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Z direkt! 04-2015

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Z direkt! Gastbeitrag Prof. Dr. Rita Süssmuth Einwanderung und Integration gehören zusammen Es gibt keinen besseren Weg, Menschen in die Gesellschaft zu integrieren als über die Sprache und über Teilhabe am Erwerbsleben. Darum sind wir in der aktuellen Flüchtlingssituation aufgerufen, genau diese Wege zu ebnen und möglichst schnell für möglichst viele Flüchtlinge begehbar zu machen. Ein wesentliches Instrument, das uns dabei helfen kann – und muss – ist die Zeitarbeit. Insofern ist die Lockerung des Beschäftigungsverbotes von Flüchtlingen in der Zeitarbeit nicht mehr als ein erster Schritt. Derzeit stehen wir in Deutschland vor der Herausforderung, die großen Flüchtlingsströme zu bewältigen. Die Maßnahmen, die jetzt entschieden und umgesetzt werden, haben große Auswirkungen auf die zukünftige Entwicklung in unserer Gesellschaft. Die Integrationsfehler der Vergangenheit dürfen nicht wiederholt werden. Das gilt für die Frage der Unterbringung und Vermeidung von Parallelgesellschaften ebenso, wie für die Perspektiven, die wir Menschen bieten. Hierfür ist Arbeit ein ganz entscheidender Faktor, denn sie ist der wesentliche Bestandteil von nachhaltiger Integration. Es gibt kaum eine Branche, die diese Aufgabe so gut und effektiv erfüllen kann, wie die Zeitarbeit. Denn Zeitarbeitsunternehmen sind es gewohnt mit Menschen zu arbeiten, die häufig die Integration in den Arbeitsmarkt nicht aus eigener Kraft organisieren können. Hinzu kommt, dass die Zusammenarbeit mit ausländischen Mitarbeitern für die Zeitarbeitsbranche tägliche Routine ist: 22 Prozent der Mitarbeiter in der Zeitarbeit waren laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit im Jahre 2014 Ausländer. Zum Vergleich: In der Gesamtwirtschaft lag der Anteil bei 8,2 Prozent. Soll die Integration gelingen, müssen die Menschen, die zu uns kommen, nicht nur offen aufgenommen werden. Wir brauchen auch eine gesellschaftliche Offenheit für die Stärken und Kompetenzen, die sie mitbringen. Und wir brauchen eine Bereitschaft zum interkulturellen Austausch. Das heißt, dass wir dort, wo es möglich ist, unsere bürokratischen Standards zurückfahren müssen. Nicht, um den Flüchtlingen schlechtere Standards zuzumuten, sondern um ihnen einen schnellen, effektiven und unbürokratischen Zugang zu Beschäftigung, die dann natürlich zu den gleichen oder vergleichbaren Bedingungen wie für alle anderen stattzufinden hat, ermöglichen zu können. Ulrike Kücker, iGZ-Landesbeauftragte Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, Prof. Dr. Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin a.D., und Werner Stolz, iGZ-Hauptgeschäftsführer, beim iGZ-Landeskongress Ost. 30

Gastbeitrag Z direkt! „Lassen Sie sich nicht durch bürokratische Lösungen unterkriegen“, ermunterte Prof. Dr. Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin a.D., die iGZ-Mitglieder, für die Integration der Flüchtlinge aktiv zu werden. Der Schlüssel für eine gelungene Integration in den Arbeitsmarkt ist und bleibt die Sprache. Wir müssen daher Modelle entwickeln, erproben, optimieren und letztendlich auch umsetzen, die Sprachkompetenzen vermitteln und gleichzeitig ihre Anwendung ermöglichen. Keinem Flüchtling ist geholfen, wenn er zunächst Sprachkurse absolviert und erst sehr viel später Ausbildung und Erwerbsarbeit aufnehmen kann. Stattdessen brauchen wir Modelle, die Sprachund Arbeitskompetenz zusammen denken. So wäre es möglich für die Phase, in der die Sprachkenntnisse noch nicht so gut sind, einen halbtägigen Sprachkurs anzubieten und mit einer Art halbtägigen Vorausbildung zu kombinieren. So können die Menschen nicht nur ihre frisch erworbenen Sprachkenntnisse direkt anwenden und vertiefen, sondern sie erhalten auch eine Perspektive und können mit konkreten Erfolgserlebnissen aufwarten. Denn laut Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung kommen sehr viele junge Menschen zu uns, die überwiegend über keine abgeschlossene oder vergleichbare Berufsausbildung verfügen. Sie haben oft kaum Kenntnisse über das deutsche Berufsbildungssystem, die Ausbildungsberufe und jeweiligen Anforderungen und Tätigkeiten. Die Kompetenzfeststellung gewinnt in diesem Bereich zunehmend an Bedeutung, denn wenn sich die Abschlüsse schon nicht miteinander vergleichen lassen, dann ist es umso wichtiger sich den Menschen genau anzusehen und seine vorhandenen Kompetenzen zu erfassen und diese zielgenau in den Arbeitsmarkt zu bringen. Auch das kann kaum einer so gut, wie die Zeitarbeit. Es war daher richtig, dass die Politik das bislang geltende Verbot einer Beschäftigung als Zeitarbeitnehmer für Drittstaatsangehörige angepackt hat. Leider ist die Bundesregierung jedoch auf halbem Wege stehengeblieben. Die nun vorgesehene Regelung, Flüchtlinge in Zeitarbeit erst nach 15 statt wie in allen anderen Branchen über eine Vorrangprüfung schon nach drei Monaten zu beschäftigen, ist für mich inakzeptabel. Wir sollten jetzt zumindest zu der ursprünglich vorgesehenen Drei-Monatsregelung zurückkommen. Ebenso sollte die Vorrangprüfung insgesamt in den Blick genommen werden. Der Ansatz, der von der Bundesagentur für Arbeit in die Diskussion gebracht wurde, diese für einige Zeit auszusetzen, war richtig und hätte umgesetzt werden sollen. Es ist ein Fehler gewesen, diesen Vorschlag nicht weiter zu verfolgen. 31

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