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Z direkt! 03-2015

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Z direkt! Titelthema 8

Titelthema Z direkt! Flucht aus politischen und religiösen Krisengebieten Gut ausgebildete Fachkräfte 159.927 Asyl-Erstanträge verzeichnete das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge von Januar bis Juni 2015 – 137,1 Prozent (67.441) mehr als im Vorjahresvergleich. Doch woher kommen die Menschen und was vertreibt sie aus ihrer Heimat? Die meisten Flüchtlinge, 34.428, kommen aus Syrien. Bürgerkrieg und die Terrormilizen des islamischen Staates verursachten eine Massenflucht. Vor diesem Hintergrund wurde die Flüchtlingseigenschaft in 85,4 Prozent der Fälle bestätigt. Genau andersherum fielen die Bescheide bei den Flüchtlingen aus dem Kosovo aus, das als relativ sicheres Herkunftsland eingestuft ist. Von 31.400 Asylanträgen wurden bis Juni 20.768 entschieden – 18.663 (89,9 Prozent) wurden abgelehnt. Das hat seine Gründe: Seit 1999 flossen zwei Milliarden Euro Aufbauhilfen auf den Balkan. Hilfsorganisationen haben Schulen, Straßen und Häuser gebaut. Die Erfolgsbilanz ist dennoch deprimierend, weil vor allem die Korruption Investoren abschreckt. Ähnlich sieht es in Albanien (22.209 Asylanträge seit Januar 2015) und Serbien (15.822) aus. Die Höchstrate bei der Anerkennung des Flüchtlingsstatus´ verzeichnete das Bundesamt neben Syrien für den Irak mit 85,4 Prozent (26.729) positiven Entscheidungen und Eritrea mit 73 Prozent (1.567) Anerkennungen. Bei den Flüchtlingen aus den politischen und religiösen Krisengebieten handelt es sich in erster Linie um gut ausgebildete Fachkräfte und Akademiker, die ihre Heimat (Iran, Libanon, Irak, Syrien) unfreiwillig verlassen. Besonders Migranten aus dem Iran weisen einen sehr hohen Anteil Hochqualifizierter auf – zwei Drittel der iranischen Einwanderer haben eine Hochschulreife, über die Hälfte hat eine Ausbildung. Diese Flüchtlinge kommen meist nicht, um zu bleiben. Wären alle Flüchtlinge seit dem Jahr 1960 im Land geblieben. Hätte Deutschland heute 42 Millionen selbst Zugewanderte. Zwei Drittel aller Migranten kehren aber langfristig wieder in die Heimat zurück oder wandern weiter. Angesichts dieser Fakten sowie des steigenden Fachkräftemangels und des Alterns und Schrumpfens der Bevölkerung in Deutschland warnte das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung bereits, dass massive Anstrengungen nötig seien, um auch Zuwanderer aus Nicht-EU-Staaten wie etwa Syrien im Land zu halten. Nur so könne Deutschland im internationalen Wettbewerb mithalten. Die Öffnung der Zeitarbeitsbranche für Asylbewerber und Geduldete ist ein erster Schritt in diese Richtung. Wolfram Linke 9

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