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Zdirekt! 03-2019

2 EDITORIAL Gemeinsam

2 EDITORIAL Gemeinsam gegen das Stigma Es mutet paradox an: Weil wir in Deutschland ein ausgeprägtes Bildungssystem haben, ist die Lese- und Rechtschreibschwäche stigmatisiert. Das ist umso erstaunlicher, wenn man die Errungenschaften der liberalisierten Gesellschaft betrachtet. Egal, ob Diversität, Behinderungen gleich welcher Art oder Ausübung von Religionen – Deutschland kann, abgesehen von einer Gruppe Ewiggestriger, getrost als weltoffen, demokratisch, liberal und tolerant bezeichnet werden. Bei einer Lese- und Rechtschreibschwäche mit dem Doof-Stempel zu argumentieren, hilft allerdings auch nicht weiter. Funktionaler Analphabetismus findet sich auch in Akademikerkreisen wieder – übrigens ein Indiz dafür, dass Intelligenz nicht viel mit Bildung zu tun hat. Und dafür, dass Bildung schon im Elternhaus anfängt: Wer nicht schon in der Kindheit vermittelt bekommt, dass Lesen bildet, hat ungleich schwerere Startbedingungen in der Schule als alle anderen Kinder. Fehlt dann die Förderung, ist das weitere Schicksal beinahe vorgezeichnet. Die Zahlen zeigen denn auch: Funktionaler Analphabetismus ist kein Einzelschicksal, sondern ein echtes gesellschaftliches Problem. Die Zeitarbeit ist seit jeher eine Branche, die gerade auch jenen Chancen bietet, die im Bildungssektor und auf dem Arbeitsmarkt abgehängt sind. Da lag es nahe, neue Wege zu gehen – mit der Kooperation des iGZ mit dem Bundesverband Alphabetisierung und dem Spaß am Lesen Verlag sollen Betroffenen Perspektiven geboten werden. Die Synergieeffekte liegen auf der Hand: Menschen mit einer Lese- und Rechtschreibschwäche erhalten vielschichtige Hilfe vom Schreiben- und Lesenlernen bis hin zur betreuten Begleitung ins und im Berufsleben. Andererseits eröffnen sich durch Zeitarbeitsunternehmen auch neue Perspektiven in Zeiten des Arbeitskräftemangels. Doch zunächst gilt es für die Zeitarbeitsbranche, überhaupt erst einmal die entsprechende Sensibilität für das Erkennen eines funktionalen Analphabetismus zu entwickeln. In Folge der Stigmatisierung haben die Betroffenen ausgeprägte Strategien entwickelt, nicht als solche erkannt zu werden. Es gilt also, gesellschaftliche Vorbehalte zu überwinden und Vertrauen aufzubauen, um Hilfe zur Selbsthilfe bieten zu können. Mit Schrift und Sprache eröffnen sich schließlich auch ganz neue Möglichkeiten, über Weiterbildung die berufliche Karriere zu fördern, und davon profitiert letztendlich auch ein Zeitarbeitsunternehmen als Arbeitgeber. „Lesen lernen mit Zeitarbeit“ lautet das gemeinsame Motto der Kooperationspartner. Neben dem Alfatelefon, dem Alfamobil und der iChance-Kampagne für Jugendliche ist ein „Full-Service-Paket“ geplant: In regionalisierten Sprechstunden besteht dann die Möglichkeit, das ALFA-Telefon anzurufen, das bei einer örtlichen Volkshochschule steht. Ebenfalls dabei sein wird ein Vertreter eines Zeitarbeitsunternehmens. Die Betroffenen bekommen also mit nur einem Anruf eine Beratung, bei Bedarf einen VHS-Lernkursus vermittelt und, wenn gewünscht, die Jobberatung der Zeitarbeitsfirma bis hin zu einem eventuellen Jobangebot. Unter diesem gemeinsamen Dach haben Betroffene also nun die Möglichkeit, gleichzeitig Hilfe und Arbeit zu suchen und zu finden und ihr Leben damit selbstbestimmt in die Hand zu nehmen. Hierbei gilt wie eigentlich immer im Leben, auch der weiteste Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Wolfram Linke | Pressesprecher

Z direkt! 03/2019 INHALT 3 Inhalt EDITORIAL Gemeinsam gegen das Stigma ................................................. 2 NEWS Kurz berichtet ..................................................................................... 4 TITELTHEMA Lesen lernen mit Zeitarbeit Einleitung ins Thema ...................................................................................... 6 Eine starke Gemeinschaft .............................................................................. 8 Digitalisierung ändert Arbeitsabläufe spürbar ............................................ 12 Betroffenen Brücken bauen mit Zeitarbeit (Interview) ............................... 14 Grundunterweisung wird zum großen Stolperstein ................................... 18 NACHGEFRAGT Erste Wahl für Geflüchtete .......................................................................... BERLIN DIREKT Neue Perspektiven geben (Interview) ......................................................... RECHT DIREKT Arbeitsunfall im Kundenbetrieb .................................................................. UNTERWEGS iGZ-Boxenstopp: Bildung tanken ................................................................ 32 Viele Modelle in der Zeitarbeit Europas ..................................................... 34 AKTIV Mach Dein Ding! Die neue PDK-Kampagne .............................................. 36 iGZ-Magazine am Bildschirm ...................................................................... 40 Nachhaltigkeit wird alltäglich ...................................................................... 42 22 24 28 IMPRESSUM Herausgeber iGZ – Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen e.V. PortAL 10 | Albersloher Weg 10 48155 Münster iGZ-Hauptstadtbüro Berlin Schumannstr. 17 10117 Berlin presse@ig-zeitarbeit.de www.ig-zeitarbeit.de Verantwortlich Werner Stolz, Hauptgeschäftsführer Chefredaktion Wolfram Linke (WLI) Redaktion Andrea Resigkeit (AR) Marcel Speker (MS) Texte Kristin Mattheis (KM) Dr. Jenny Rohlmann (JR) Maike Rußwurm (MR) Dr. Benjamin Teutmeyer (BT) Fotos/Grafiken Timo Beylemans Tanja Kossack Wolfram Linke Kristin Mattheis Dr. Jenny Rohlmann Art Direction Tanja Kossack Druck IVD GmbH & Co. KG Wilhelmstraße 240 49475 Ibbenbüren

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