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Z direkt! 04-2015

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Z direkt! Unterwegs iGZ-Landeskongress Süd in Ulm „Gralshüter der Zeitarbeit“ „Wir sind froh, dass es Arbeitgeberverbände wie den iGZ gibt“, stellte RA Dieter Stang, IG Metall Stuttgart, zu Beginn seines Vortrages beim iGZ-Landeskongress Süd in Ulm klar. Allerdings bedeute Sozialpartnerschaft nicht „Identität der Interessen“. Daher wünschte er sich von den rund 250 Teilnehmern einen offenen Dialog. Stang forderte, die Zeitarbeit auf ihre „Kernfunktion“ zurückzuführen. Das sei lediglich die Sicherstellung der Flexibilität der Unternehmen bei vorübergehend erhöhtem Arbeitskräftebedarf. „Damit sind wir als IG Metall auch einverstanden“, räumte Stang ein. Er lehne aber ab, dass Zeitarbeitskräfte auf Dauerarbeitsplätzen eingesetzt werden, wie es in der Automobilindustrie häufig Realität sei. RA Dieter Stang, Gerhard Hohmann, Ariane Durian und RA Dirk Pollert (v.l.) diskutierten beim iGZ-Landeskongress Süd in Ulm. In einer lebhaften Podiumsdiskussion, moderiert von Wirtschaftsjournalist Gerhard Hohmann, griffen RA Dirk Pollert, stellvertretender Hauptgeschäftsführer bayme vbm und vbw, Ariane Durian, iGZ-Bundesvorsitzende, und RA Dieter Stang, IG Metall, unter anderem diesen Standpunkt noch einmal auf. „Viele Zeitarbeitnehmer verdienen sehr gut. Sie gehören nicht zu jenen, die unterbezahlt sind und nicht von ihrem Gehalt leben können, im Gegenteil“, konterte Durian und nannte Gründe: „Wir haben einen gravierenden Fachkräftemangel. Die Mitarbeiter sind freiwillig bei uns, denn sie können sich ihre Arbeitgeber wegen der Situation am Arbeitsmarkt aussuchen.“ Laut iGZ-Mittelstandsbarometer blicke die Branche inzwischen auf Übernahmequoten von 30 bis 40 Prozent. „Die Kunden rekrutieren auch wegen des Fachkräftemangels ihre Mitarbeiter großteils über die Zeitarbeitsbranche“, erinnerte sie an die Statistik. Es wäre schlecht, wenn jetzt noch weiter reguliert würde, „und es gibt auch keinen Grund, dass die Politik jetzt noch eingreift.“ Pollert betonte in diesem Zusammenhang, die Situation sei zurzeit austariert. Die gemeinsame Arbeit zwischen Zeitarbeitsunternehmen und Kundenfirmen habe sich eingespielt. „Wir haben aktuell ganz andere Herausforderungen, denn wir stehen vor der Digitalisierung der Industrie“, nannte Pollert die derzeitige Zielsetzung. Mit Verweis auf die Tarifverträge und Zuschlagsvereinbarungen unterstrich er: „Wir sind an einem Punkt, an dem es attraktiv ist, als Zeitarbeitnehmer in der Metallindustrie eingesetzt zu werden.“ Er warnte vor weiteren Regulierungen durch den Gesetzgeber. Pollert: „Andere Länder haben uns beneidet, wie wir durch die Wirtschaftskrise gekommen sind. Das ging nur mit Hilfe der Branche, und deshalb stehe ich hier als Gralshüter der Zeitarbeit.“ Stang reagierte, bei den Tarifverhandlungen mit der Zeitarbeitsbranche seien die Gewerkschaften nicht auf Augenhöhe, und deshalb müsse die Abweichung von Equal Pay eben gesetzlich definiert werden. „Als Flexibilisierungsinstrument ist Zeitarbeit weiterhin unverzichtbar. Es wäre schade, wenn das durch weitere Regulierungen verloren ginge“, beharrte Pollert. Die iGZ-Bundesvorsitzende unterstrich ergänzend, die Branche habe sich zudem deutlich weiterentwickelt. „Die Zeitarbeit bietet heute deutlich mehr Dienstleistungen an und tritt auch als Problemlöser auf.“ Maren Letterhaus 26

Unterwegs Z direkt! iGZ-Landeskongress Ost in Dresden Flüchtlingszustrom diskutiert „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, erinnerte Sven Kramer, stellvertretender iGZ-Bundesvorsitzender, in seinem Grußwort beim iGZ-Landeskongress Ost an die Verpflichtung aller, sich bei der Bewältigung des Flüchtlingsstroms zu beteiligen. Wichtig sei dabei aber nicht nur, dass die Flüchtlinge ein Dach über dem Kopf haben. Langfristig brauchen sie laut Kramer auch eine Perspektive und einen geregelten Tagesablauf. „Und hier kommen wir Zeitarbeitsunternehmer ins Spiel“, stellte er klar. Wie kaum eine andere Branche sei die Zeitarbeit in der Lage, Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Um alle rechtlichen wie sozialen Besonderheiten beachten zu können, erarbeite der iGZ derzeit ein umfassendes Schulungsprogramm. „Auch beim Thema Flüchtlinge können Sie sich beim iGZ auf einen starken Partner verlassen“, wandte er sich an die Mitglieder. Flüchtlinge in Zeitarbeit RA Stefan Sudmann, Leiter des iGZ-Referats Arbeitsund Tarifrecht, erklärte, unter welchen Voraussetzungen Drittstaatsangehörige in der Zeitarbeit beschäftigt werden dürfen. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) veröffentlicht regelmäßig eine Positivliste mit Berufen, für die es in Deutschland zu wenige Fachkräfte gibt. In diesen Berufen dürfen Flüchtlinge bereits nach drei Monaten tätig werden. „Allerdings“, schränkte Sudmann ein, „muss der Arbeitnehmer seine Qualifikation für diesen Mangelberuf nachweisen können. Und das ist für jemanden, der gerade aus Syrien geflohen ist, natürlich schwierig.“ In allen anderen Berufen – mit Ausnahme des Bauhauptgewerbes – dürfen Asylbewerber nach 15 Monaten tätig werden. lokale Netzwerke und den örtlichen Arbeitgeberservice der BA. Ausländische Fachkräfte gefragt Der deutsche Arbeitsmarkt wird immer mehr ausländische Fachkräfte brauchen, fasste Oliver Nazareth, iGZ-Landesbeauftragter Schleswig-Holstein, Berlin und Brandenburg, die Situation zusammen. „Scheuen Sie sich nicht davor, den iGZ anzusprechen, wenn Sie dabei Unterstützung brauchen“, betonte Nazareth. Auch wenn sich der iGZ-Landeskongress Ost schwerpunktmäßig mit der Flüchtlingsproblematik beschäftigt habe, gebe es natürlich noch viele weitere wichtige Themen beim iGZ. „Ich denke unter anderem an die Regulierungspläne, Stichworte Equal Pay und Höchstüberlassungsdauer. Auch da sind wir dran“, stellte er klar. Maren Letterhaus 550.000 potentielle Arbeitskräfte Theoretisch stehen der Branche laut Sudmann seit Wegfall des Zeitarbeitsverbots rund 550.000 potentielle Arbeitskräfte zur Verfügung, die bereits seit einiger Zeit in Deutschland sind. „Theoretisch, weil nicht alle die physischen Voraussetzungen erfüllen beziehungsweise über genügend Deutschkenntnisse verfügen“, verdeutlichte der iGZ-Jurist. Um Arbeitnehmer zu erreichen, empfahl er den Kontakt über „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, erinnerte Sven Kramer, stellvertretender iGZ-Bundesvorsitzender. 27

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