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Z direkt 03-2016

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Z direkt! Aktiv Zweite Neuerung ist die Equal Pay-Regelung. Vorgesehen ist, dass Zeitarbeitnehmer weiter die gleiche Entlohnung erhalten wie ein vergleichbarer Stammarbeitnehmer. Davon kann auch fortan in einem TaiGZ setzt sich in den Beratungen für Reduzierung der Belastungen ein AÜG-Reform in der Lesung Die jüngste Novelle des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) wurde im September in 1. Lesung in den Bundestag eingebracht. Damit wurde das parlamentarische Gesetzgebungsverfahren eröffnet, das bis Anfang November abgeschlossen werden soll. Nach jetzigem Stand ist das Inkrafttreten des Gesetzes für den 1. Januar 2017 geplant. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung wird nun im Bundestag formell beraten. Federführend ist hierbei der Ausschuss für Arbeit und Soziales. Im Rahmen der Ausschussberatungen wird unter anderem eine öffentliche Anhörung mit Verbänden und Experten durchgeführt, an der auch der iGZ teilnehmen wird. Bis zum Abschluss der parlamentarischen Beratungen gelten sämtliche Neuregelungen als vorläufig. Der jetzige Gesetzentwurf enthält zwei grundlegende Neuerungen: Grundsätzlich soll eine arbeitnehmer- und kundenbezogene Höchstüberlassungsdauer von 18 Monaten gelten. Derselbe Arbeitnehmer darf an einen Kunden also nur 18 Monate überlassen werden. Von dieser Höchstdauer können die Tarifparteien der Einsatzbranchen in tarifvertraglichen Vereinbarungen abweichen. Sie sind gesetzlich verpflichtet, eine Höchstüberlassungsdauer im Tarifvertrag festzulegen, können diese jedoch frei bestimmen. Unternehmen, die nicht an einen Tarifvertag gebunden sind, können eine solche Regelung in einer Betriebsvereinbarung übernehmen. In einem Tarifvertrag können die Tarifparteien auch festlegen, dass eine von den gesetzlich vorgesehenen 18 Monaten abweichende Höchstüberlassungsdauer auf betrieblicher Ebene festgelegt wird. Voraussetzung ist die Existenz eines Betriebsrats. Tarifgebundene Unternehmen sind in der Festlegung der Höchstdauer dann ebenfalls frei. Nicht tarifgebundene Unternehmen können im Wege der Betriebs- oder Dienstvereinbarung von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, allerdings nur bis zur Obergrenze von 24 Monaten. Bei Verstößen drohen Sanktionen bis hin zum Entzug der Überlassungserlaubnis. rifvertrag abgewichen werden, allerdings nur noch in einem qualifizierten Tarifvertrag mit Branchenzusatztarifen. Möglich ist es dann, das Equal Pay erst nach neun Monaten eintreten zu lassen. Die Frist kann auf 15 Monate verlängert werden, wenn nach sechs Wochen eine stufenweise Heranführung an Equal Pay beginnt. Der vorgesehenen Gleichstellung bei der Entlohnung liegt derzeit ein weiter Entgeltbegriff zugrunde. Demnach würden neben dem Stundenentgelt auch sämtliche Zusatzleistungen einfließen. Neben diesen Neuerungen werden weitere Aspekte neu geregelt, die mit zusätzlicher Bürokratie und ggf. Sanktionen einhergehen. Vorgesehen ist etwa, dass jede überlassene Person konkretisiert werden muss. Bei Verstößen gegen die Höchstüberlassungsdauer drohen Bußgelder bis zu 30.000 Euro und der Entzug der Arbeitnehmerüberlassungserlaubnis. Ein Verstoß gegen das Equal Pay-Gebot kann mit einem Bußgeld bis zu 500.000 Euro und dem Entzug der Überlassungserlaubnis geahndet werden. Die Reform des AÜG ist ein politisches Projekt, das sachlich nicht erforderlich war. Der iGZ hat sich in den Beratungen dafür eingesetzt, die Belastungen für die Unternehmen, die mit dem Gesetz einhergehen, zu reduzieren. Die Möglichkeit wurde geschaffen, durch einen Tarifvertrag von der Höchstüberlassungsdauer abzuweichen. Nach drei Monaten Einsatzpause darf derselbe Arbeitnehmer erneut in einem Kundenunternehmen eingesetzt werden. Ursprünglich war hier eine Unterbrechung von mindestens sechs Monaten vorgesehen. Die Möglichkeit, durch einen Tarifvertrag auch von dem Equal Pay-Gebot abweichen zu können, schafft ebenfalls wichtige Freiräume. Wenn zwischen den Überlassungen eines Arbeitnehmers je drei Monate liegen, werden die Einsatzzeiten nicht addiert. Diese Unterbrechungsregelung war ursprünglich auf sechs Monate angelegt. Dr. Benjamin Teutmeyer 28

Unterwegs Z direkt! Strukturierte Personalentwicklung Thema beim iGZ-Landeskongress Nord Weiterbildung fördert Mitarbeiterzufriedenheit „Was, wenn wir den Mitarbeiter weiterbilden und er dann geht?“ – „Was, wenn wir es nicht tun und er bleibt?“ Humoristisch stieg Thomas Voß, Abteilungsleiter Weiterbildung/Zeitarbeit beim iGZ- Mitgliedsunternehmen Piening Personal, in seinen Vortrag beim iGZ-Landeskongress Nord zur strukturierten Personalentwicklung ein. „Die Zukunftstrends lassen uns eigentlich gar keine andere Wahl, als in unsere Mitarbeiter zu investieren“, stellte Voß klar. Zwar werde die Zuwanderung den Fachkräftemangel etwas abschwächen, die Lücke aber werde das nicht schließen können. Potenzial gebe es vor allem noch bei Älteren, Frauen und Behinderten, die für den Arbeitsmarkt gewonnen werden könnten. Diese Gruppen müssten Unternehmen aktiv ansprechen. Neben dem Fachkräftemangel nannte Voß den Umbruch durch die Digitalisierung hin zur Industrie 4.0 und die sich ständig wandelnden Rahmenbedingungen der Zeitarbeit als Argumente, sich schon heute mit der Qualifizierung der eigenen Mitarbeiter zu beschäftigen. Die drohende Höchstüberlassungsdauer zwinge die Branche zum Umdenken. Wenn die Änderungen dann in Kraft treten, dann sollten Zeitarbeitsunternehmen sagen können: „Wir sind schon da!“. „Wenn Unternehmen ihren Mitarbeitern Wertschätzung und eine Perspektive bieten, werden die Mitar- beiter es mit Motivation, weniger Krankheitstagen und einer längeren Beschäftigungsdauer danken“, verwies Voß auf die Ergebnisse einer Studie. Das sorge letztlich natürlich auch für eine größere Zufriedenheit bei den Kundenunternehmen. Und auch zum finanziellen Aspekt wusste Voß positive Nachrichten zu verkünden: Höhere Ausgaben für Personalentwicklung würden aus den zuvor genannten Gründen zu geringeren Rekrutierungskosten führen. „Die Kosten amortisieren sich in der Regel schnell“, so Voß. Der iGZ unterstützt Unternehmen mit dem eigens entwickelte Prozess der Personalentwicklung in der Zeitarbeit (ProPeZ). ProPeZ sei ein Konzept der Personalentwicklung, das von einer iGZ-Projektgruppe speziell für die Zeitarbeitsbranche entwickelt wurde. Unternehmen, die diesen Kreislauf der Kompetenzentwicklung anwenden, können sich zertifizieren lassen. „Damit können Unternehmen dann auch aktiv in die Mitarbeiterrekrutierung gehen“, motivierte Voß die Anwesenden. Maren Letterhaus Anzeige 29

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