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Zdirekt! 03-2019

34 UNTERWEGS Potsdamer

34 UNTERWEGS Potsdamer Rechtsforum Viele Modelle in der Zeitarbeit Europas Wie unterschiedlich Zeitarbeit sein kann, wurde bei der Diskussion zum Thema „Blick über die Grenzen hinaus: Zeitarbeit in der Europäischen Union – Gemeinsamkeiten und Unterschiede“ im Rahmen des 8. Potsdamer Rechtsforums deutlich. Markus Archan | Norbert Schommers | Marcel Speker | David van Swol | Judith Schröder (v.l.) Moderiert von Marcel Speker, Leiter iGZ-Fachbereich Kommunikation, sprachen Norbert Schommers, Leiter „Fachbereich Beschäftigung“ im Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgien, Markus Archan, Präsident von Österreichs Personaldienstleistern, David van Swol vom NBBU aus den Niederlanden, und Judith Schröder, Leiterin iGZ-Fachbereich Arbeits- und Tarifrecht, vor 200 Teilnehmern über die jeweiligen Gegebenheiten der Länder. Ob nun ein niedriger Altersdurchschnitt in den Niederlanden, die Zuständigkeit der Kundenunternehmen für die Arbeitssicherheit in Österreich oder der Boom der Zeitarbeit in Belgien in den vergangenen Jahren: Die Situationen sind recht unterschiedlich, aber die EU- Richtlinie zur Zeitarbeit gilt für alle. Schröder fasste denn auch zusammen, dass zahlreiche Bedingungen für alle gleich seien. Im Verhältnis zur Gesamtwirtschaft zeichne sich ebenfalls ein vergleichsweise niedriges Anteilsniveau der Zeitarbeit zwischen zwei und drei Prozent der Beschäftigten insgesamt in den Ländern ab. In den Niederlanden gelte Selbstkontrolle, erläuterte van Swol, warum es dort keine Erlaubnispflicht geben. Dafür gebe es eine Zertifizierung, um die sich die Zeitarbeitsunternehmen selbst kümmern müssen. Zudem existiere eine „Tarifvertragspolizei“, die streng – bis zu fünf Jahre zurück – kontrolliere. In Belgien herrsche ein hohes Maß an Restriktion. Wer ein Zeitarbeitsunternehmen eröffnen möchte, müsse eine Garantie beim Staat in Höhe von 25.000 Euro hinterlegen. Nach der Genehmigung seien dann nochmals 50.000 Euro fällig, um im Falle der Zahlungsunfähigkeit die Entlohnung der Zeitarbeitnehmer zu gewährleisten. Allerdings gebe es auch eine Jahresendprämie, über die das Zeitarbeitsunternehmen das

Z direkt! 03/2019 UNTERWEGS 35 Geld verrechnet bekommen könne. Am Ende bleiben, so Schommers, 5.000 Euro beim Bund. Österreich habe einen Befähigungsnachweis, bestätigte Archan auf Nachfrage von Speker. Dort sei ein Prüfungsgespräch vorgesehen, in dem der angehende Zeitarbeitsunternehmer seine fachliche Eignung belegen müsse. In Österreich herrsche zudem eine ausgeprägte Kontrolle von der Gebietskrankenkasse bis hin zur Finanzpolizei. Auch das Image sei unterschiedlich: In den Niederlanden können Zeitarbeitnehmer nach 52 Wochen bei der Bank eine Hypothek für zum Beispiel den Hauskauf bekommen – das wirke sich überaus positiv auf das Image der Branche aus, betonte van Swol. Auch die Einführung von Equal Pay ab dem ersten Tag vor 20 Jahren habe einen positiven Effekt auf den Ruf der Zeitarbeit in den Niederlanden. In Österreich, erläuterte Markus Archan, verdienen die Zeitarbeitnehmer mindestens so viel wie vergleichbare Mitarbeiter im Einsatzunternehmen. Beispielsweise könne ein überlassener Gabelstaplerfahrer beim Einsatz im Kundenunternehmen im Vergleich durchaus auch mal 150 Euro mehr verdienen als das Stammpersonal. In Belgien richtet sich die Überlassungsdauer nach den Motiven, Zeitarbeit einzusetzen. Im Falle der Mutterschaftsvertretung etwa orientiere sich die Überlassung an der Abwesenheit des Stammmitarbeiters. Auch die Eingliederung in den Arbeitsmarkt sei mittlerweile als Motiv für den Einsatz von Zeitarbeit definiert worden. Abschließend empfahl Schröder, sich die einzelnen Modelle genauer anzuschauen, um dann das eigene weiter optimieren zu können. WLI Anzeige

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