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Z direkt! Ausgabe 2/2013:

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Z direkt! Spezial: VBG Spezial: VBG Z direkt! Für mich ist es sehr Eigentlich war es nur ein falscher Schritt. Kurz nicht aufgepasst, die unterste Leitersprosse verfehlt, schon war es passiert: Eik Peinert, Maler und Lackierer, stürzte und brach sich das Fersenbein. Der Beginn einer Krankengeschichte, die ihr Ende in der Buchhaltung des iGZ-Mitgliedsunternehmens FARA GmbH findet. „Ich habe quasi die Schreibtischseite gewechselt“, schmunzelt der 35-Jährige. hilfreich, dass ich Als im September 2009 die Handwerkskarriere von Eik Peinert jäh endete, war er schon seit sechs Jahren für das Gießener Zeitarbeitsunternehmen tätig. „Nach meiner Ausbildung habe ich mich zunächst selbstständig gemacht und Kirchenfassaden restauriert“, erzählt Peinert. Doch es war schwer, damit über die Runden zu kommen. Sein eigenes Unternehmen komplett aufgeben wollte er nicht, eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung klang aber durchaus verlockend. Also beschloss er 2003, beides zu kombinieren und sich initiativ bei FARA zu bewerben. „Das hat super geklappt“, berichtet er. Ein Auftrag folgte dem nächsten, schon bald fragten einige Kunden direkt nach ihm. „Das hätte von mir aus auch gerne noch ewig so weiterlaufen können.“ Lief es aber nicht. Denn kaum war der erste Fersenbeinbruch verheilt, folgte der zweite Rückschlag. „Ich war noch in der Belastungserprobung, als ich das zweite Mal stürzte“, berichtet Peinert. Nach der Verletzung arbeitete er zunächst nur stundenweise in einer Werkshalle, in der die Decken lackiert werden mussten. Kurz vor Feierabend verlor er auf dem Gerüst das Gleichgewicht und fiel dreieinhalb Meter in die Tiefe – dieses Mal mit weitaus schlimmeren Folgen. Das Fersenbein erneut gebrochen, zusätzlich Knie und Handgelenk zertrümmert. Erst Monate später konnte Peinert wieder laufen. Zurück auf der Baustelle musste er dann feststellen, dass er den Akkubohrer nicht mehr richtig halten konnte. Ein Arztbesuch bestätigte: Peinert ist nicht mehr in der Lage, handwerkliche Berufe auszuführen. Berufsunfähig, mit 33 Jahren. „Wir haben uns dann zusammengesetzt und überlegt, was wir tun können“, erzählt Stefan Rathenow, Geschäftsführer der FARA GmbH. „Eik hat jahrelang sehr zuverlässig und gewissenhaft für uns gearbeitet. Da wollten wir ihn nicht hängen lassen.“ Auch die Berufsgenossenschaft unterstützte, wo es nur ging. Ein Eignungstest bei der VBG bescheinigte ihm ein Talent für kaufmännische Berufe. Gesagt, getan. In Zusammenarbeit mit der VBG richtete Rathenow einen Ausbildungsplatz zum Lohn- und Finanzbuch- selbst lange als Zeitarbeitskraft angestellt war. halter ein. „Das ging nur, weil wir Eik schon so lange als loyalen Mitarbeiter kannten“, erläutert er. Ein Vertrauensbeweis. Denn in der Finanzbuchhaltung hat Peinert Einblick in Daten, die ein gewöhnlicher Auszubildender nicht zu Gesicht bekommt. Dass er mit Mitte Dreißig noch einmal die Schulbank drücken würde, damit hatte Peinert nicht gerechnet. „Ich musste erstmal für mich herausfinden, ob ich das überhaupt hinkriege“, blickt er zurück. Doch letztlich hat alles gut geklappt. Die VBG unterstützte ihn finanziell zum Beispiel beim Kauf der Schulbücher. In einer anderen Auszubildenden des Unternehmens fand Peinert schnell eine Lernpartnerin. Seine Ausbildung wird er voraussichtlich in nur zwei statt in drei Jahren absolvieren. Nicht nur die Herausforderung in der Schule meisterte der angehende Bürokaufmann erfolgreich, auch im Unternehmen fand er schnell seinen Platz. „Für mich ist es sehr hilfreich, dass ich selbst lange als Zeitarbeitskraft angestellt war“, sieht er einen Vorteil in seinem ungewöhnlichen Werdegang. Denn oft würden externe Mitarbeiter genau die Fragen zur Lohnabrechnung stellen, die er sich früher selbst stellte. „Da kann ich mich dann gut hineinversetzen“, erläutert er. Neben seiner neu entdeckten Leidenschaft für Zahlen packt Peinert dort an, wo Arbeit ansteht. „Ich brauche immer ein Projekt“, schmunzelt er. Als erstes nahm er die Kosten für externe Dienstleister unter die Lupe und optimierte die Ausgaben. Er half beim Umzug einer Niederlassung, hat sich zum Datenschutzbeauftragten und Sicherheitsfachangestellten ausbilden lassen. Aktuell kümmert er sich um die Neugestaltung der Homepage. Ab und zu denke er noch traurig an seine Zeit als Handwerker zurück. „Aber es hat schon alles gepasst“, zieht er ein positives Resümee. Im Sommer hat er seine Abschlussprüfung. Wenn alles gut läuft, übernimmt er anschließend die gesamte Lohnbuchhaltung der Eisenacher Niederlassung. Glück im Unglück, sozusagen. I Maren Letterhaus Die FARA Homepage FARA-Geschäftsführer Stefan Rathenow (rechts) gratuliert Eik Peinert zu seiner zehnjährigen Betriebszugehörigkeit. 14 15

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