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Z direkt! 3-2014

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Z direkt! Nachgefragt Aus dem Alltag der iGZ-Mitgliedsunternehmen Regierungspläne realitätsfern Unverständnis eint die zahlreichen Zuschriften, die der iGZ in den vergangenen Monaten von seinen Mitgliedern erhielt. Die Idee der Regierung, eine Höchstüberlassungsdauer von 18 Monaten einzuführen, sei realitätsfern, nicht vernünftig durchdacht und füge der gesamten Wirtschaft erheblichen Schaden zu, so der Tenor. 24

Nachgefragt Z direkt! Denn lange Überlassungsdauern sind in der Zeitarbeit keine Seltenheit. „Warum auch?“, fragt ein iGZ-Mitglied aus Nordhorn. „Die Mitarbeiter fühlen sich bei uns mehr als wohl, viele haben bereits Übernahmeangebote der Kundenunternehmen abgelehnt.“ Laut iGZ-Mittelstandsbarometer war etwa jeder fünfte Beschäftigte am Befragungsstichtag seit mehr als 18 Monaten im selben Kundenunternehmen eingesetzt, 17,4 Prozent sogar schon länger als zwei Jahre. Die Gründe für lange Überlassungsdauern sind vielfältig. „Unser Hauptgeschäft liegt im Schiffsbau. Unsere Mitarbeiter sind eng in wichtige Arbeitsabläufe eingebunden. Da ist es nicht immer möglich, sie nach einer gewissen Zeit einfach vom Kunden abzuziehen. Die Einarbeitung neuer Mitarbeiter dauert einfach zu lange“, berichtet ein Bremer iGZ-Mitglied. Einen anderen Aspekt spricht eine Geschäftsführerin aus Stuttgart an. Ein Kunde aus der Automobilindustrie habe einen Großteil der Personalabteilung ausgelagert. Als Master Vendor kümmert sich das iGZ-Mitglied mit 30 weiteren Zeitarbeitsfirmen um sämtliche Aufgaben von der Personalauswahl über Schulungen bis hin zur Rechnungsprüfung. Unter den Mitarbeitern seien auch einige Ausländer mit schlechten Deutschkenntnissen. „Ohne unsere enge Betreuung vor Ort hätten diese Mitarbeiter die Stelle wohl nicht bekommen“, gibt die Geschäftsführerin deshalb zu bedenken. An die Vielzahl von Zusatzdienstleistungen von Zeitarbeitsunternehmen erinnert auch ein iGZ-Mitglied aus Ansbach. In der sehr ländlichen Gegend bringt das Unternehmen seine Beschäftigten zu Kunden, die nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind. „Denn viele haben selbst kein Auto“, erklärt die Niederlassungsleiterin. „Sollte die befristete Überlassungsdauer greifen, wird diesen Beschäftigten die Grundlage zur Arbeit zu gelangen genommen – und somit die Möglichkeit der Weiterbeschäftigung.“ Dass viele Beispiele der iGZ-Mitglieder aus dem produzierenden Gewerbe stammen, ist kein Zufall. Eine Kurzumfrage bestätigte, dass fast zwei Drittel aller Beschäftigten, die bereits länger als 18 Monate im selben Kundenbetrieb eingesetzt sind, in der Metall- und Elektrobranche arbeiten. Und gerade in diesem Bereich gibt es tarifliche Zusatzvereinbarungen, die die Zeitarbeitskräfte besserstellen. „Für die Stahlbranche gilt seit Jahren ein eigener Equal Pay-Tarif – vom ersten Einsatztag an“, berichtet ein Bremer Mitglied. „Wozu ist in der Stahlbranche zwischen den Sozialpartnern dieser damals gefeierte Tarifvertrag ausgehandelt worden, wenn er jetzt durch die Politik regelwütig zur Makulatur erklärt wird?“, zeigt er sich fassungslos über den Umgang mit der Tarifautonomie. Neben der Metall- und Elektrobranche sind auch im Pflegebereich besonders lange Einsatzdauern zu beobachten. Viele Mitarbeiter seien dort bereits weit über 18 Monate im gleichen Klinikum und den Töchterhäusern beschäftigt, erreichte den iGZ eine Nachricht aus Hameln. „Die Mitarbeiter möchten das auch so! Und warum möchten sie das? Zeitarbeit bietet nach wie vor Flexibilität, attraktive Gehälter und gute Entwicklungsmöglichkeiten“, verdeutlicht das iGZ-Mitglied. Diese Erfahrungsberichte sind nur ein kleiner Auszug aus den unzähligen Nachrichten, die das iGZ-Team in den vergangenen Monaten erreichten. Das Stimmungsbild ist dabei eindeutig: Laut iGZ-Mittelstandsbarometer erwarten mehr als drei Viertel der Zeitarbeitsunternehmen (sehr) negative wirtschaftliche Auswirkungen, wenn die Große Koalition tatsächlich eine Höchstüberlassungsbeschränkung einführt. Maren Letterhaus Anzeige Anzeige 25

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