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Z direkt! Titelthema IT-Experten schätzen Vorteile der Zeitarbeit Die perfekte Mischung „Ich fühle mich nach wie vor als Freiberufler“, betont Hans-Jörgen Henning. Seit Mai 2016 ist der Wirtschaftsinformatiker beim iGZ-Mitgliedsunternehmen Etengo Academic Experts GmbH beschäftigt – seine erste Festanstellung seit gut 20 Jahren. „Für mich die perfekte Mischung aus Sicherheit und Flexibilität“, betont er. „Herr Henning macht, dass das Gemüse in die Supermärkte kommt“, fasst Florian Fisch, Managing Director bei Etengo, die Aufgabe seines Mitarbeiters scherzhaft zusammen. Was sich zunächst simpel anhört, ist in Wirklichkeit alles andere als einfach. Als Experte in der SAP-Entwicklung programmiert Henning unter anderem komplexe Warenwirtschaftssysteme, die die Disposition von Lebensmitteln erleichtern. Der ehemalige Freiberufler war projektbasiert schon für zahlreiche namhafte Unternehmen im Einsatz. „Aber nach ein paar Jahren hatte ich immer das Gefühl etwas Neues sehen zu müssen“, berichtet der IT-Experte Henning. „Man bekommt sonst so einen Tunnelblick.“ Eine Festanstellung kam für ihn deshalb eigentlich nicht in Frage. Eine Festanstellung in einem Zeitarbeitsunternehmen bildete da jedoch eine Ausnahme. „Ich sehe das hier erstmal als einen ganz normalen Auftrag“, erklärt Henning. „Allerdings in einem anderen Vertragsmodell und mit dem Vorteil, dass ich besser abgesichert bin – allein im Hinblick auf den gesetzlichen Rentenversicherungsanspruch. Als Freiberufler ist jeder Fehltag ein echter ‚Fehltag‘. Beim Zeitarbeitsunternehmen bekomme ich ein festes Gehalt, auch wenn ich krank bin oder Urlaub habe. Ich kann mir gut vorstellen mit diesem Modell in Rente zu gehen, weil ich auf diese Weise nach wie vor selbstbestimmt arbeiten kann“, erläutert der 60-Jährige. Viele würden bei Personalüberlassung vornehmlich an Helfertätigkeiten denken. In der IT kann davon jedoch nicht die Rede sein. Darum ist es ihm wichtig zu betonen, dass er im Kundenbetrieb auch eine beratende Rolle einnimmt. „Meistens hat der Kunde viele Ideen. Dann muss ich erstmal etwas aufräumen und ihm sagen, was geht und was nicht“, betont Henning. Oft bringe er auch neue Impulse in die Unternehmen hinein, auf die der Kunde selbst nicht gekommen ist. „In den meisten Fällen stoße ich da auf offene Ohren“, freut sich der SAP-Spezialist. Florian Fisch, Managing Director, IT-Spezialist Hans-Jörgen Henning, Tanja Huzenlaub, Marketingreferentin, und Dr. Timo Trasch, Rechtsanwalt, freuen sich über die gute Zusammenarbeit. „Bei IT-Experten herrscht eklatanter Fachkräftemangel in Deutschland“, erklärt Fisch. Der Kontakt zwischen Henning und 10

Z direkt! Etengo bestand schon gut zwei Jahre lang, ehe beide zusammenfanden. „Wir haben Herrn Henning damals über ein soziales Netzwerk gefunden und ihn dann immer mal wieder kontaktiert“, berichtet Fisch. Langwierige Rekrutierungsprozesse seien in der Branche üblich, denn es gebe massiv mehr offene Stellen als qualifizierte Fachkräfte. Die Herausforderung beim Etengo-Kunden aus dem Groß- und Einzelhandel hat den IT-Experten Henning dann überzeugt, den Vertrag beim iGZ-Mitgliedsunternehmen zu unterschreiben. Der Einsatz beim Handelskonzern ist derzeit bis Ende Oktober geplant, „doch im Unternehmen gibt es viele Aufgaben, die eine Verlängerung des Einsatzes sehr wahrscheinlich machen“, sind sich Henning und Fisch einig. Doch Prokurist Fisch ist auch realistisch: „Hochqualifizierte IT-Experten für die Personalüberlassung zu rekrutieren ist eine große Herausforderung – sie zu behalten eine noch größere. Unsere Mitarbeiter sind hochspezialisiert, sehr gefragt und wissen, was sie können.“ Weiter verrät er: „Unsere Mitarbeiter schätzen jedoch die Kombination aus Sicherheit und Flexibilität.“ Vielen sei wichtig, dass sie als Zeitarbeitskräfte automatisch für die Rente vorsorgen. Aber auch bei Berufseinsteigern könne die Branche punkten. „Junge Fachkräfte können bei uns Erfahrung in verschiedenen DAX-Unternehmen sammeln und sich so einen attraktiven Lebenslauf aufbauen.“ Das sei gerade für diejenigen spannend, die eine spätere Freiberuflichkeit planen. Probleme drohen der hochqualifizierten Personalüberlassung in der IT-Branche durch die geplante Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG). Diese sieht unter anderem eine maximale Überlassungsdauer von 18 Monaten vor. Eine derartige Begrenzung hätte massive Auswirkungen auf die einzelnen Unternehmen und die gesamte deutsche Wirtschaft. Denn eine künstlich erzwungene Unterbrechung des Experteneinsatzes nach 18 Monaten – durch welche die Unternehmen vollintegrierte und fachlich schwer ersetzbare Know-how-Träger verlieren – verursachen immense Kosten und Wettbewerbsnachteile. „Die Idee der AÜG-Reform ist der Versuch mit einem großen Holzhammer alles zu erschlagen“, ärgert sich auch Dr. Timo Trasch, Fachanwalt für Arbeitsrecht beim iGZ-Mitgliedsunternehmen Etengo. Andrea Nahles habe bei der Gesetzentwicklung eine völlig andere Klientel vor Augen gehabt, ohne einen Gedanken an die zahlreichen hochqualifizierten Zeitarbeitskräfte in Deutschland zu verschwenden. „Gerade in Zeiten von Digitalisierung und Arbeit 4.0 ist es fatal, die Überlassung von Hochqualifizierten zu erschweren“, mahnt Trasch. „Und Themen wie Equal Pay sind in diesem Spezialisierungsbereich doch nur rein theoretische Konstrukte.“ Selbst die höchste Gehaltsstufe des iGZ- DGB-Tarifvertrages liege bei solchen Beschäftigungen noch weit unter dem tatsächlich gezahlten Lohn der Zeitarbeitskräfte. „Flexibilität ist das unternehmerische Gebot der Stunde und deutsche Unternehmen können und wollen bereits jetzt nicht mehr alle Bedarfe mit klassisch festangestellten Mitarbeitern decken“, erläutert Trasch. Denn nur ein sinnvoller Mix aus festangestellter Stammbelegschaft, freiberuflichen Spezialisten sowie Experten in Personalüberlassung führe dazu, dass Unternehmen für die Herausforderungen von Industrie 4.0 gewappnet seien. Maren Letterhaus 11

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