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Z direkt! 03-2020

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46 BILDUNG

46 BILDUNG Ausbildungsstart in bewegten Zeiten Geschätzt eine halbe Million junge Menschen beginnen in diesem Jahr – mitten in der Coronakrise – ihre Ausbildung. Nach den neuesten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit suchten zu Anfang September aber auch noch fast 100.000 Personen einen Ausbildungsplatz, mehr als 150.000 gemeldete Ausbildungsplätze waren unbesetzt. Pro Jahr starten rund 1.000 junge Menschen ihre Ausbildung zum Personaldienstleistungskaufmann (PDK). Zdirekt! hat zum Ausbildungsbeginn PDK-Azubis und Lehrer von bundesweit 32 Berufsschulen zum Thema Unterricht in Zeiten von Corona befragt. Das Ergebnis: ein gemischtes Zeugnis. Laura Köhnlein, PDK-Auszubildende bei der Firma OFFICE Personal Bayreuth im dritten Lehrjahr, blickt gelassen auf den Beginn des neuen Ausbildungsjahres: „Ich gehe davon aus, dass der Berufsschulunterricht ab September vor Ort stattfinden wird“, sagt die 24-Jährige. „Falls nicht, machen wir eben wieder Online-Unterricht.“ Aktuell besitzen alle Schüler ihrer Klasse einen Tablet- PC. Wegen der coronabedingten Schulschließung vor den Sommerferien fand der Unterricht in diesem Jahr schon einmal überwiegend im „virtuellen Klassenzimmer“ statt. Arbeitsaufgaben wurden im Selbststudium gelöst. Und genau das könnte in den kommenden Wochen wieder anstehen. Szenenwechsel: Rund 540 Kilometer nördlich von Bayreuth ist Elisa Wuest bei der Firma iperdi AHR GmbH in Wismar in Mecklenburg-Vorpommern als eine der ersten PDK-Auszubildenden bundesweit ins Ausbildungsjahr 2020 gestartet. „Ich habe schon viele Leute kennengelernt, und finde alles sehr aufregend“, erzählt die 19-Jährige begeistert von den ersten Arbeitstagen in ihrem Ausbildungsbetrieb. Während der Schulzeit hatte sie mehrere Praktika absolviert. Dabei war ihr schnell klargeworden, dass sie auch künftig Menschen auf dem Weg ins Arbeitsleben unterstützen möchte. Ganz ähnlich geht es Aylin Denizci (20) und Jan Strickrodt (23). Beide sind mit ihrer PDK-Ausbildung bei der Firma pro tec in den Niederlassungen Nordhorn und Rheine im 3. Lehrjahr. Und wissen vor allem die Abwechslung und den Kontakt zu Menschen zu schätzen. Jan Strickrodt | pro tec | Nordhorn

Z direkt! 03/2020 BILDUNG 47 SPÄTERER AUSBILDUNGSSTART MÖGLICH Trotz der Coronakrise blickt die deutsche Wirtschaft weitgehend zuversichtlich in das neue Ausbildungsjahr. So betonte beispielsweise der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages Martin Wansleben: „Die Berufsschulen haben angekündigt, in diesem Jahr besonders flexibel zu sein.“ Und Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, pflichtete bei: „Kein Jugendlicher muss aufgrund von Corona den Anschluss an seine berufliche Zukunft verpassen.“ In einem Ausnahmejahr wie diesem könnten Jugendliche mit der Lehre „auch im September oder sogar im Oktober oder November“ starten. Elisa Wuest | iperdi AHR | Wismar LEICHTER RÜCKGANG Darauf hofft auch André Mankowski, Bildungsgangreferent am Konrad-Klepping-Berufskolleg in Dortmund. „Wir hatten in diesem Jahr einen spürbaren Rückgang bei den PDK-Azubis“, berichtet er. Aktuell befänden sich 21 Schüler in der PDK-Unterstufe. Es bestehe aber nach wie vor die Option, eine weitere zu eröffnen. „Das wäre auch im 2. Halbjahr noch möglich“, räumt er ein. Bereits vor der Coronapandemie hatten Bäckereien, Logistikunternehmen und Autowerkstätten Schwierigkeiten, Ausbildungsstellen zu besetzen. Ein leichter Rückgang zeichnet sich ebenfalls in der Zeitarbeitsbranche ab: 2018 absolvierten 2.119 Auszubildende die Lehre zu Personaldienstleistungskaufleuten – 2019 waren es noch 1.989 PDK-Azubis. Allerdings zeigte sich die Zahl der Neuaufnahmen mit 856 Ausbildungsanfängern 2019 noch stabil. EINIGE UNWÄGBARKEITEN Dass die PDK-Ausbildung in Zeiten von Corona die Lehrer vor einige Unwägbarkeiten stellt, bestätigt auch Jennifer Breuer von der Eberhard-Gothein-Schule im badenwürttembergischen Mannheim. „Bei uns ist regulärer Unterricht geplant“, erläutert sie. Sollte jedoch aufgrund des allgemeinen Infektionsgeschehens das Lernen auf Distanz erforderlich werden, gäbe es Videounterricht über Softwareprogramme wie zum Beispiel „bigbluebutton“ oder Lernplattformen wie „moodle“. Hier würden dann Lernpakete und Erklär-Videos bereitgestellt sowie Listen, mit denen die Schüler und Lehrer den Lernfortschritt kontrollieren können. AUSBILDUNGSPLÄTZE ERHALTEN Doch nicht allein der Berufsschulunterricht, sondern auch der Erhalt der Ausbildungsplätze beschäftigt den PDK- Nachwuchs derzeit, weiß Susanne Schmid von der Städtischen Berufsschule für Versicherungs- und Personalwesen in München. „Das Thema brennt den Schülern teilweise so sehr unter den Nägeln, dass sie sich nur schwer auf den Unterricht konzentrieren können“, weiß die erfahrene Pädagogin. Daher sollten die Betriebe ihrer Meinung nach alles daran setzen, bestehende Ausbildungsplätze bis zum Ende der Ausbildung zu erhalten. Genau diese Zielsetzung unterstützt das neue Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“: Demnach bekommen kleine und mittlere Unternehmen, die vom Umsatzrückgang in der Coronakrise betroffen sind, eine Prämie in Höhe von 2.000 bis 3.000 Euro, wenn sie das Ausbildungsplatzniveau beibehalten oder sogar erhöhen. Auch die Vermeidung von Kurzarbeit und die Übernahme von Auszubildenden von insolventen Betrieben werden gefördert. DIGITALE KOMPETENZEN Viele PDK-Lehrende betonen im Gespräch, dass „Corona“ sie zurzeit ständig auf Trab hält. Die zwischenzeitliche Maskenpflicht im Unterricht sei nur eine von zahlreichen Herausforderungen. Hinzu komme die regelmäßige Organisation von Telefon- und Videokonferenzen mit Schülern zwecks Leistungskontrolle. „Da wird es manchmal schwierig, neuere Themen, wie zum Beispiel Corporate Social Responsibility, im ohnehin recht gut gefüllten Lehrplan der PDK-Azubis unterzubringen“, erläutert André Mankowski. „Aber wir sind da dran“, ergänzt der engagierte Berufsschullehrer. Anlassbezogen werde die Übernahme unternehmerischer Verantwortung, zum Beispiel durch soziales Engagement, schon jetzt im Zusammenhang mit Zertifizierungen diskutiert. Und dass die Stärkung digitaler Kompetenzen der Schüler ganz aktuell einen deutlichen Schub nach vorn erhalte, verstehe sich von selbst. BR WEITERE INFOS www.pdk-ausbildung.de

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