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Zdirekt! 03-2019

6 TITELTHEMA Lesen

6 TITELTHEMA Lesen lernen mit Zeitarbeit

Z direkt! 03/2019 TITELTHEMA 7 Bislang bundesweit einmalig ist die Zusammenarbeit eines Zeitarbeitgeberverbandes mit dem Bundesverband Alphabetisierung und dem Spaß am Lesen Verlag. Was zunächst ungewöhnlich anmutet, hat einen überaus sinnvollen Hintergrund: „Lesen lernen mit Zeitarbeit“ heißen der Slogan und das Ziel dieser Kooperation. Funktionalen Analphabeten sollen mit der Kombination aus Hilfe, Lernen und Jobund Qualifizierungsangeboten echte Perspektiven geboten werden. Die Gründe für eine Kooperation liegen auf der Hand und resultieren unter anderem auch aus einer Verpflichtung, die Arbeitgeber gegenüber der Gesellschaft mittragen. Die Anzahl der Erwachsenen mit einem geringen Kompetenzniveau beim Lesen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren liegt aktuell bei 6,2 Millionen Erwachsenen (12,1 Prozent). Auf die Zeitarbeitsbranche übertragen bedeutet das, ungefähr 95.000 Betroffene haben Defizite beim Schreiben und Lesen. Hierbei liegt der Fokus der Zusammenarbeit der Projektpartner im Erkennen dieser Lese- und Rechtschreibschwäche – funktionaler Analphabetismus ist in der Gesellschaft nach wie vor stark stigmatisiert. Die Betroffenen entwickeln häufig unterschiedlichste Strategien, ihr Manko zu verbergen. Es gilt also, Personaldisponenten das Identifizieren zu erleichtern, um dann Hilfe anbieten zu können. Im Idealfall eine echte Win-Win-Situation: Der betroffene Zeitarbeitnehmer bekommt die Chance, sich über Weiterbildungsmaßnahmen zu qualifizieren und damit besser entlohnte Arbeit wahrnehmen zu können, und das Zeitarbeitsunternehmen profitiert davon, seinen Kundenunternehmen zusätzliche Qualifikationen anbieten zu können. Auch für Jobsuchende bietet das Full-Service-Paket eine echte Alternative: Neben der Beratung über das ALFA- Telefon, können sich Betroffene über VHS-Lernkurse informieren und Zeitarbeitsunternehmen über Job- Möglichkeiten bis hin zum Arbeitsangebot aufklären lassen – und das mit nur einem Anruf. Bildung tut Not: Mit der zunehmenden Digitalisierung der Arbeitswelt steigen auch die Ansprüche selbst bei einfachsten Hilfstätigkeiten. Kollege Computer erobert zunehmend auch Arbeitsplätze etwa in den Bereichen von Logistik und Reinigungsbetrieben. Gering literalisierte Erwachsene nehmen in erster Linie Hilfstätigkeiten und Anlernberufe ebenso wie ungelernte Tätigkeiten wahr. Bestes Beispiel ist die Nahrungsmittelindustrie, in der 46,5 Prozent der Hilfskräfte eine Lese- und Rechtschreibschwäche haben. Meist Menschen, die eigentlich viel mehr könnten, denn Bildung hat häufig wenig mit Intelligenz zu tun. Das zeigt unter anderem die Tatsache, dass auch unter Akademikern funktionale Analphabeten zu finden sind. Mit der Digitalisierung wurde und wird die Welt – und insbesondere die Wirtschaftsmärkte – immer mehr zu einem Dorf. Deshalb liegt der Blick über den Tellerrand nahe, und der offenbart für eine Industrienation eher Erschreckendes: Mit 18 Prozent der Erwachsenen mit niedriger Lesekompetenz liegt Deutschland im internationalen Vergleich unter dem Durchschnitt. Abgesehen von Japan (4,9 Prozent) dokumentieren die Zahlen auf der anderen Seite des Erdballs für Europa ein Nord-Süd- Gefälle: Während in Finnland 10,7 Prozent betroffen sind, ist Italien mit 27,9 Prozent das absolute Schlusslicht. Nichtsdestotrotz: Die Anstrengungen hierzulande sollten auf jeden Fall intensiviert werden, um auch künftig im internationalen Vergleich nicht mit der roten Laterne hinterherlaufen zu müssen. WLI

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