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Z direkt! Ausgabe 1/2014

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Z direkt! Titelthema Zehn Fragen an den stv. Hauptgeschäftsführer Gesamtmetall, Karsten Tacke Zeitarbeit sinnvoll nutzen Kurz nach dem Tarifabschluss mit dem DGB konfrontiert die Bundesregierung die Zeitarbeitsbranche mit rigiden Regulierungsplänen im Koalitionsvertrag. Einer der Tarifverhandlungsführer war und ist Karsten Tacke, stellvertretender Hauptgeschäftsführer Gesamtmetall. Er kennt sich aus, saß als Verhandler mit am Tisch, stritt bis tief in die Nacht mit den Gewerkschaften. Wie schätzt er die neue Situation ein, was erwartet Gesamtmetall von der neuen schwarz-roten Regierung. Das Interview führte Christina Franzen aus dem Berliner Hauptstadtbüro. Z direkt!: Welche Hoffnung verbinden Sie mit der dritten Z direkt!: Stichwort Equal Pay: Nach den Plänen der Amtszeit von Bundeskanzlerin Angela Merkel? schwarz-roten Regierung sollen nun auch Equal-Pay-Regelungen ins Gesetz geschrieben werden. Was bedeutet dies Karsten Tacke: Die Bundeskanzlerin hat uns klug und für die M+E-Branchenzuschlags-Tarifverträge? besonnen durch die Euro-Krise geführt. Das verdient großen Respekt. Es ist erfreulich, dass nun auch die versprochene Tacke: Auch dafür gilt bis zum Beweis des Gegenteils die Tarifeinheit kommen soll. In anderen Fragen fürchte ich allerdings, dass der Koalitionsvertrag den Blick eher nach hinten gesamte Debatte ist aber natürlich schief. Wer nur kurze Zeit Erwartung, dass diese Tarifverträge respektiert werden. Die als nach vorne wirft – gerade was beispielsweise die Rentenpläne angeht. Nicht alles, was populär scheint, ist auch also wirklich auch die gleiche Arbeit leisten. im Betrieb ist, kann zwangsläufig nicht so produktiv sein – richtig. Z direkt!: Im Tarifvertrag Leih-/Zeitarbeit sind bereits abweichende Regelungen zu den Tarifverträgen der Zeitarbeit Z direkt!: Wie bewerten Sie die arbeitsmarktpolitischen Regelungen im Koalitionsvertrag? vorgesehen. Welche Erfahrungen hat die M&E-Industrie bisher mit dem sogenannten TV LeiZ gemacht? Tacke: In der Summe kann das schnell eine Bleiweste werden. Wir sind im Moment bei Rekordwerten, was Tacke: Unsere Unternehmen haben sich damit arrangiert. Beschäftigung angeht. Aber ob Mindestlohn oder weitere Es würde ihnen aber deutlich leichter fallen, die damit verbundenen Belastungen zu akzeptieren und zu tragen, wenn Regulierung bei der Zeitarbeit: Es geht zu Lasten der Chancen für diejenigen, die die Chancen am dringendsten brauchen. auch befriedet ist. Anders herum fragen sich die Unterneh­ mit der Unterschrift unter einen Tarifvertrag das Thema dann men natürlich schon, warum sie für Z direkt!: Laut Koalitionsvereinbarung soll die Zeitarbeit einen Tarifvertrag einen deutlichen Preis zahlen sollen, weiter reglementiert werden; ein Punkt ist die Höchstüberlassungsdauer. Welche Auswirkungen haben diese Reglementierungen für die M&E-Industrie? vom Verhandlungssaal aus wenn der Tarifpartner noch dem Gesetzgeber weitergehende Wünsche diktiert. Tacke: Wir haben ja in unserem eigenen Tarifvertrag Regelungen dazu getroffen. Ich fände es schwer mit den demonstrativen Treueschwüren auf die Tarifautonomie vereinbar, Z direkt!: Sind Sie der wenn der Gesetzgeber diese kurzerhand zu einem Muster Meinung, dass der TV LeiZ ohne Wert deklarieren würde. Karsten Tacke: "Der Koalitionsvertrag kann schnell zu einer Bleiweste werden." 16

Titelthema Z direkt! ein Vorbild für die Gesetzgebung wäre? Tacke: Die große und unverzichtbare Rolle der Zeitarbeit für die Gesellschaft besteht nicht zuletzt darin, auch An- und Ungelernten wieder die Chance auf einen vollwertigen Arbeitsplatz zu eröffnen – und diese Rolle hat die Zeitarbeit eindrucksvoll erfüllt. Deshalb kann man die Bedingungen, die in der Metall- und Elektro-Industrie getroffen werden konnten, nicht pauschal verallgemeinern. Andere Branchen tun sich schwerer damit. Z direkt!: Flexibilisierung ist gleichzusetzen mit Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft, so die Aussage der Wirtschaftsweisen. Jetzt will die neue Regierung die Erfolge der Agenda 2010 sichtlich zurückschrauben. Was sollte der Gesetzgeber Ihrer Meinung nach dabei bedenken? Tacke: Die Arbeitsmarktpolitik der letzten Jahre ist eine Erfolgsgeschichte, um die uns Europa beneidet. Die Sockelarbeitslosigkeit ist, zum ersten Mal überhaupt, langfristig gesunken, es gibt so viele sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze wie nie zuvor, und das bei gleichzeitigem Beschäftigungsaufbau unserer Hochlohn-Stammbelegschaften. Die Agenda 2010 zurückzuschrauben birgt unweigerlich die Gefahr, wieder auf den früheren Stand zurückzufallen. Christina Franzen interviewte den stv. Hauptgeschäftsführer Gesamtmetall, Karsten Tacke. Tacke: Mit Sorge. Beim Mindestlohn brauchen wir deshalb wenigstens eine feste Brandmauer gegen politisch festgelegte Löhne. Auch der so beliebte Verweis auf andere Länder und deren Erfahrungen lässt mich immer etwas ratlos zurück. Ob diejenigen, die auf die USA und Großbritannien verweisen, auch für einen Kündigungsschutz und für Sozialsysteme nach angelsächsischem Muster sind? Z direkt!: Welche Bedeutung wird die Zeitarbeit künftig für die M&E-Industrie haben? Tacke: Die gleiche wie bislang: Sie ist für unsere Unternehmen ein unverzichtbares Instrument. Sie wird aber im Verhältnis zur Stammbelegschaft nur eine Ergänzung darstellen. Z direkt!: Der Staat will sich künftig unter anderem in die Lohnfindung einschalten. Wie sehen Sie diese Entwicklung? Z direkt!: Wo sehen Sie dazu Ansatzpunkte für eine Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen den beiden Arbeitgeberverbänden Gesamtmetall und iGZ? Tacke: Das gemeinsame Interesse an einer sinnvollen Nutzung der Zeitarbeit verbindet uns. Sie hat in unserer Branche immer schon eine wichtige Rolle bei der Überlassung von Fachkräften gespielt. Die Voraussetzung, damit das auch so bleiben kann, ist, dass die Politik der Zeitarbeit nicht die Grundlage dafür entzieht. 17

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