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Z direkt! Extra zum 4. Potsdamer Rechtsforum

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Z direkt! Extra Jeder vierte Zeitarbeitnehmer hat ausländische Wurzeln Routine für die Zeitarbeit Die Zeitarbeitsbranche ist prädestiniert, Flüchtlingen die Türen zum deutschen Arbeitsmarkt zu öffnen, denn der Umgang mit ausländischen Mitarbeitern ist das täglich Brot der Zeitarbeitsunternehmen: 182.477 Ausländer waren laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit 2014 in Zeitarbeit beschäftigt – bei einem Gesamtvolumen von 823.834 macht das einen Anteil von 22,15 Prozent aus. Nahezu jeder vierte Mitarbeiter in der Branche hat also ausländische Wurzeln. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr lag der Anteil ausländischer Kräfte in der Gesamtwirtschaft bei 8,2 Prozent (2.452.858 Arbeitnehmer). Gleichzeitig gab es 27.463.191 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Deutsche, was einem Prozentsatz von 91,8 entspricht. Die Zeitarbeit ist demnach für Ausländer schon längst die erste Anlaufstelle, wenn es um den Einstieg oder die Rückkehr auf den deutschen Arbeitsmarkt geht. Der Blick auf die Arten der ausgeübten Tätigkeiten zeigt, in welchen Branchen die Schwerpunkte liegen: 51.823 ausländische Zeitarbeitskräfte (30,56 Prozent des Gesamtvolumens von 169.578) sind in den Bereichen Verkehr und Logistik aktiv. 25,89 Prozent (24.285 von 93.821) arbeiten in der Rohstoffgewinnung, Produktion und Fertigung. 31.586 (24,8 Prozent) von insgesamt 127.198 Zeitarbeitnehmern sind in der Metallerzeugung, -bearbeitung sowie dem Metallbau angestellt. Interessant hierbei sind auch die unterschiedlichen Zahlen der beschäftigten Frauen und Männer: Während bei deutschen Zeitarbeitnehmern der Anteil der Frauen bei 30,72 Prozent (Männer: 69,28 Prozent) liegt, ist er bei der ausländischen Mitarbeiterschaft mit 25,96 Prozent (Männer: 74,04 Prozent) deutlich geringer – was auf eine traditionellere Rollenverteilung schließen lässt. Unter Berücksichtigung dieser Erfahrungswerte ist die Zeitarbeit eine ideale Alternative für Flüchtlinge zum Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt und damit eine Entspannung für den Fachkräftemangel. Die Gesamtzahl der Flüchtlinge mit unterschiedlichem Aufenthaltsstatus in Deutschland – mit und ohne rechtliche Anerkennung – lag 2014 bei rund 629.000. Im Jahr 2015 rechnet die Bundesregierung mit 800.000 neuankommenden Flüchtlingen. Bedarf ist zweifels- ohne vorhanden: 91 Prozent der iGZ-Mitgliedsfirmen antworteten bereits im zweiten Quartal 2012 auf die Frage nach dem Fachkräftemangel im iGZ-Mittelstandsbarometer mit „Ja“. 98 Prozent waren im ersten Halbjahr 2012 mit der Suche nach Fachkräften beschäftigt, und 86,7 Prozent bezeichneten die Suche als „sehr schwierig“. Aktuell erklären 97,6 Prozent der teilnehmenden iGZ-Mitgliedsunternehmen, Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel ergriffen zu haben. An erster Stelle steht dabei mit 90,2 Prozent die übertarifliche Bezahlung. Eine große Rolle spielt zudem die Aus- und Weiterbildung (zum Beispiel Sprachkurse) – 46,3 Prozent kümmern sich um die Fortbildung ihrer Zeitarbeitskräfte. 24,2 Prozent bilden ihre Mitarbeiterschaft gezielt für die Einsätze bei Kunden aus. Über die Hälfte, 53,7 Prozent, setzen zusätzlich auf Know how und Erfahrung älterer Erwerbstätiger und stellen verstärkt Ü50 ein. 17,6 Prozent werben Fachkräfte im Ausland an. Als notwendige Maßnahmen werden denn auch vor allem die Verstärkung der Aus- und Fortbildung von Zeitarbeitskräften – 60,3 Prozent – genannt. Mit der Aufhebung des Verbots der Beschäftigung von Asylsuchenden in der Zeitarbeit bieten sich den Betroffenen gute Aussichten: 89,5 Prozent der Zeitarbeitnehmer sind in Vollzeit beschäftigt, 84,3 Prozent haben einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Angesichts dieser Fakten sowie des steigenden Fachkräftemangels und des Alterns und Schrumpfens der Bevölkerung in Deutschland warnte das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung bereits, dass massive Anstrengungen nötig seien, um auch Zuwanderer aus Nicht-EU-Staaten wie etwa Syrien im Land zu halten. Nur so könne Deutschland im internationalen Wettbewerb mithalten. Wolfram Linke 20

Extra Z direkt! Andrea Tittel, Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Berlin-Brandenburg Sprache ist zentrales Element Asylbewerber dürfen neuerdings nach drei oder 15 Monaten Aufenthalt in der Zeitarbeitsbranche beschäftigt werden. Sind die formalen Hürden genommen, folgt die Herausforderung einer erfolgreichen Integration. Andrea Tittel, stellvertretende Leiterin der Projektgruppe Asyl/Flüchtlinge der BA-Regionaldirektion Berlin-Brandenburg, gab dazu wertvolle Tipps. Zunächst einmal brachte sie Licht in die verschiedenen Begriffe rund um die Flüchtlingsgruppen. Wenn jemand einen Antrag auf Asyl gestellt hat, über diesen aber noch nicht entschieden wurde, gilt er als Asylbewerber. Bis zur Entscheidung darf er sich legal in Deutschland aufhalten. Wurde der Antrag auf Asyl abgelehnt, die Abschiebung aber ausgesetzt, gilt die Person als Geduldeter. Wurde dem Antrag stattgegeben, bekommt der Asylberechtigte eine befristete Aufenthaltserlaubnis. Diese bekommen auch die Personen, die als Flüchtlinge anerkannt wurden (anerkannter Flüchtling). Zwischen Januar und September 2015 wurde insgesamt 39,1 Prozent der Asylgesuche stattgegeben, berichtete Tittel. Die höchsten Quoten verzeichnen Geflohene aus Syrien (91,2 Prozent), dem Irak (88,7 Prozent) und Eritrea (83 Prozent). In dem Zeitraum wurden 303.443 Asylanträge gestellt, davon 274.923 Erstanträge. Das Durchschnittsalter der Flüchtlinge beträgt 29,5 Jahre, 86 Prozent sind Männer. 79 Prozent haben einen höherwertigen Abschluss, 17 Prozent der Flüchtlinge haben nachweislich mindestens zehn Jahre lang eine Schule besucht. Es gebe individuelle und organisatorische Kriterien für eine erfolgreiche Integration, erklärte Tittel. Auf individueller Ebene spiele die Chance auf Asyl eine große Rolle. Je höher die Bleibewahrscheinlichkeit, desto erfolgreicher die Integration. Auch Lernmotivation und Arbeitswille sowie die schon vorhandenen Qualifikationen und Sprachkenntnisse seien entscheidend. Wenn jedoch mehrere Probleme zusammenkommen – zum Beispiel eine angeschlagene Gesundheit, ungeklärter Familiennachzug, prekäre Unterbringung, relative Mittellosigkeit – erschwere das die Integration. Auf organisatorischer Ebene müssen als erstes die Kompetenzen festgestellt werden. Das geschehe bei Andrea Tittel, stellv. Leiterin Projektgruppe Asyl/Flüchtlinge der BA-Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit in Erstgesprächen mit spezialisierten Vermittlungsfachkräften. Mit Hilfe von Dolmetschern und bildlichen Unterstützungen sollen die Flüchtlinge selbst angeben, welche Berufe sie in der Heimat ausgeübt haben. Wenn Flüchtlinge Dokumente über Ausbildungen mitbringen, überprüft die BA die Anerkennung dieser Abschlüsse und schlägt gegebenenfalls Qualifikations- beziehungsweise Anpassungsmaßnahmen vor, erklärte Tittel. Das Projekt „Perspektiven für Flüchtlinge“ ziele darauf ab, die Kompetenzen der Asylbewerber im echten Arbeitsumfeld zu erfassen. Bei Jugendlichen seien zudem häufig Einstiegsqualifizierungen oder Praktika zur Berufsorientierung sinnvoll. Parallel dazu sei der Erwerb von deutschen Sprachkenntnissen ein zentrales Element. Im Idealfall träfen schlussendlich eine hohe Motivation und ein großes Potential auf Seiten der Flüchtlinge auf passgenaue Qualifizierungsmaßnahmen. Dann könne der Flüchtlingszustrom helfen, den Fachkräftebedarf in Deutschland zu decken. Maren Letterhaus 21

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