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Z direkt 04-2016

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Z direkt! Topthema Topthema Z direkt! Fachkräftenotstand zwingt Kundenunternehmen zum Umdenken Pflegedienst setzt gezielt auf erfahrene Mitarbeiter über 50 „Obwohl ich erst große Bedenken hatte, hat mir der Pflegedienstjob wieder eine echte Perspektive gegeben“, freut sich Ina Ganzer, den Schritt ins Pflegebüro von Oliver Schmidt gewagt zu haben. Seit drei Jahren ist die gelernte Kinderkrankenschwester nun in der Pflegebranche tätig – 16 Jahre lang kümmerte sie sich um Kindererziehung und Haushalt, bevor die 48-Jährige dann zurück ins Berufsleben ging. Für Schmidt sind seine „Ü50“-Mitarbeiter mittlerweile eine tragende Säule im Unternehmen – aus gutem Grund: „Der Pflegebedarf in Deutschland wächst überdurchschnittlich, und der Fachkräftemangel ist längst Realität“, stellt der 44-Jährige fest. Hinzu komme, „dass der Pflegeberuf in erster Linie weiblich ist“. Im Durchschnitt sei eine Mitarbeiterin in dieser Branche dreieinhalb Jahre beschäftigt, dann habe die Familienplanung Priorität. Das erzeuge eine hohe Fluktuation im Pflegeberuf. Leergefegter Arbeitsmarkt Regelmäßig stehe er in Kontakt mit den örtlichen Zeitarbeitsfirmen, „aber die Unternehmen haben mit dem leergefegten Arbeitsmarkt ja dasselbe Problem. Und würde mir ein Zeitarbeitsunternehmen eine gut ausgebildete, verlässliche Fachkraft anbieten, würde ich natürlich alles unternehmen, um sie in meine Firma zu übernehmen“, verdeutlicht Schmidt die inzwischen dramatische Situation. Die Arbeitslosenquote bewege sich in diesem Sektor gegen Null. Branchenübergreifend bestätigt sich diese Tendenz beim Blick ins iGZ-Mittelstandsbarometer: Die Übernahmequote tendiert zu über 35 Prozent. Zum Wiedereinstieg motivieren neu zu motivieren. Durch fachgerechte Schulung werden sie zunächst auf den derzeitigen Pflegestand gebracht und können damit wieder ihrer ursprünglichen Beschäftigung nachgehen.“ Ein Konzept, das greift: Von seinen 16 Mitarbeitern sind inzwischen sechs Angestellte über 50 Jahre alt. „Bislang habe ich nur gute Erfahrungen gemacht. Diese Mitarbeiter verfügen über ein hohes Maß an Routine und sind sehr verlässlich“, findet der Arbeitgeber lobende Worte. Extrem wachsender Betreuungsbedarf Richte man den Blick auf die Pflege-Gesamtsituation in Deutschland, eröffnen sich laut Schmidt erschreckende Dimensionen: „Rund 50 Prozent der Pflege wird durch Angehörige wahrgenommen“, schildert er die Situation. Eine Aufgabe, die Familien oftmals physisch, psychisch und finanziell an die äußerste Belastungsgrenze treibe. „Davon ist vor allem die Generation zwischen 30 und 50 Jahren betroffen. Neben der Pflege haben sie meist auch noch erziehungs- oder ausbildungspflichte Kinder sowie ihren Beruf zu meistern. Sie müssen also die Quadratur des Kreises zwischen Pflege, Erziehung und Beruf leisten“, betont der Fachwirt für Alten- und Krankenpflege. Besonders auch die starke Zunahme an Demenzpatienten bedinge einen extrem wachsenden Betreuungsbedarf. „Das macht Angehörige richtig fertig“, stellt Schmidt nüchtern fest. Sinkende Wertschätzung des Berufsbildes Im Laufe der Jahre habe er zudem eine sinkende Wertschätzung dieses Berufsbildes beobachtet. „Im Wettbewerb der Ausbildungsberufe steht die Pflege unter anderem wegen der Arbeitszeiten hinten an. Das ist heutzutage unattraktiv für viele künftige Auszubildende“, erklärt er die Ursachen. Werde dieser Entwicklung nicht gegengelenkt, „steuern wir deutlicher als bisher auf eine gesellschaftliche Katastrophe zu“, fürchtet Schmidt. Wolfram Linke Anzeige Oliver Schmidt freut sich, dass Ina Ganzer seit nunmehr drei Jahren sein Pflegeteam verstärkt. „Die Arbeitgeber der Pflegedienste haben darauf mit flexiblen und individuellen Arbeitszeitmodellen reagiert, um die Mitarbeiterinnen nach ihrer Elternzeit wieder als Pflegekräfte zu integrieren“, erläutert der Unternehmer, der sein Pflegebüro vor zehn Jahren eröffnete, das aktuelle Procedere. Dennoch, so Schmidt, könne die Pflegebranche den täglichen Bedarf damit nicht auffangen. „Unser Ziel ist es nun, Pflegekräfte, die nach 15 Jahren wieder einsteigen wollen, 22 23

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