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Z direkt! | Ausgabe 01 | 2015

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Z direkt! Titelthema Öffnet Mindestlohn der Zeitarbeit die Tür zum Friseurhandwerk? Personalbedarf unbestritten „Zeitarbeit ist für uns zu teuer“, hörte man immer wieder aus den typischen Niedriglohnbranchen. Durch den gesetzlichen Mindestlohn sind diese Branchen jetzt gezwungen, mehr Geld für Personal in die Hand zu nehmen. Ergeben sich dadurch für Zeitarbeitsunternehmen neue Geschäftsfelder – zum Beispiel im Friseurhandwerk? Der Personalbedarf ist sehr groß: Auch das Friseurhandwerk klagt über Fachkräftemangel. Der Tarifvertrag für Friseure sieht in Westdeutschland einen Mindestlohn in Höhe von 8,00 Euro vor, in Ostdeutschland von 7,50 Euro. Damit liegt er unterhalb der untersten Entgeltgruppe der Zeitarbeit. Aufgrund der Übergangsregelung haben diese Löhne noch bis zum 31. Juli 2015 Vorrang vor dem gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro. „Eine spannende Zusatzgeschichte“ nannte Dirk Wiethölter, Personalvorstand der Friseurfilialist Hair- 14

Titelthema Z direkt! Dirk Wiethölter, Hairgroup Rüdiger Schmitt, Klier group, die Idee, künftig auch über Zeitarbeit Personal zu beschäftigen. Natürlich müsse das Angebot bezahlbar bleiben. „Aber wenn die Zeitarbeitsunternehmen es schaffen, Mitarbeiter zu finden, sollen sie sich gerne bei mir melden“, sendet Wiethölter deutliche Zeichen. Attraktiv könne die Zeitarbeit besonders für Mütter sein, nannte er eine Idee. Friseurläden sind heute sehr häufig bis 22 Uhr geöffnet. Zeitarbeitskräfte würden aber überwiegend zu den Spitzenzeiten einspringen, sodass ihnen die späten, familienunfreundlichen Arbeitszeiten erspart bleiben könnten. „Dann ist Zeitarbeit sicherlich für einige Arbeitnehmerinnen eine Alternative zur Direktanstellung im Friseurladen“, mutmaßt Wiethölter Eine ähnliche Entwicklung gibt es bereits in der Pflegebranche. Gegensätzlich schätzt Rüdiger Schmitt, Unternehmenssprecher der Friseurkette Klier, die Idee mit der Zeitarbeit ein. „Personalkosten machen 58 Prozent aller Ausgaben im Filialbereich aus“, erklärt er den enormen Kostendruck in der Branche. „Da wirkt sich jeder Euro aus.“ Es sei also schlichtweg zu teuer, neben dem Gehalt der Zeitarbeitskräfte auch noch die Kosten für die Arbeit der Zeitarbeitsunternehmen zu bezahlen. Darüber hinaus nannte er wie sein Branchenkollege den Fachkräftemangel als großes Problem. „Wir finden selbst kaum Mitarbeiter“, beklagte er. Hinzu komme, dass jedes Unternehmen eigene standardisierte Abläufe habe, die lange Einarbeitungszeiten erfordern. Kurzfristige Zeitarbeitseinsätze seien laut Schmitt daher wenig praktikabel. Letztlich wird also das Geschick der Zeitarbeitsbranche zeigen, ob sie es schafft, sich im Friseurhandwerk zu etablieren. Der Personalbedarf ist unbestritten. Maren Letterhaus 15

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