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Z direkt! Ausgabe 2/2013:

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Unterwegs Z

Unterwegs Z direkt! Knotenpunkt in Sachen Netzwerk, Kommunikation und Information Landeskongresse Nordrhein-Westfalen / Baden-Württemberg Die iGZ- Kongresse Thomas Altmann, Wolfram Linke, Thorsten Rensing und Stefanie Klief (v.l.). Wenn wir die Inhalte publizieren, wird uns ja oft gar nicht geglaubt. Es existieren zahlreiche Möglichkeiten, sich über Zeitarbeit zu informieren. Tut Aufklärung trotzdem Not? Rensing: Es gibt keine andere Wirtschaftsbranche, die ihre Mitarbeiter so gründlich aufklärt. Mit jedem neuen Kollegen führen wir intensive Gespräche über die Charakteristik der Zeitarbeit, seine Rechte und Pflichten. Und welche Alternative bietet sich für Politik und Öffentlichkeit? Altmann: Neben den Plattformen wie der iGZ-Internetseite und den zahlreichen Publikationen des Verbandes sind auch die iGZ-Mitglieder selbst gefragt: Wir haben beispielsweise mit Beate Müller-Gemmecke von den Grünen via Facebook einen Gesprächstermin zur Zeitarbeit in Berlin vereinbart. Jedes iGZ-Mitglied kann vor Ort seinen Bundespolitiker ansprechen. Kommt ein Termin zustande, empfehlen wir, sich vorab ein Konzept fürs Gespräch zu machen und das im Zweifel mit Verbandskollegen oder dem Hauptamt abzusprechen. Welchen Effekt sollen solche Kontakte haben? Altmann: Wir sind die Beschimpfungen einfach leid. Uns wird laufend Unmenschentum unterstellt, dabei sind wir genauso wie der Durchschnitt der Gesellschaft. Rensing: Diese Gespräche bieten die Chance, auch einmal Klartext zu reden und die realen Sachverhalte darzustellen. Klief: Eigeninitiative ist gefragt. Neben der Kontaktaufnahme zur Politik kann man auch Diskussionsrunden organisieren oder Leserbriefe an die Presse schreiben, wenn wieder einmal falsch über die Zeitarbeit berichtet wurde. Nichtsdestotrotz kann ich mir nur schwer vorstellen, dass Zeitarbeit jemals auf gleiche Augenhöhe mit anderen Wirtschaftsbranchen kommt, weil hier eben mit der Vermittlung von Menschen in Arbeit Geld verdient wird. Altmann: Fußballer werden auch verkauft und verliehen, und das nimmt niemand übel. Rensing: Kompliziert wird´s durch das Dreiecksverhältnis. Es ist schwer zu vermitteln, dass Arbeitgeber und Arbeitsplatz nicht eins sind. Obwohl das normal ist – ein Handwerker schickt seinen Malergesellen auch jeden Tag zu einem anderen Arbeitsplatz. Gäbe es denn noch andere Mittel, das Image der Zeitarbeit nachhaltig zu beeinflussen? Rensing: In den vergangenen Jahren wurde das AÜG immer weiter liberalisiert. Ich denke, wenn da die Schraube angezogen wird, verschiebt sich der Kriegsschauplatz. Altmann: Es gilt, noch eventuell existierende Gerechtigkeitslücken zu bekämpfen. Beim Beispiel Equal Pay muss etwa auch über die Gerechtigkeit gegenüber der Stammmitarbeiterschaft gesprochen werden. Gleiches Geld für gleiche Arbeit ist längst nicht immer gerecht, wenn zum Beispiel ein langjähriger, hochspezialisierter Experte plötzlich dasselbe Geld bekommt wie jemand, der neben ihm sitzt und den ersten Tag da ist. Wenn zwei Mitarbeiter das Gleiche machen, ist es noch lange nicht dasselbe. Rensing: In dieser Diskussion sollte man auch mal überlegen, ob die Arbeitnehmer von den Kundenfirmen überhaupt direkt eingestellt werden würden – für Langzeitarbeitslose, insbesondere ältere Arbeitnehmer, ist Zeitarbeit oftmals noch die einzige Chance, wieder auf den Arbeitsmarkt zurückzukehren. Klief: Stimmt. Wir sind häufig auch als Sozialarbeiter gefragt. Zwei Drittel der Zeitarbeitnehmer kommen aus der Arbeitslosigkeit. Einige wissen nicht mehr, wie man Papiere ausfüllt, haben nur eine Ahnung von morgendlicher Pünktlichkeit und sind schlicht auf Hilfe angewiesen. Welche Rolle kommt dem Zeitarbeitgeberverband dabei zu? Klief, Altmann, Rensing: Ohne den iGZ läuft gar nichts. Die Zeitarbeit braucht ein solches Sprachrohr, wenn es darum geht, die Mitgliederinteressen in der Öffentlichkeit sowie gegenüber Politik und Gewerkschaften zu vertreten. Zudem reguliert der Verband die Zeitarbeit via Ethikkodex sowie Kontaktund Schlichtungsstelle in Eigenverantwortung. Der Kodex muss gelebt werden und bei Missbrauch müssen auch entsprechende Maßnahmen ergriffen werden. Das trägt langfristig entscheidend zur Verbesserung des Images bei. I Wolfram Linke Die Landeskongresse des iGZ sind mittlerweile ein zentraler Knotenpunkt in Sachen Netzwerk, Kommunikation und Information. Indiz dafür sind die Teilnehmerzahlen – 400 Interessierte kamen zum Landeskongress Baden-Württemberg nach Stuttgart, um unter dem Motto „Gute Zeitarbeit – Branchenzuschläge und mehr!“ über jüngste Entwicklungen der Zeitarbeitsbranche zu diskutieren und den Fachvorträgen zu lauschen. Der Hauptgeschäftsführer Südwestmetall, Peer-Michael Dick, etwa referierte über die Branchenzuschläge aus Sicht der Kundenunternehmen. Die Zeitarbeit aus der Position der Bundesagentur für Arbeit stellte Christine Käferle, Bereichsleiterin Markt und Integration in der Regionaldirektion Baden- Württemberg, vor. Große Beachtung fanden eingangs die Reden der iGZ-Bundesvorsitzenden Ariane Durian und des Landesbeauftragten Armin Zeller, die sich intensiv gegen die Anti-Zeitarbeits- Kampagnen der Gewerkschaften verwahrten. Ebenfalls große Resonanz fand die Podiumsdiskussion zum Thema „Branchenzuschläge: Umsetzung – Folgen – Ausblick“, an der sich schließlich auch das Publikum engagiert beteiligte. Den Blick nach vorn lenkte zu guter Letzt iGZ-Hauptgeschäftsführer Werner Stolz, der einen Ausblick auf tarifpolitische Perspektiven 2013 gab. 350 Teilnehmer verzeichnete der iGZ dann beim Landeskongress NRW in Köln. „Gute Zeitarbeit – Mit Sicherheit!“ lautete der Titel Anzeige der Veranstaltung, die von der iGZ-Landesbeauftragten NRW, Anne Rosner, mit einer engagierten Ansprache zum „hysterisch wirkenden Aktionismus“ gegen Zeitarbeit eröffnet wurde. Der stellvertretende iGZ-Bundesvorsitzende Holger Piening redete ebenfalls Klartext: Besonders kritisierte er die Geheimhaltung der Kontaktdaten örtlicher Bewerber durch die BA: „Diese Vorgehensweise schützt die Arbeitsuchenden nicht, sondern sie verhindert die zügige Arbeitsaufnahme.“ Hier müsse dringend nachgebessert werden. Mit einem klaren Bekenntnis pro Zeitarbeitsbranche empfahl sich in Köln der arbeitsmarktpolitische Sprecher der FDP, MdB Johannes Vogel: „Jetzt ist die Branche solide, gut und erfolgreich aufgestellt“, resümierte Vogel. Er werde sich nun gegen jede weitere politische Veränderung einsetzen. Neu war die Möglichkeit, Fragen zur Zeitarbeit während des Kongresses schriftlich einzureichen. In einem Praxisforum beantworteten dann am Nachmittag die iGZ-Landesbeauftragte Anne Rosner, iGZ-Jurist RA Stefan Sudmann und Klaus-Dieter Scholz, Blau & Scholz Consulting, die rund 50 gestellten Fragen. Der Bericht Torsten Oelmanns, Mitglied der KuSS, zur Arbeit der Kontakt- und Schlichtungsstelle sowie der Vortrag Prof. Dr. Peter Schürens, Arbeits,- Sozial- und Wirtschaftsrecht an der Universität Münster, zu Werkverträgen lieferten für die Teilnehmer überdies neue Erkenntnisse zu beiden Themenfeldern. I Wolfram Linke 26 16

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