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Z direkt! Extra iGZ-Award 2017

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Z direkt! Kleine Unternehmen 1. Platz: WMS Welding Montage Service GmbH Motivation wiegt mehr als schwieriger Lebenslauf „Jeder Mitarbeiter ist uns wichtig“, betont Kristin Wilhelm, Geschäftsführerin bei WMS Welding Montage Service GmbH. Das Unternehmen wurde 1977 als Familienbetrieb gegründet. „Wir halten die Verwaltung bewusst klein. Wir möchten dort keine Ressourcen verschwenden, die man besser woanders einsetzen könnte“, erklärt sie. Ihre Arbeit umfasst weit mehr als die Verwaltung: die Betreuung der Mitarbeiter, Beratung bei persönlichen Problemen, finanzielle Unterstützung, Weiterbildung der Mitarbeiter – die Liste ist lang. Im Fall von Laszlo Szimeiszter agierte sie sogar als Vormund. Der Mitarbeiter mit ungarischen Wurzeln stand in seinem alten Job ständig unter Druck. Sein Arbeitsvertrag war nur befristet, er musste Nachtschichten machen. Damals fing er an Drogen zu nehmen und geriet auf die schiefe Bahn. Sein Bruder half ihm bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz. So kam er zu WMS Welding Montage Service. Großer Einsatz „Wir wussten von seinen Problemen. Aber er hat von Anfang an vollen An diesem Schweißplatz legte Laszlo Szimeiszter Arbeitseinsatz vor einigen Jahren seine Prüfung ab. gezeigt“, erinnert sich Wilhelm. Sie lege keinen Wert auf polizeiliche Führungszeugnisse, stattdessen müssen die Bewerber bei ihr fachlich und menschlich überzeugen. „Mir reicht es, wenn jemand sagt, ‚ich will arbeiten, ich bin pünktlich, ich halte mein Wort‘ – um den Rest kümmern wir uns“, beschreibt sie. Szimeiszter musste in der hauseigenen Schweißschule eine Handfertigkeitsprobe abgeben und überzeugte. Bei seinen Einsätzen als Schweißer auf Montage gebe er immer 100 Prozent. „Mir ist jede Baustelle wichtig“, bestätigt er. Deshalb setze sich Wilhelm besonders für ihren Schützling ein. Vormundschaft übernommen „Durch die Drogenabhängigkeit kamen einige Straftaten hinzu, wie Beschaffungskriminalität. Das waren aber eher kleine Delikte. Wirklich schlimme Straftaten, die nehmen wir hier auch nicht hin“, stellt sie klar. Szimeiszter hatte keinen festen Wohnsitz, die Amtspost erreichte ihn nicht, und die Polizei suchte ihn. Sogar eine Festnahme drohte. Wilhelm vermittelte. Sie organisierte ein Treffen mit der Polizei und Laszlo in ihren Büroräumen. „Stellen Sie sich vor, die Polizei wäre zu ihm auf die Baustelle gekommen. Das wäre ein schlimmer Gesichtsverlust gewesen. Er hat immer so viel Einsatz gezeigt, guten Willen bewiesen. Das wollten wir unterstützen“, erklärt sie. Das Treffen mit der Polizei verlief gut, die Strafe von Szimeiszter wurde zur Bewährung ausgesetzt. Von da an übernahm Kristin Wilhelm als Vormund die Korrespondenz mit den Ämtern. „Wir sind alle Auflagen durchgegangen, Schritt für Schritt.“ Zurück in ein geordnetes Leben Für beide Seiten eine Situation, die viel Vertrauen erforderte. Doch Wilhelms Bauchgefühl trog sie nicht. Alles verlief gut und ist mittlerweile erledigt. Und auch Szimeiszter wurde für seinen Einsatz belohnt: Er be- 10

Freuten sich über die siegreiche Platzierung des iGZ-Mitglieds WMS Welding Montage Service GmbH (v.l.): Sven Kramer, iGZ-Bundesvorsitzender (komm.), Dr. Alexandra Schmied, Bertelsmann Stiftung, Laszlo Szimeiszter und Kristin Wilhelm, WMS Welding Montage Service, und Werner Stolz, iGZ-Hauptgeschäftsführer. zieht ein regelmäßiges Gehalt und kann sich endlich etwas aufbauen. Er zog in eine eigene Wohnung. „Die Arbeit hat mir geholfen“, bestätigt er. Sein Weg zurück in ein geordnetes Leben verlief dank der Unterstützung von WMS Welding Montage Service gut. Mittlerweile hat er sogar einen eigenen Firmenwagen. Eigene Schweißschule Anfangs hatten die Kundenunternehmen Vorbehalte ihm gegenüber. Auch dort setzte sich Wilhelm für Szimeiszter ein. Aufgrund seiner guten Leistungen versuchen die Kundenunternehmen nun regelmäßig ihn abzuwerben, aber daran hat er kein Interesse. Denn die Zeitarbeitsfirma ist Mitglied beim iGZ und zahlt übertariflich. Außerdem werden in der eigenen Schweißschule regelmäßig die Schweißerscheine erneuert und die Fähigkeiten verbessert. Auch Laszlo Szimeiszter bekam bei seinem Einstieg eine Schulung im WIG-Verfahren. Kristin Wilhelm ist selbst Maschinenbau- und Schweißfachingenieurin und somit versiert im Schweißen. Diese Kenntnisse helfen ihr sowohl im Umgang mit den Kunden als auch mit den Mitarbeitern. Sie wisse immer genau, was sie brauchen. Die Übungsplätze in der Firma sind an die realen Bedingungen vor Ort auf der Baustelle angepasst. Außerdem legt sie viel Wert auf eine gute Unterbringung während der Montageeinsätze. „Bei uns muss niemand in einem Mehrbettzimmer schlafen. Die Mitarbeiter müssen sich schließlich gut erholen können“, betont sie. Einsatz für Mitarbeiter lohnt sich Die gute Behandlung spricht sich herum, viele Bewerbungen kommen von Bekannten der Mitarbeiter. „Aber wir setzen beim Recruiting auf verschiedene Wege. Wir arbeiten eng mit der Arbeitsagentur und dem Jobcenter zusammen. Darüber hinaus sind wir auf vielen Jobmessen präsent. Durch unsere Lehrwerkstatt werden die Leute perfekt ausgebildet. Und durch die Zeitarbeitsfirma wissen wir genau, was die Kunden brauchen. So können wir bedarfsgerecht ausbilden. Die Mitarbeiter können nach der Schulung direkt anfangen zu arbeiten“, beschreibt sie den Vorteil der Verknüpfung. Das Unternehmen beschäftigt zwar viele Schweißfachkräfte, aber keinen Bauleiter. So entstand nach der Wende das Konzept zur Arbeitnehmerüberlassung. Laszlo Szimeiszter sei nur eins von vielen Beispielen dafür, dass es sich lohne, sich für die Mitarbeiter zu engagieren – auch wenn sie einen schwierigen Lebenslauf haben. Antonia Aulbert 11

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