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Z direkt 03-2018

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Z direkt! Titelthema Titelthema Z direkt! Interview mit Torsten Kiehn, Berufsschullehrer BBS Neustadt am Rübenberge Kiehn: „Das ‚Baby PDK‘ ist erwachsen geworden“ Er ist ein Mann der ersten Stunde: Seit zehn Jahren unterrichtet Torsten Kiehn die angehenden Personaldienstleistungskaufleute (PDK) an der berufsbildenden Schule in Neustadt am Rübenberge. Als Fachkonferenzleiter und Fachlehrer für den Beruf „Personaldienstleistungskaufmann/- kauffrau“ und fachlicher Lektor für den Abschluss an den Industrie- und Handelskammern (IHK) bundesweit engagiert sich der 55-Jährige seit Bestehen des Angebots intensiv für diesen Ausbildungsweg. Zum zehnjährigen PDK-Bestehen sprach Z direkt!-Redakteur Wolfram Linke mit Torsten Kiehn über bislang Erreichtes und Wünschenswertes für die Zukunft der PDK-Ausbildung. Z direkt!: Wie haben Sie sich 2008 zum Start der PDK-Ausbildung auf den Unterricht vorbereitet? Kiehn: Alle unterrichtenden Kolleginnen und Kollegen konnten zum Glück auf mehrjährige Erfahrungen in der kaufmännischen Praxis zurückgreifen und haben ein Studium mit betriebswirtschaftlichem Schwerpunkt absolviert. Ich selbst hatte, bevor ich mein zweites Staatsexamen für das Lehramt ablegte, zehn Jahre in einer Bank Personalerfahrung gesammelt und auch Personalwirtschaft bzw. Arbeitsrecht im Studium vertieft. Die spezifischen Kenntnisse zur Zeitarbeit mussten natürlich über die Literatur vertieft werden. Auch der Besuch von iGZ-Seminaren war sehr hilfreich – nicht nur zum Erwerb des Fachwissens, sondern auch um ein Netzwerk zu Praktikern aufzubauen. Zahlreiche Betriebspraktika in den Ferien gaben die Sicherheit, die für einen guten Unterricht erforderlich waren. An diese spannende Zeit erinnere ich mich gern zurück. Z direkt!: Welche Möglichkeiten nutzten die Pädagogen, um sich über die Zeitarbeitsbranche zu informieren? Kiehn: Neben offiziellen und informellen Betriebspraktika und den iGZ-Seminaren bekamen wir sowohl von den ersten Ausbildungsbetrieben als auch von den iGZ-Juristen aus Münster alle anstehenden Fachfragen mit einem hohen Maß an Verständnis für unsere Situation beantwortet. Ohne diese Unterstützung wäre der Beruf bei weitem nicht so erfolgreich etabliert worden. Wichtig war es auch, erworbene Kompetenzen unter der Lehrerschaft zu multiplizieren, damit nicht jede Lehrkraft „das Rad neu erfinden“ musste. Dazu organisierte ich in den ersten Jahren mit großer Unterstützung unserer Schulleitung aber auch dem Lehrerfortbildungsinstitut des Landes Niedersachsen regelmäßig zweitägige Workshops für PDK-Lehrkräfte aus den norddeutschen Bundesländern, in denen Infos zusammengetragen und Unterrichtsmaterialien erstellt wurden. Die Herausforderung war hauptsächlich, wie wir die erworbenen Fachkenntnisse vermitteln können, also einen interessanten Unterricht gestalten. Dabei war jeweils die Frage zu stellen, welche Lerninhalte nach den Richtlinien vermittelt werden müssen und welche davon besonders praxis- und prüfungsrelevant sind. Z direkt!: Ursprünglich war die Materiallage eher dünn – entspricht das Informationsmaterial für den Unterricht mittlerweile den üblichen Standards? Kiehn: Mit dem erfolgreich eingeführten Lehrbuch kann nur ein Teil der Lerninhalte abgedeckt werden. Das soll keine Kritik an den Lehrbüchern sein, denn ein Lehrbuch ist immer durch aktuelle Materialien zu ergänzen. Mithilfe von Lernsituationen wird das Material dann klassenindividuell aufbereitet. Insgesamt sind wir mit der Materiallage zufrieden. Z direkt!: Sollte die Zusammenarbeit der Lehrerschaften der Berufsschulen mit den Zeitarbeitgeberverbänden mit Blick auf die PDK-Ausbildung weiter intensiviert werden? Kiehn: Die von Beginn an äußerst angenehme und intensive Zusammenarbeit bewegt sich auf einem sehr hohen Niveau. Wenn ich an die Unterstützung der Klassen zum Beispiel bei Besuchen von Verbandstagungen und Fachmessen denke, kann ich nur sagen, die Unterstützung ist vorbildlich. Z direkt!: Als Fachkonferenzleiter PDK an der Berufsschule in Neustadt am Rübenberge blicken Sie auf einen umfangreichen Erfahrungsschatz – gab´s denn auch Probleme mit der Einführung der PDK-Ausbildung? Kiehn: Von Anfang an hat mir persönlich die Aufgabe, diesen Beruf an der BBS Neustadt einzuführen, großen Spaß gemacht – Probleme im engeren Sinne habe ich nicht gesehen. Herausforderungen gab es zunächst im Zusammenhang mit Vorurteilen außerhalb der Schule gegenüber dem Beruf der „Leiharbeit“. Hier galt es auch, mit vielen kleinen Maßnahmen bei potenziellen Bewerbern und Betrieben außerhalb der Zeitarbeitsbranche Überzeugungsarbeit zu leisten. Eine weitere Aufgabe bestand darin, einigen Ausbildungsbetrieben zu vermitteln, dass es nicht um die Ausbildung von Personaldisponenten geht, sondern der PDK ein fachlich besonders anspruchsvoller Ausbildungsberuf ist, der inhaltlich nicht nur alle Personaldienstleistungen umfasst, sondern zum Beispiel auch die Themen Projektmanagement, kaufmännische Informations- und Steuerungsinstrumente und grundsätzliche rechtliche Rahmenbedingungen. Auch allgemeine Unterrichtsfächer gehören zum Schulstoff. Bei der Kritik einzelner Ausbilder im Sinne von „Unsere Azubis brauchen die Fächer Englisch oder Deutsch/ Kommunikation als Disponenten nicht“ konnte ich mich auf die argumentative Unterstützung unserer Schulleitung und anderer Ausbilder immer verlassen. Abgesehen davon gibt es konkrete Richtlinien, in denen verbindlich festgelegt worden ist, welche Fächer und welche Lernfelder in welchem Umfang zu unterrichten sind. Um einen einheitlichen Qualitätsstandard zu sichern, ist diese Reglementierung auch sinnvoll. Z direkt!: Das schulische Angebot weist auf der Deutschlandkarte ja noch einige Lücken für PDK-Azubis auf. Mancherorts müssen weite Anfahrtswege in Kauf genommen werden. Bleibt das ein dauerhafter Zustand, Stichwort Angebot und Nachfrage? Torsten Kiehn Alter: 55 Jahre Beruflicher Werdegang: Banklehre, Studium der Wirtschaftswissenschaften, Prädikatsexamen, studienbegleitende Tätigkeit in einer Bank, insgesamt zehn Jahre Bankpraxiserfahrung, Referendariat für das Lehramt, Berufsschullehrer für Bankkaufleute, seit 2006 an der BBS Neustadt am Rübenberge als Lehrer in kaufmännischen Berufen, im Wirtschaftsgymnasium und der Fachoberschule Berufsschule: BBS Neustadt am Rübenberge (Niedersachsen), 3.900 Schüler und 180 Lehrer Funktion: Bildungsgangsgruppenleiter und Fachlehrer für den Beruf „Personaldienstleistungskaufmann/ -kauffrau“, fachliches Lektorat für den Abschluss an der IHK bundesweit Kiehn: Nach jahrelangem Unterricht unter anderem in Klassen für angehende Bankkaufleute möchte ich behaupten, der PDK ist mit der speziellste und anspruchsvollste kaufmännische Ausbildungsberuf. Um das hohe Qualitätsniveau zu halten, muss die eingesetzte Lehrkraft viel Energie in die Umsetzung stecken. Wenn an einem Berufsschulstandort nur eine kleine Klasse pro Jahrgang beschult wird und die Lehrkräfte zusätzlich in anderen Wirtschaftsklassen unterrichten, können die Anforderungen unter Berücksichtigung der vielen auch rechtlichen Veränderungen in der Branche von Lehrkräften zeitlich kaum geleistet werden. Deshalb glaube ich nicht, dass es sinnvoll ist, den Beruf an zusätzlichen Standorten anzubieten, sondern ihn in den vorhandenen Kompetenzzentren zu belassen. In der BBS Neustadt hätten wir jedoch noch Kapazitäten frei, um zum Beispiel Blockunterricht für Auszubildende anzubieten, die keine Berufsschule in geografischer Nähe haben – eine Idee, über dessen Umsetzung nicht in unserer Schule zu entscheiden ist. 14 15

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