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Z direkt! Aktiv Behinderung kein Hindernis: Monika Peterlik arbeitet in Zeitarbeitsfirma Mitten im Leben stehen Zeitarbeit bietet vielen Menschen die Chance beruflich wieder Fuß zu fassen. Das gilt auch für Monika Peterlik: Nach ihrer plötzlichen Erblindung fand sie eine Festanstellung beim iGZ-Mitglied Sammeth Personalmanagement GmbH. Firmenchef Andrée Sammeth unterstützte sie auf diesem Weg. iGZ-Regionalkreisleiter Unterfranken und Firmenchef Andrée Sammeth hält große Stücke auf seine Mitarbeiterin Monika Peterlik. Ihre Blindheit spielt im Berufsalltag kaum eine Rolle. Monika Peterlik ist ein fröhlicher Mensch. Das merkt man der 57-Jährigen sofort an. Ihr oberbayerischer Akzent und ihre positive Ausstrahlung sind offenkundig. Entsprechend leicht fällt es, auf die gebürtige Münchnerin zuzugehen und ins Gespräch zu kommen. Monika Peterlik ist eine Frau, die mitten im Leben steht, gerne mit Menschen arbeitet und keine Berührungsängste hat. Ganz selbstverständlich ist ihre lebensbejahende Mentalität dann aber doch nicht. „Es passierte 2004“, erinnert sich die 57-Jährige. „Innerhalb eines Monats verschlechterte sich mein Sehvermögen von 100 auf null Prozent.“ Eine medizinische Erklärung für die rasche Erblindung gibt es bis heute nicht. „Das waren harte Zeiten damals“, betont sie. Ihren Optimismus und ihre positive Lebenseinstellung ließ sie sich vom Handicap aber nicht nehmen. „Das Leben geht weiter, wenn man es selbst in die Hand nimmt“, fasst sie ihre Erfahrungen zusammen. Vor der Erblindung führte Monika Peterlik ein Leben wie viele andere. Nach der Schule arbeitete sie in der Bank, nahm sich eine berufliche Auszeit, gründete eine Familie und bekam eine Tochter. Dann kommen der Sommer im Jahr 2004 und der Verlust der Sehkraft. „Es gibt Schöneres als blind zu werden. Es gibt aber 24

Aktiv Z direkt! auch Schlimmeres“, sagt Monika Peterlik heute. Sehr geholfen hat ihr der schnelle Kontakt zum Berufsförderungswerk (BFW) Würzburg. Das Bildungszentrum im unterfränkischen Veitshöchheim hat sich auf die berufliche Bildung blinder und sehbehinderter Menschen spezialisiert. Im BFW lernt sie die Punktschrift und so wieder lesen und schreiben. „Ab dem Erlernen der Punktschrift ging es dann wieder aufwärts“, erinnert sie sich. Der Ehrgeiz der engagierten BFW-Teilnehmerin sorgt dafür, dass sie deutschlandweit die erste ist, die die Ausbildung zur Servicefachkraft für Dialogmarketing blindheitsgemäß an der Braillezeile absolviert. Zudem ist sie 2007 mit ihrer Abschlussnote unter den besten Absolventen im gesamten Bundesgebiet. Die Jobsuche nach der BFW-Zeit gestaltet sich dennoch schwierig. „Viele Arbeitgeber nehmen gerne den Eingliederungszuschuss mit“, so die Erfahrung der blinden Frau. Sobald es nach einigen Monaten darum gehe, das Gehalt komplett zu übernehmen, trenne sich die Spreu vom Weizen. So tingelt sie bis Mitte 2013 von Kurzzeitjob zu Kurzzeitjob. Bei der iGZ-Mitgliedsfirma Sammeth Personalmanagement GmbH in Karlstadt wird sie dann beruflich glücklich. Unterstützung erhält sie dabei von den Reha- und Integrationsmanagern des BFW Würzburg. „Wir sind immer dankbar, wenn Arbeitgeber vorurteilsfrei auf unsere sehbehinderten Teilnehmer zugehen“, berichtet Sabine Zürn vom BFW Würzburg. „Das ist trotz Inklusion leider noch nicht ganz selbstverständlich“, macht sie klar. „Am Anfang waren wir ehrlich gesagt auch etwas zurückhaltend“, erinnert sich ihr heutiger Arbeitgeber, der iGZ-Regionalkreisleiter für Unterfranken, Andrée Sammeth. „Ein Besuch im BFW Würzburg und die unverkrampften Gespräche mit den sehbehinderten Teilnehmern dort haben mich dann vom Gegenteil überzeugt.“ Sammeth suchte für seine Vertriebsabteilung dringend eine Mitarbeiterin, die topfit am Telefon und am PC ist sowie verkäuferisches Talent in der Kundenakquise hat. Mitte 2012 absolvierte Monika Peterlik ein mehrmonatiges Praktikum im Hause Sammeth Personalmanagement GmbH. Am 1. Dezember 2012 wurde ihre engagierte Arbeit mit der unbefristeten Einstellung belohnt. „Wir beschäftigen Monika Peterlik aufgrund ihrer sehr guten Arbeitsleistung und ihrer hohen Motivation, nicht aufgrund ihres Handicaps“, betont Sammeth und ergänzt: „Menschlich und fachlich möchten wir sie nicht mehr missen.“ Im Berufsalltag bekommen die Gesprächspartner beim Telefonieren nicht mit, dass Monika Peterlik blind ist und mit der Braillezeile arbeitet. Neben der klassischen Telefonakquise umfasst ihr Aufgabengebiet inzwischen den Schriftverkehr mit Kunden, den sie über eigens erstellte Textbausteine souverän erledigt. Zudem führt sie Gespräche mit Anwärtern für den Bewerberpool und wiegt ab, ob der Gesprächspartner zuverlässig und geeignet ist. Geschätzt wird ihre Expertise auch bei Bewerbungsgesprächen vor Ort in Karlstadt. „Monika Peterlik beurteilt unsere Bewerber nicht nach deren optischem Erscheinungsbild“, erläutert der iGZ-Regionalkreisleiter. Sie bildet ihre Meinung aufgrund des gesprochenen Wortes und hat so eine neutralere Herangehensweise. Ein Umstand, den man in dem iGZ-Mitgliedsunternehmen als Vorteil erkannt hat. Und es gibt tatsächlich Dinge, die Monika Peterlik schneller machen kann als ihre sehenden Kollegen. Mailtexte hat sie beispielsweise abgespeichert und so ruckzuck ihre Briefe an die verschiedenen Kunden versendet. „Wir sind alle total begeistert“, bringt es Sammeth auf den Punkt. Inzwischen wirbt der 38-Jährige auch bei seinen Kollegen in der Zeitarbeitsbranche dafür, Menschen mit Handicap eine berufliche Chance zu geben. „Durch das kostenlose mehrwöchige Praktikum kann man sich als Arbeitgeber ein gutes Bild von den behinderten Bewerber machen.“ Sammeth lässt auch im eigenen Unternehmen Taten sprechen: Nach einem erfolgreichen Praktikum ist inzwischen auch Monika Peterliks stark sehbehinderter Lebensgefährte Tom Truckenbrodt im Team dabei – und seit 1. April 2015 fest angestellt. Marcus Meier 25

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