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Zdirekt! 03-2019

30 RECHT DIREKT Das LAG

30 RECHT DIREKT Das LAG Hessen hat die Berufung des Mitarbeiters im Ergebnis zurückgewiesen. Eine Verletzung der Kontrollund Überwachungsrechte des Zeitarbeitsunternehmens sah das Gericht als nicht gegeben an. Insbesondere konnte nach Auffassung des Gerichts aber nicht festgestellt werden, dass der Arbeitgeber den Unfall billiten Arbeitsplatzes geben. Er vergewissert sich im Rahmen einer Arbeitsplatzbegehung, dass die getroffenen Schutzmaßnahmen ausreichend sind. Sind sie das nicht, bespricht er mit dem Einsatzbetrieb zusätzliche Schutzmaßnahmen. Die Prüfungsschritte sowie die Ergebnisse werden vom Personaldienstleister dokumentiert. Diese Vorarbeit ist die notwendige Basis für die Überwachung während der Überlassungszeit. Nach Beginn des Einsatzes hat der Zeitarbeitsunternehmer das Recht und die Pflicht, die Einhaltung der Schutzmaßnahmen im Rahmen von Arbeitsplatzbesichtigungen zu überprüfen. Diese Besichtigungen sollten regelmäßig wiederholt und ebenfalls dokumentiert werden. Wie häufig eine Besichtigung angezeigt ist, hängt vom Risiko der konkreten Tätigkeit ab. Ein Mitarbeiter an einem Büroarbeitsplatz muss sicherlich seltener besucht werden als der Kollege, der ein Kirchendach neu deckt. Schutzbrille Sicherheitsschuhe Sicherheitsweste Auch eine Einbindung des Mitarbeiters selbst in die Kontrolle ist sinnvoll. Dies gilt insbesondere dann, wenn regelmäßige Arbeitsplatzbesichtigungen zum Beispiel aufgrund der Entfernung eines Betriebes nur schwer möglich sind. Die Mitarbeiter müssen vor einem Einsatzbeginn alle erforderlichen Arbeitsschutzinformationen für den jeweiligen Arbeitsplatz erhalten. Nur so wissen sie, welche Regeln sie zu befolgen haben und können beurteilen, ob das Kundenunternehmen seine Verpflichtungen erfüllt. Tut es das nicht, sollte eine unverzügliche Meldung an den Arbeitgeber erfolgen. Um die Einbindung des Mitarbeiters in den Kontrollprozess zu dokumentieren und ihm die Überprüfung zu erleichtern, bietet es sich in der Praxis an, ihm einen entsprechenden Fragebogen an die Hand zu geben. FÜHRT BEI EINEM ARBEITSUNFALL JEDER VER- STOSS ZU EINER HAFTUNG? Nein, eine Verletzung der Kontrollpflicht führt nicht zwangsläufig zu einer Haftung. Für nur fahrlässige Verletzungen haftet der Personaldienstleister nicht. Er kann sich – wie jeder andere Arbeitgeber auch – bei einem Arbeitsunfall auf die Haftungsprivilegierung aus § 104 SGB VII berufen. Diese Vorschrift besagt, dass ein Arbeitgeber bei einem Arbeitsunfall nur haftet, wenn er ihn vorsätzlich herbeigeführt hat. Ansonsten tritt die Berufsgenossenschaft ein. Helm Gehörschutz Handschuhe Interessant ist die Frage, was vorsätzliches Handeln in diesem Zusammenhang genau bedeutet. Dem Bundesarbeitsgericht zufolge muss sich der Vorsatz nicht nur auf die Verletzung der Arbeitsschutzpflichten, sondern auch auf die Herbeiführung der Körperverletzung selbst beziehen (BAG, Urteil vom 10. Oktober 2002 – 8 AZR 103/02). Es reicht für eine Haftung also nicht aus, dass der Arbeitgeber wissentlich gegen seine Pflichten verstoßen hat, sondern er muss auch die möglicherweise eintretenden Unfallfolgen zumindest gebilligt (bedingter Vorsatz) haben. WIE HAT DAS HESSISCHE LANDESARBEITSGE- RICHT ENTSCHIEDEN?

Z direkt! 03/2019 Anzeige gend in Kauf genommen hatte. Der Mitarbeiter bekam deshalb weder Schadensersatz noch Schmerzensgeld zugesprochen. LÖSUNGEN FÜR IHREN ERFOLG! Digital durchstarten mit LANDWEHR WAS BEDEUTET DAS URTEIL FÜR DIE PRAXIS? Das Berufungsurteil des LAG Hessen lässt Zeitarbeitgeber auf der einen Seite sicherlich aufatmen, weil deutlich wird, dass eine Haftung für sie als Überlassender bei einem Arbeitsunfall im Einsatzbetrieb nur selten in Betracht kommen dürfte. Auf der anderen Seite hat das Gericht aber noch einmal ganz deutlich gemacht, dass ein Personaldienstleister seine Arbeitsschutzpflichten nicht an der Garderobe des Kundenunternehmens abgeben kann. Er hat sicherzustellen, dass die öffentlich-rechtlichen Arbeitsschutzbestimmungen im Kundenbetrieb gewahrt werden und einzugreifen, wenn dies nicht geschieht. Die Erfüllung der Arbeitsschutzplichten sollte deshalb gewissenhaft dokumentiert werden. Dies gilt nicht nur, um eine Haftung bei einem Arbeitsunfall zu vermeiden. Der Gesetzgeber hat die Nichteinhaltung der Arbeitsschutzvorschriften ausdrücklich in den Katalog der Versagungsgründe für die Arbeitnehmerüberlassungserlaubnis (§ 3 Abs. 1 AÜG) aufgenommen. In den fachlichen Weisungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) ist zudem nachzulesen (§ 11 Abs. 11), dass die BA zur Einhaltung der Arbeitsschutzbestimmungen mit den zuständigen Landesbehörden zusammenarbeitet. Werden bei einer Prüfung Arbeitsschutzverstöße festgestellt oder anderweitig bekannt, ist die BA verpflichtet, diese Erkenntnisse an die zuständigen Landesbehörden weiterzuleiten. Dies kann Bußgeldverfahren oder bei Arbeitszeitverstößen im Extremfall sogar ein Strafverfahren zur Folge haben. MR Personaldienstleister vertrauen LANDWEHR, um von 25 Jahren Expertise und Branchenerfahrung zu profitieren. Mit unserer Software LANDWEHR L1 steuern Sie professionell alle Unternehmensprozesse. Lernen Sie außerdem unsere mobilen Anbindungen und die vielfältigen Lösungen aus unserem Partnernetzwerk kennen. Wir machen Zukunft. Schon seit 1994. Setzen auch Sie auf LANDWEHR! Jetzt informieren: www.LANDWEHR-L1.de

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