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Z direkt! Ausgabe 1/2005

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| 6 Podiumsdiskussion

| 6 Podiumsdiskussion FLEXIBILITÄT ALS PRODUKT DER ZEITARBEIT Europa sucht den Königsweg und der Erfahrung, dass weniger das Kostenargument als vielmehr die Vorteile der Flexibilität, wie das kurzfristige Bereitstellen von Arbeitskräften eine Rolle spielten. In Österreich richtet sich die Bezahlung der Zeitarbeitnehmer nach dem jeweiligen Tarifvertrag des Kunden. Europäische Perspektiven für die Zeitarbeit: Unter der Moderation der FAZ-Wirtschaftsjournalistin Claudia Bröll (Bildmitte) diskutieren Vertreter aus Österreich, den Niederlanden, Frankreich und Deutschland. „Equal pay in Frankreich bedeutet: equal pay plus zehn Prozent!“ Fast betroffenes Schweigen macht sich beim iGZ-Bundeskongress im Saal des Kölner Maritim-Hotels breit, als Professor Michel Ph. Mattoug von der Situation der Zeitarbeit in Frankreich berichtet. Die „plus zehn Prozent“ bezeichnet er als „Entschädigung für den Zeitarbeitnehmer, dass er das Beschäftigungsrisiko trägt“. In Frankreich ist es üblich, Beschäftigungsverhältnisse nur für die Dauer des Einsatzes abzuschließen. Diese höhere Bezahlung finde sich, so Mattoug, auch im Preis wieder und: „Die Unternehmen zahlen das.“ Schließlich gehe es nicht darum, billige Arbeitskräfte zu rekrutieren, sondern: „Der Entleiher will Flexibilität einkaufen – und das ist genau das, was wir ihm verkaufen wollen.“ Für Volker Homburg, stellvertretender iGZ-Vorsitzender, ist dieses Beispiel Beleg dafür, dass die europäischen Systeme der Zeitarbeit noch viel zu verschieden sind, um miteinander ver- glichen werden zu können. Er bezeichnet „equal pay“, trotz aller Erfahrungen in Frankreich, als „Totschlag für die Zeitarbeit in Deutschland“. Homburg verweist auf den elementaren Unterschied zu anderen europäischen Staaten, nämlich die gleiche Entlohnung von produktiven und unproduktiven Stunden des Arbeitnehmers. Nicht nur in Frankreich, auch in den Niederlanden werde das anders gehandhabt als in Deutschland. Dr. Hermann Rantasa, Vizepräsident des Österreichischen Verbands Zeitarbeit und Arbeitsvermittlung, berichtet aus seinem Land von „quasi-equal-pay“ Der Niederländer Tom Sijpestijn, Vorstandsmitglied des Algemene Bond Uitzendondernemingen (ABU), hingegen sieht das Kostenargument schon als relevant an: „Wir haben Probleme mit equal pay, denn viele Auftraggeber schauen zuerst auf den Preis“, berichtet er. Er sei jedoch bemüht, in Verhandlungen mit Mitarbeitern, denen es noch an Erfahrung fehle, Minderbezahlungen zu erreichen. Je länger sie dann für die Zeitarbeitsfirma arbeiten, desto mehr Gehalt bekommen sie: „Wir bezahlen als Einstieg 7,30 e, nach 26 Wochen 7,80 e und nach einem Jahr 8,40 e.“ Unterschiede gibt es auch bei den Regelungen im Bauhauptgewerbe. In Österreich, berichtet Dr. Rantasa, sei das Bauhauptgewerbe für Zeitarbeit geöffnet, allerdings nicht der Gesundheitsbereich. Er bringt das auf den kurzen Nenner: „Bauarbeiter ja, Krankenschwester nein“. Vom Zeitarbeits- Einsatz im Baugewerbe hält er jedoch nicht viel: „Bei den großen Baufirmen ist die Marge sehr gering und die Möglichkeit, dass man sein Geld nicht bekommt, sehr hoch.“ Während Prof. Mattoug für Frankreich knapp zusammenfasst: „Der Baubereich ist frei und ok.“, verweist Tom Sijpestijn auf achtjährige Erfahrungen in den Niederlanden mit Zeitarbeit im Bauhauptgewerbe. Und Sijpestijn ist nicht gerade begeistert: „Für die Zeitarbeit in den Niederlanden ist das nicht das optimale Betätigungsfeld.“ Z direkt!

7 | Podiumsdiskussion Prof. Michel Ph. Mattoug: WIRTSCHAFTSAKTEUR ODER SOZIALARBEITER? „Ein Dilemma unserer Zeit ist, dass oft zu sehr die Wiedereingliederungsfunktion der Zeitarbeit in den Arbeitsmarkt in den Vordergrund gestellt wird. Inhaber von Zeitarbeitsfirmen sind Unternehmer und gehören nicht in die soziale Ecke. Sie sind nicht dazu da, soziale Verantwortungen, die eigentlich bei anderen liegen sollten, wahrzunehmen.“ Volker Homburg: IN DER GESELLSCHAFTLICHEN MITTE ANGEKOMMEN „Die Branche hat durch Hartz-Reformen, Tarifierung und die Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) eindeutig gewonnen. Die Zeitarbeit ist in der gesellschaftlichen Mitte angekommen. Der nächste Schritt müsste nun die Abschaffung des AÜG sein, denn es ist eigentlich ein Gesetz zur Illegalisierung von Zeitarbeit.“ Dr. Hermann Rantasa PRO DIENSTLEISTUNGSRICHTLINIE „Wir sind für die EU-Dienstleistungsrichtlinie. Wir glauben, dass es die Richtlinie ermöglicht, dass in jedem Land unter Berufung auf den Gleichheitsgrundsatz gegen die jeweils bestehenden nationalen Verbote geklagt wird. Damit wären alle Verbote etwa zwei oder drei Jahre nach Inkrafttreten der Richtlinie weg. Im Ergebnis führt das dann zu einer Regulierung aus sich heraus, zu der die Politiker ja offensichtlich nicht fähig sind.“ Tom Sijpestijn: GLEICHBERECHTIGUNG IN DER ZEITARBEIT „Wenn Sie etwas über die Zeitarbeit in den Niederlanden wissen wollen, lassen Sie einfach mal die Zahlen auf sich wirken: Bei uns sind 50 Prozent der Zeitarbeitnehmer Frauen. Darüber hinaus stellen wir fast 15 Prozent Arbeitnehmer ein, die über 45 Jahre alt sind. Wir haben 1.200 Tarifverträge in den Niederlanden und 20 Prozent der Betriebe wenden keinen Tarifvertrag an.“ Z direkt!

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