Aufrufe
vor 3 Wochen

Zdirekt! 03-2019

18 TITELTHEMA

18 TITELTHEMA Grundunterweisung wird zum großen Stolperstein Ralf Lemle | iGZ-Landesbeauftragter für Nordrhein-Westfalen und Tobias Lemle | PDK- Azubi bei Office4U

Z direkt! 03/2019 TITELTHEMA 19 Aufgefallen ist es Ralf Lemle, iGZ-Landesbeauftragter für Nordrhein-Westfalen, erst, als sein Mitarbeiter alle Dokumente in Druckbuchstaben unterschrieb, dazu recht lange brauchte und dabei partout nicht gestört werden wollte. Neugierig geworden entwickelte der Wuppertaler Unternehmer feine Antennen für die Tricks von Zeitarbeitnehmern, das Manko "Funktionaler Analphabetismus" zu verbergen. „Lese- und Rechtschreibschwäche ist vor allem bei ungelernten Hilfskräften ein großes Problem“, hat er festgestellt. „Meistens“, so Lemle aus seiner Erfahrung heraus, „sind das Arbeitnehmer, die ihre schulische Laufbahn abgebrochen haben, keinerlei Ausbildung haben und dann die Laufbahn als Produktionshelfer einschlugen.“ Aber auch unter Fachkräften gebe es funktionale Analphabeten, Lemle: „Sie haben im Lauf der Zeit gelernt, das gekonnt zu kaschieren.“ Problematisch werde die Lese- und Rechtschreibschwäche dann spätestens bei der Grundunterweisung Arbeitsschutz der gesetzlichen Unfallversicherung (VBG). Im Multiple-Choice-Verfahren müssen alle Mitarbeiter vor Arbeitsbeginn einen 20 Fragen umfassenden Bogen ausfüllen. Mehrere Antworten sind möglich. „Normalerweise sind die Mitarbeiter spätestens nach 15 Minuten damit fertig“, blickt Lemle auf seine Erfahrungswerte. Ist jemand dabei aufgeregt, gibt´s erstmal eine gemütliche Tasse Kaffee dazu. In dieser Zeit fülle er parallel dazu alle Schriftsätze bis hin zum unterschriftsreifen Arbeitsvertrag aus. „Manche allerdings“, ergänzt Tobias Lemle, Auszubildender zum Personaldienstleistungskaufmann (PDK) bei Office4U, „brauchen für das Ausfüllen sehr viel länger.“ Auffällig dabei sei, dass diejenigen die Fragen und Antworten beim Lesen meist mit dem Finger Buchstabe für Buchstabe durchgehen. Darauf angesprochen reagieren die Betroffenen im Normalfall mit „blumigen Ausreden“. Dann greift Ralf Lemle ein, liest die Fragen und mögliche Antworten vor. Die Fragebögen jedoch müssen auf jeden Fall selbstständig ausgefüllt werden. Auch für ausländische Mitarbeiter stelle der Fragebogen eine Hürde dar – jedoch gebe es die Unterweisung auch in zahlreichen anderen Sprachen. „Ein echtes Problem haben wir aber, wenn ein Zeitarbeitnehmer unsere Sprache gar nicht versteht“, macht der Unternehmer auf eine nicht zu unterschätzende Gefahr aufmerksam. „Was nützt es, wenn der Kollege den Bogen auf Spanisch ausfüllt und anschließend am Arbeitsplatz vom Vorarbeiter auf Deutsch gewarnt wird, wenn das Regal umfällt?“, fragt sich der iGZ-Landesbeauftragte. Anzeige Lassen Sie uns gemeinsam Unabhängigkeit schaffen! Einfach, schnell und effizient Stellenanzeigen gestalten und zu fairen Konditionen veröffentlichen. Jetzt kostenlos testen. www.crabster.de DAS JOBPORTAL DER PERSONALDIENSTLEISTER IN DEUTSCHLAND

Z direkt!

© 2017, Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen e.V.