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Z direkt 04-2016

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Z direkt! Topthema Anzeige Z direkt! Hildegard Olschewski startete mit 55 Jahren als interne Mitarbeiterin durch Wertschätzung fördert Selbstbewusstsein Ein echtes Dreamteam mit kurioser Geschichte: Hildegard Olschewski (r.) hatte sich eigentlich als Zeitarbeitnehmerin beworben – ihre Chefin Funda Versluijs stellte sie als interne Vertrieblerin ein. „Ganz ehrlich, Sie werden keinen Job mehr finden!“ – Hildegard Olschewski ist noch heute empört, wenn sie daran zurückdenkt, was die Mitarbeiterin beim Arbeitsamt ihr vor einigen Jahren entgegenschleuderte. Für die damals 55-Jährige gab es nur eine logische Reaktion: „Der werde ich es zeigen!“ lassen und unterschrieb den Arbeitsvertrag. Besonders begeisterte sie dann, wie gut mit den externen Mitarbeitern und Bewerbern umgegangen wird. „Hier kommt niemand auf die Idee, jemandem zu sagen, er hätte keine Chance mehr auf einen Job!“, betont sie. Das Gegenteil sei der Fall. In den vergangenen Jahren habe sie miterlebt, wie viele Arbeitsuchende frustriert und deprimiert hereinkamen und mit einem Arbeitsvertrag und neuem Mut hinausgingen. Gerade ältere Bewerber würden oft einfach zu negativ denken. „Da gehört dann halt auch ein bisschen Selbstbewusstsein dazu“, findet Olschewski und rät Bewerbern: „Hey, schauen Sie doch mal, was Sie schon alles gemacht haben.“ Gerade Mütter, die nach längerer Erziehungszeit den Weg zurück ins Berufsleben suchen, steckten häufig voller Zweifel. „Zuhause haben sie Jahre lang alles organisiert, haben sich gleichzeitig um Familie, Haus und Garten gekümmert. Und dann haben sie Angst vor einem Teilzeitjob“, schüttelt sie den Kopf. Teamarbeit Sie selbst habe natürlich auch Schwächen. „Mit Computern habe ich es nicht so. Mit meinem Programm hier komme ich gut zurecht. Aber sobald da irgendetwas schiefläuft, weiß ich auch nicht mehr weiter“, erzählt sie. Aber das sei doch gar nicht weiter schlimm, schließlich arbeite sie in einem Team. „Und da hilft man sich dann einfach gegenseitig.“ Viel Erfahrung Olschewski blickte auf fast 15 Berufsjahre im Vertrieb zurück, ehe sie ihren Job verlor. Aufgrund ihres großen Erfahrungsschatzes machte sie sich eigentlich recht optimistisch auf den Weg zum Arbeitsamt. „Die Reaktion der Mitarbeiterin dort konnte ich dann aber überhaupt nicht nachvollziehen“, schüttelt sie den Kopf. „Man weiß doch, was man kann! Und wenn man was kann, dann gibt es auch immer Arbeit.“ Auf eigene Faust Also begann sie auf eigene Faust, sich nach freien Stellen umzusehen. Das iGZ-Mitglied GESS & Partner GmbH Personalmanagement suchte jemanden für den Vertrieb in einem Hochbauunternehmen. „Das kann ich“, dachte sich Olschewski und reichte ihre Bewerbungsunterlagen ein. Drei Tage später wurde sie zum Bewerbungsgespräch eingeladen. Beschäftigung angeboten Problem: Das Kundenunternehmen lag am anderen Ende der Stadt. „Ein so weiter Fahrweg kam für mich als Teilzeitkraft nicht in Frage“, erzählt Olschewski. Doch die Personaldisponentin ließ angesichts der langjährigen Erfahrung und der offenen Art der Bewerberin nicht locker – und bot ihr alternativ eine Beschäftigung im internen Team des Zeitarbeitsunternehmens an. „Damals war ich erst noch skeptisch. Ich wusste kaum etwas über Zeitarbeit und hatte eher ein negatives Bild vor Augen“, räumt die heute 61-Jährige ein. Doch auf den Versuch wollte sie es ankommen Gleichzeitig ärgert sich Olschewski aber auch darüber, dass älteren Arbeitsuchenden häufig wenig Wertschätzung entgegengebracht wird. „Es gibt immer mal Unternehmen, die skeptisch sind, wenn wir ältere Mitarbeiter vorschlagen.“ Da werde sie dann manchmal wütend und frage, was sich die Unternehmer denn bitteschön vorstellen. „Da soll der Bewerber am besten Anfang 30 sein, 20 Jahre Berufserfahrung mitbringen, gut aussehen – und vor allem bitte nicht schwanger werden“, zeichnet sie ein Negativbeispiel. Die Realität sehe aber nun mal so aus, dass Ältere Vieles mitbringen, was Berufseinsteiger noch nicht haben. „Ältere sind oft gelassener. Sie haben viel Erfahrung und wissen, was wichtig ist und was nicht.“ Maren Letterhaus 20 21

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