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Zdirekt! 03-2019

8 TITELTHEMA Eine starke

8 TITELTHEMA Eine starke Gemeinschaft „Lesen lernen mit Zeitarbeit“ lautet seit Mai das Motto der Zusammenarbeit des Interessenverbandes Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) mit dem Bundesverband Alphabetisierung und dem Spaß am Lesen Verlag – im Bereich des funktionalen Analphabetismus keine Unbekannten, wohl jeder kennt beispielsweise das „ALFA-Telefon“, zumindest aus der Fernsehwerbung. Manfred Wälz, Ralf Beekveldt (Spaß am Lesen Verlag), iGZ-Pressesprecher Wolfram Linke, iGZ-Hauptgeschäftsführer Werner Stolz und Ralf Häder, Geschäftsführer des Bundesverbandes Alphabetisierung (v.l.)

Z direkt! 03/2019 TITELTHEMA 9 Spaß am Lesen Verlag Lesen für alle Erfolgskonzepte mit Tradition: Der Bundesverband Alphabetisierung feiert in diesem Jahr sein 35-jähriges Bestehen. Der Spaß am Lesen Verlag mit Sitz in den Niederlanden ist 2019 25 Jahre alt geworden, die deutsche Dependance feiert aktuell den zehnten Geburtstag. Eigentlich ist der Gründer, Ralf Beekveldt, von Haus aus Journalist. „Ich habe damals für die Zeitung sehr viel über Behinderung und Inklusion geschrieben. Der Anfang der 90er Jahre stand in den Niederlanden ganz im Zeichen dieser Emanzipation“, erinnert sich der Verlagsleiter. Irgendwann sei ihm dann aufgefallen, dass er zwar über, nicht aber für Behinderte schreibt. 1994 machte Beekveldt Nägel mit Köpfen und realisierte zunächst seine Idee, eine Zeitung für geistig Behinderte herauszugeben. „Schließlich meldete sich eine Stiftung und bot Unterstützung an“, blickt er zurück. Aus einer wurden dann mehrere Zeitungen, und es kamen die ersten Bücher hinzu. „Ich stellte dann fest, dass in den Niederlanden mit seinen 17 Millionen Einwohnern auch der funktionale Analphabetismus ein gesellschaftlich relevantes Thema war und erweiterte daraufhin unseren Angebotsbereich“, erläutert Beekveldt die Entwicklung. Inzwischen sei der Verlag fest etabliert. Pro Jahr werden in den Niederlanden rund 40 bis 50 Neuerscheinungen herausgebracht und circa 50.000 bis 60.000 Exemplare verkauft. Das liegt unter anderem auch daran, dass Beekveldt über Grenzen hinausdenkt und erkannt hat, dass Lese- und Rechtschreibschwäche ein internationales Problem ist. Vor 15 Jahren eröffnete er ein Büro im belgischen Brüssel, vor zehn Jahren in Münster. Vor fünf Jahren öffneten sich die Verlagspforten in London, und 2018 war Madrid in Spanien an der Reihe. Deutschland hat sich zum größten Markt entwickelt. Die Herausgabe des Buches „Ziemlich beste Freunde“, das der Verlag gemeinsam mit der Aktion Mensch in einfacher Sprache präsentierte, sei hierzulande eine echte Initialzündung gewesen. Vervollständigt werde das Portfolio durch zwei Zeitungen: Monatlich erscheine die „Klar & Deutlich“-Zeitung, wöchentlich werde zudem noch ein Newspaper im Digitalformat veröffentlicht. Nichtsdestotrotz seien die Hürden hoch: „Das ist wie Kühlschränke an Eskimos verkaufen“, verweist Beekveldt an die Schwierigkeiten, im „Land der Dichter und Denker Bücher in einfacher Sprache zu verkaufen.“ Nach wie vor sei der funktionale Analphabetismus vor allem in Industrienationen mit einer hohen Bildungsinfrastruktur stigmatisiert. Zum Spaß am Lesen Verlag gehört „Klar & Deutlich“, die Agentur für einfache Sprache. „Wir übersetzen die Texte in einfache und leicht verständliche Sprache, überprüfen Texte auf ihre Verständlichkeit hin und bieten ein klar strukturiertes Layout“, erläutert Büroleiter Sönke Stiller die Dienstleistungen der Agentur. Bundesbehörden etwa seien verpflichtet, ihre Publikationen auch in leichter Sprache zu veröffentlichen, nennt er ein Beispiel für die Tätigkeiten der Agentur. Zu berücksichtigen seien dabei stets die unterschiedlichen Niveaus, die sich von A1 – Anfänger – bis hin zu B2 – selbstständige Sprachverwendung – hin staffeln. Unterrichtsmaterial werde ebenfalls angeboten: „Das richtet sich wie auch bestimmte Bücher speziell an Jugendliche, denn es gilt: je älter Betroffene sind, desto schwieriger wird es, sie ans Lesen heranzuführen“, unterstreicht Stiller. Die unmittelbare Zusammenarbeit mit dem iGZ, eine bislang bundesweit einmalige Kooperation, sehen sie in erster Linie als große Chance für Betroffene: „Durch die digitale Revolution braucht die Wirtschaft langfristig immer weniger Hilfskräfte und immer mehr Fachkräfte mit höheren Kompetenzen“, ist sich Beekveldt sicher. Die Kooperation biete ein echtes Rundum-Service-Paket aus Beratung, Hilfe und Job- beziehungsweise Karriereperspektive. Die Anforderung der Kompetenzen erhöhe sich derzeit im Durchschnitt alle zehn Jahre, gibt er zu bedenken. „Der Bedarf an Fachkräften wird kontinuierlich steigen“ prognostiziert der Verlagsleiter. Ebenfalls Grund zum Feiern hat in diesem Jahr der Bundesverband Alphabetisierung, der in Münster seinen 35. Geburtstag feierte. Der funktionale Analphabetismus wurde erst in den 70er Jahren zum Thema. Leseund Rechtschreibschwäche galt vorher in Deutschland als ausgestorben. Daraus entstand die Idee des Alphabetisierungsverbandes, der sich für die Hilfe Betrof-

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