihre Kunden tun. Das hört sich gut an? Dann sollten wir uns kennen lernen: www.ekf-frankfurt.de

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