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Z direkt! 03-2020

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10 TITELTHEMA Interview

10 TITELTHEMA Interview Nachhaltiges Wirtschaften macht uns zukunftssicher und krisenfest Das Thema Nachhaltigkeit verbinden viele schnell mit Kleidung und der Textilindustrie. Der Grat zwischen billig und fair ist in der hart umkämpften Branche schmal. Das mittelständische Familienunternehmen VAUDE entwickelt und produziert nachhaltige Outdoor-Sportartikel. Dafür wurde VAUDE unter anderem mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet und erreichte beim bundesweiten Ranking der Nachhaltigkeitsberichte im vergangenen Jahr den 1. Platz in der Kategorie „kleine und mittlere Unternehmen“. Sein Wissen gibt der Outdoor-Ausrüster seit kurzem in einer eigens gegründeten Academy für nachhaltiges Wirtschaften weiter. Zdirekt! hat mit Leiterin Lisa Fiedler über CSR, Lieferanten-Schulungen und die Geiz-ist-geil- Mentalität der Deutschen gesprochen. Lisa Fiedler

Z direkt! 03/2020 TITELTHEMA 11 Nachhaltig Wirtschaften – wie funktioniert das? Unser Verständnis ist, dass das Thema Nachhaltigkeit, Umweltfreundlichkeit, fairer Umgang mit Menschen in allen Prozessen eines Unternehmens berücksichtigt wird – gleichwertig zu finanziellen und wirtschaftlichen Aspekten, also eine gelebte unternehmerische Verantwortung. Das Unternehmen sagt, ich übernehme für alles, was ich tue – bei mir am Firmensitz, aber eben auch in den globalen Lieferketten – Verantwortung und lasse nicht unbeteiligte Menschen oder die Umwelt meine Rechnung bezahlen. Ich stehe selbst als Unternehmen dafür gerade. Und dafür bedarf es einer eigenen Akademie? Wir haben uns bei VAUDE schon vor über zehn Jahren mit dem unternehmerischen Verständnis auf den Weg gemacht, ganzheitlich und systematisch nachhaltig zu wirtschaften. Mit der Zuspitzung der globalen Herausforderungen in den vergangenen Jahren – ganz präsent die Klimakrise – haben wir den Eindruck gehabt, uns als Menschheit läuft da die Zeit davon. Es braucht viele Unternehmen, die sich da auf den Weg machen. Wir haben schon viele Erfahrungen gesammelt und können Erfolgsfaktoren ableiten, wissen was funktioniert und was weniger. Da haben wir einiges gelernt und wollen jetzt andere Unternehmen auf ihrem Weg unterstützen. Das ist der eine Schwerpunkt der Academy – eine Begleitung und Beratung von Unternehmen, die sich ernsthaft auf den Weg machen wollen, ihr Geschäftsmodell nachhaltig zu transformieren. Der andere Schwerpunkt liegt auf Schulen und Hochschulen, die sich für das Thema Nachhaltigkeit interessieren. Da gibt es tolle Unterrichtsmaterialien für die Theorie, aber oft fehlt die Praxis- Perspektive. Und die möchten wir hier bieten. Was funktioniert denn gut und was weniger? Wichtig ist eine klare Zielsetzung und strategische Ausrichtung, weil Nachhaltigkeit unheimlich komplex ist. Sie erfordert von allen Mitmachenden ständig neue, kreative Lösungen: in der Textilindustrie beispielsweise neue umweltfreundliche Materialalternativen zu finden, um rauszukommen aus der Produktion mit giftigen Chemikalien. Und dafür ist eine detaillierte strategische Ausrichtung immens wichtig, denn der Weg ist von viel Unsicherheit geprägt und es gibt auch mal Sackgassen. Dann muss man wieder neu denken, an den Anfang zurückgehen. Außerdem braucht man einen systematischen Ansatz: Wir arbeiten mit Nachhaltigkeits-Management-Systemen wie EMAS [Anmerkung der Redaktion: Das Eco-Management and Audit Scheme (EMAS) ist auch bekannt als EU-Öko-Audit. Es wurde von der Europäischen Union entwickelt und ist ein Gemeinschaftssystem aus Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung für Organisationen, die ihre Umweltleistung verbessern wollen.] oder den nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen. Dadurch haben wir einen guten Leitfaden, an dem wir uns und unser Tun spiegeln und sehen, wo wir stehen und wo wir handeln müssen. Die Zertifizierung hinten raus ist sozusagen das Abfallprodukt, die Musik spielt davor. Durch das nachhaltige Auftreten sammelt VAUDE viele Image-Punkte, oder? Ja, wir spüren heute, dass es immer mehr Menschen gibt, die mit gutem Gewissen und einem hohen Bewusstsein konsumieren möchten. Das war, als wir angefangen haben, noch deutlich anders. Unsere Kunden schätzen, dass unsere Produkte anders sind und das Alleinstellungsmerkmal Nachhaltigkeit haben. Womit Sie aber nicht bei Kunden mit Geiz-ist-geil- Mentalität landen können… Ja, die gibt’s natürlich auch noch. Und auch die Kombination aus beiden: Kunden, die auf der einen Seite ein hohes Bewusstsein für Nachhaltigkeit haben und mit gutem Gewissen einkaufen wollen, auf der anderen Seite ist aber der Preis immer noch das Entscheidungskriterium für oder gegen einen Kauf. Durch unser Engagement, durch die Verwendung umweltfreundlicher Materialien, dadurch, dass wir uns ganz intensiv um das Thema Arbeitsstandards in der Lieferkette kümmern, durch die ganzen Schulungen, die wir mit Lieferanten machen, haben wir 10 bis 15 Prozent höhere Kosten. Die können wir aber nicht an den Kunden weitergeben, denn der ist nicht bereit, in dem Maße mehr zu zahlen.

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