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Z direkt! 03-2017

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Z direkt! Titelthema Titelthema Z direkt! iGZ-Interview mit Serap Güler, NRW-Staatssekretärin für Integration Zeitarbeit baut Vorbehalte ab Flüchtlinge sind noch immer ein großes Thema in Deutschland. Für Serap Güler, NRW-Staatssekretärin für Integration, ist Zeitarbeit der erste Schritt zur Integration von Flüchtlingen in die deutsche Gesellschaft. iGZ-Hauptgeschäftsführer Werner Stolz und iGZ-Volontärin Svanja Broders sprachen mit der Staatssekretärin darüber, wie die Integration von Flüchtlingen noch weiter verbessert werden kann. Z direkt!: Jeder fünfte Flüchtling, der arbeitet, hat diesen Job in der Zeitarbeitsbranche gefunden. Hat sich die Integrationsleistung der Zeitarbeit bewährt? Güler: Ja, das hat sie. Nur sollte die Zeitarbeit keine Beschäftigung auf Zeit bleiben, sie sollte als Brücke fungieren. Für Geflüchtete mit dauerhaftem Aufenthaltstitel darf sie nur eine Übergangsphase für eine längerfristige Beschäftigung sein. Bei Personen, deren Aufenthaltstitel noch nicht geklärt ist oder die zurückgeführt werden sollen, ist die Zeitarbeit ein guter Einstieg oder eine gute Übergangslösung. Damit können sich die Geflüchteten finanziell auf ihr zukünftiges Leben in ihrer Heimat vorbereiten. Aber auch Unternehmen, die auf Zeitarbeiter zurückgreifen, verlieren dadurch nichts. Z direkt!: Warum funktioniert das gerade mit der Zeitarbeitsbranche gut? Güler: Es gibt kleine mittelständische Unternehmen, die gegenüber Flüchtlingen Vorbehalte haben. Diese Vorbehalte sind besonders bei Zeitarbeitsunternehmen geringer, da sie Geflüchtete flexibler beschäftigen können und dadurch das Risiko von Verlusten geringer ist. Zeitarbeit bedeutet einen diskriminierungsfreien Zugang zu Arbeit. Vor allem aber ist auch der Betreuungsbedarf von Flüchtlingen viel intensiver. Zeitarbeitsunternehmen können diesen Ansprüchen eher gerecht werden als kleinere mittelständische Unternehmen anderer Branchen. Z direkt!: Die Vorrangprüfung für die Beschäftigung von Flüchtlingen in Zeitarbeit wurde zunächst nur für drei Jahre ausgesetzt. Werden Sie sich dafür einsetzen, dass die Vorrangprüfung dauerhaft ausgesetzt wird? Güler: Eine grundsätzliche Abschaffung der Vorrangprüfung macht in meinen Augen keinen Sinn. Man muss hier vor allem an die Wiedereingliederung der Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt denken. Da ist es wichtig, dass sie auch weiterhin bevorzugt behandelt werden. Aber auch das gesellschaftliche Klima muss berücksichtigt werden. Die Vorrangprüfung hilft dabei, allen Interessengruppen gerecht zu werden. Z direkt!: Viele Berufsabschlüsse von Flüchtlingen werden in Deutschland nicht anerkannt. Was werden Sie dagegen tun? Güler: Unsere Gesetze zum Anerkennen von ausländischen Berufen sind nicht unbedingt optimal, vor allem in Hinblick auf die Liste der Mangelberufe in Deutschland. Die verschiedenen Kammern sind allerdings kaum daran interessiert, dass die Gesetze dahingehend verändert werden. Sie befürchten dadurch einen starken Qualitätsverlust der deutschen Aus- bildungsberufe. Momentan wird jedoch geprüft, ob die Kostenlage für die Anerkennung von Schulzeugnissen sowie Ausbildungszeugnisse von Flüchtlingen verringert werden kann. Flüchtlinge werden meistens dadurch abgeschreckt, dass die Anerkennung ihrer Zeugnisse bis zu 1.000 Euro kosten soll und sie nicht wissen, ob das Verfahren mit einem positiven Bescheid abgeschlossen wird. Außerdem gibt es durch die 16 verschiedenen Bundesländer auch 16 verschiedene Verfahren für die Anerkennung der Zeugnisse, das ist auch nicht optimal. Z direkt!: Dieses Jahr sind Bundestagswahlen. Was würden Sie als Staatssekretärin für Integration den Wählern zum Thema Flüchtlingspolitik sagen? Was haben Sie bisher getan um die Vorurteile gegen Flüchtlinge abzubauen? Güler: Wir möchten eine Integrationsoffensive 2030 starten. Integration muss auf vier Säulen aufbauen: Spracherwerb, Bildung, Arbeit und Wertevermittlung. Dadurch sollen die Vorbehalte auf beiden Seiten abgebaut werden. Bei Flüchtlingen aber auch bei der Bevölkerung, bei Vermietern und potentiellen Arbeitgebern. Wir wollen eine Vorbilderkampagne starten. Das soll den Flüchtlingen Mut machen. Dabei werden wir uns aber nicht auf immigrierte Fußballer oder Moderatoren konzentrieren. Wir wollen, dass sich auch Menschen mit anderen Interessen davon angesprochen fühlen. Z direkt!: Was haben Sie bisher getan, um die Vorurteile gegen Flüchtlinge abzubauen? Güler: Als Land Nordrhein- Westfalen möchten wir mit dem Projekt „KOMM-AN NRW“ das bürgerschaftliche Engagement stärken. Bisher gibt es schon viele Ehrenamtliche, aber die Euphorie über die Flüchtlinge ist weniger geworden. Daher ist es wichtig, die Integrationsbereitschaft aufrechtzuerhalten und auch den Flüchtlingen Möglichkeiten zu zeigen, wie sie ihre eigenen Potenziale nutzen können, um nicht weiter von Sozialleistungen abhängig zu sein. Z direkt!: Muss Deutschland etwas an seiner Einwanderungspolitik ändern? Güler: Wir müssen hier eine Initiative starten. Wir müssen Themen wie Beschäftigungsverordnungen, Ausländerrecht sowie Zuwanderungsgesetze transparent in einem Gesetz unterbringen. Besonders beim Thema Zuwanderung sollten wir über einen Spurwechsel nachdenken. Wenn jemand über Asyl nach Deutschland gekommen ist, sich gut integriert hat, dann sollte er die Möglichkeit für einen dauerhaften Aufenthalt bei uns erhalten. Dafür brauchen wir Qualifizierungsstandards sowie einen Anforderungskatalog für Einwanderer und Flüchtlinge. Deutschland ist beim Thema Einwanderung ziemlich liberal. Allerdings ist für viele die deutsche Sprache eine große Barriere. Viele sprechen besser Englisch und wollen deshalb lieber nach England einwandern, obwohl dort die Einwanderungspolitik strenger ist als bei uns. Z direkt!: Haben sich die Integrationsbemühungen von Bund und Ländern bisher bewährt? Güler: Die Praxis bei der Integration funktioniert besser als man denkt. Allerdings gibt es zu viele Akteure gleichzeitig, wie die Bundesagentur für Arbeit, Integrationsagenturen, Ministerien, Städte und auch freie Träger. Diese müssen wir untereinander besser vernetzen. Fragen wie: ‚Wer bietet welche Integrationsleistung an? Welche Lücken gibt es? Welche Lücken könnte ein staatliches Programm schließen? Was können Arbeitgeber tun?‘, müssen zentral zusammengeführt und beantwortet werden. Damit sich Flüchtlinge erfolgreich integrieren können, ist aber nicht nur der Staat gefragt. Auch die Arbeitgeber 10 11

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