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Z direkt 04-2018

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Z direkt! Nachgefragt Nachgefragt Z direkt! Geringerer Lohn nach Unterbrechung Zeitarbeitnehmer berichten über Erfahrungen mit Überlassungshöchstdauer Negative Auswirkungen für Zeitarbeitnehmer Nicht nur Arbeitgeber, auch Zeitarbeitnehmer sind unzufrieden mit der Überlassungshöchstdauer von 18 Monaten. Denn insbesondere Zeitarbeitnehmer spüren die Nachteile der AÜG-Reform am eigenen Leib – oder eher gesagt am eigenen Geldbeutel. Wechsel führt zu Gehaltsverlust 1.890 Euro brutto im Monat weniger wird Torsten Kiel aufgrund der Überlassungshöchstdauer verdienen. Kiel ist gelernter Revierschlosser und arbeitet seit drei Jahren als Zeitarbeitnehmer beim iGZ-Mitglied GIS Engineering. Momentan ist er bei einer Entsorgungsgesellschaft für radioaktive Abfälle eingesetzt. Job und soziale Strukturen verloren Aufgrund der Überlassungshöchstdauer von 18 Monaten endet für Vera Röper im Dezember 2018 ihr Einsatz als Produktionsmitarbeiterin bei einem mittelständischen Metallunternehmen. Sie verliert aber nicht nur ihren Job, sondern auch ihre sozialen Strukturen im Unternehmen, liebgewonnene Kollegen und eine Arbeit, die ihr Spaß gemacht hat. Röper ist Zeitarbeitnehmerin bei dem iGZ-Mitgliedsunternehmen TimePartner. Seit Juni 2017 war die 49-Jährige bei dem Metallunternehmen im Einsatz. Aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Doch im September 2019 ist für den 50-Jährigen bei seinem Einsatz vorerst Schluss. Auch kann sein jetziges Einsatzunternehmen ihn nicht übernehmen. Denn das Unternehmen verfügt nur über eine sehr geringe Anzahl an Stellen. Kiel könnte nach seinem jetzigen Einsatz nach Asien gehen, um dort auf einer Baustelle als Zeitarbeitnehmer zu arbeiten. Das kommt für den dreifachen Vater aber nicht infrage, denn seine Kinder kann er nicht allein lassen. Daher ist die Zukunft für den Familienvater noch ungewiss. Lage war eine Übernahme in die Stammbelegschaft aber nicht möglich. Dafür konnte das Zeitarbeitsunternehmen für Röper ein neues Einsatzunternehmen finden. Durch den Wechsel verdient die Produktionsmitarbeiterin jedoch weniger als in ihrem vorherigen Einsatzunternehmen. Zudem ist ihr neuer Arbeitsort nicht mehr in der Nähe ihres Wohnortes und Röper entstehen zusätzliche Fahrtkosten. Das Metallunternehmen würde die 49-Jährige nach der Sperrfrist von drei Monaten gerne wieder einsetzen. Ob sie das möchte, weiß sie aber noch nicht. Christopher Hutchinson ist alleinerziehender Vater einer kleinen Tochter. Daher kann er nur zu bestimmten Zeiten arbeiten. Zudem besitzt er keinen Führerschein. Für viele Unternehmen ist das ein großes Problem – nicht für das iGZ-Mitgliedsunternehmen SW Personaldienstleistungen GmbH. Geschäftsführer Mario Waitz reagierte darauf flexibel und fand im Juli 2016 für den 38-Jährigen einen geeigneten Einsatz. Der Gederner konnte als Fräser bei einem Metallbauunternehmen anfangen. Normalerweise arbeitet das Metallbauunternehmen im Drei- Schicht-System. Für Hutchinson machten sie eine Ausnahme: Er durfte ausschließlich in der Frühschicht von 6.00 Uhr bis 15.00 Uhr arbeiten. Nach über zwei Jahren im Kurz vor der Rente arbeitslos Kurz vor der Rente wird Bernd Leng ungewollt seine Arbeit verlieren. Der Grund dafür: die Überlassungshöchstdauer von 18 Monaten. Ende September musste der 61-Jährige das Kundenunternehmen des iGZ-Mitglieds GIS Personal verlassen. Über 40 Jahre war Leng bei dem Chemieunternehmen tätig, davon acht Jahre als Zeitarbeitnehmer. Anfang 2010 wurde dem Dormagener aufgrund der schlechten Auftragslage vom Kundenbetrieb gekündigt. Er konnte aber über das iGZ-Mitglied ab August Einsatzunternehmen war dann Schluss damit. Das Metallbauunternehmen musste Hutchinson abmelden. Die Überlassungshöchstdauer von 18 Monaten war abgelaufen und das Unternehmen konnte ihn wegen einer schlechten Auftragslage nicht übernehmen. Auch das iGZ-Mitglied fand aufgrund der speziellen Situation von Hutchinson keinen alternativen Einsatzbetrieb. Urlaub sowie Gleitzeit reichten nicht aus, um die dreimonatige Sperrfrist zu überbrücken. Deswegen musste das Zeitarbeitsunternehmen dem 38-Jährigen kündigen. Nach der Sperrfrist von drei Monaten und einem Tag konnte der alleinerziehende Vater zwar wieder in seinem gewohnten Einsatzbetrieb anfangen – jedoch zu einem geringeren Lohn: Anstelle von 15,66 Euro pro Stunde verdient Hutchinson nur noch 14,24 Euro. 2010 wieder als Zeitarbeitnehmer in dem Chemieunternehmen eingesetzt werden. Dort sollte er auch eigentlich bis zu seiner Rente arbeiten. Doch die Politik setzte dem ein jähes Ende. Nachdem Leng aufgrund der Überlassungshöchstdauer das Kundenunternehmen verlassen musste, besetzte der Kunde die Stelle neu. Dadurch besteht für Leng auch nach der dreimonatigen Sperrfrist nicht mehr die Möglichkeit wieder in das Einsatzunternehmen einzusteigen. Sogar auf eine freie Stelle bei dem Chemieunternehmen hat sich Leng beworben, jedoch eine Absage bekommen. Svanja Broders 20 21

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