Aufrufe
vor 4 Monaten

Z direkt! 02-2020

  • Text
  • Zeitarbeit
  • Coronakrise
  • Krise
  • Unternehmen
  • Kurzarbeit
  • Arbeit
  • Titelthema
  • Deutschland
  • Zeitarbeitsunternehmen
  • Zeitarbeitsbranche
  • Zeitarbeit.de

32 TITELTHEMA

32 TITELTHEMA Normalerweise würde sie sich jetzt um die Kleinsten unserer Gesellschaft kümmern, aber was ist in diesen Zeiten schon normal. An einem ganz normalen Arbeitstag hilft Rita Bliefernich Integrationskindern in einer kirchlichen Einrichtung. Doch seit Anfang März ist die Einrichtung der Malteser im Notbetrieb, die Duisburgerin wurde in Kurzarbeit geschickt. „Zuhause habe ich es nicht lange ausgehalten, ich habe ein Helfer-Syndrom – also in positiver Weise,“ sagt die 59-Jährige von sich selbst und lächelt verschmitzt. „Also habe ich mich im Internet auf die Suche gemacht und bin auf AVP Personal in Essen gestoßen.“ Ein klassischer Fall von „gesucht und gefunden“, denn das iGZ-Mitgliedsunternehmen hat sich auf die Vermittlung von Pflegekräften spezialisiert. Rita Bliefernich hat vor zwölf Jahren eine Zusatz- Qualifizierung zur Seniorenpflegerin gemacht – das kommt ihr und den Senioren in einer Altenpflegeeinrichtung in Duisburg-Rheinhausen nun zugute. Denn hier arbeitet sie jetzt als Zeitarbeitnehmerin. WENN DER MUND NICHT LÄCHELN KANN, LÄCHELN DIE AUGEN „Der Job ist schon so nicht einfach, aber während der Coronakrise ist er doppelt schwierig,“ erzählt Bliefernich. „Meine Kolleginnen und Kollegen sind nicht einfach nur Pflegekräfte, wir fangen die Menschen auf. Aber das ist ohne Nähe so schwierig.“ Früher habe sie die alten Leute einfach mal in den Arm genommen und getröstet, jetzt muss sie den Abstand einhalten und Weil ich mir selbst und anderen helfen kann. versucht, mit Worten die Einsamkeit und Traurigkeit der Senioren zu vertreiben. „Wenn mein Mund hinter der Maske nicht zu sehen ist, versuche ich, besonders stark mit meinen Augen zu lächeln.“ Die Dankbarkeit und Wertschätzung, die sie bei ihrer Arbeit von den Senioren spürt, hat sie auch einen Entschluss fassen lassen: Auch wenn sie wieder als Integrationshelferin arbeiten kann, wird sie auch nach der Coronakrise in dem Altenpflegeheim in Duisburg weitermachen – am Wochenende und auf 450€-Basis. „Das Zusammensein mit den alten Menschen gibt mir so viel, das möchte ich nicht mehr missen.“ WERTSCHÄTZUNG – ABER NICHT VON JEDEM Ein Punkt stört die Frau mit dem großen Herz aber doch: „Als Pflegekraft aus der Zeitarbeit ernte ich immer wieder böse Blicke und rollende Augen. An meinem ersten Tag habe ich gehört, wie ein Kollege hinter der vorgehaltenen Hand gesagt hat: „Müssen wir schon wieder mit Zeitarbeitspersonal arbeiten?!“. Ich habe ihn dann direkt gefragt, ob er gerne Doppelschichten mache.“ Das habe ihn dann zum Nachdenken gebracht, denn schließlich helfe sie als Zeitarbeitspflegekraft nicht nur den Senioren, sondern unterstütze und entlaste auch die Pfleger. „Zeitarbeitspfleger werden oft leider als Pfleger zweiter Wahl und ungeliebter Dritter gesehen,“ berichtet AVP- Geschäftsführerin Anke Vierow aus ihrer Erfahrung in der Branche. „Dabei sind wir maximal flexibel und immer da, wo wir gebraucht werden.“ So wie aktuell Rita Bliefernich, die sich gerade nicht um die Kleinsten, sondern um die Ältesten unserer Gesellschaft kümmert und sie die Coronakrise ein bisschen vergessen lässt. Rita Bliefernich

TITELTHEMA 33 Weil ich nicht in Kurzarbeit gehen wollte. Daniel Jahn „Was hätten Sie denn gerne? Vielleicht ein Spiegelei, ein Omelette mit Käse, Schinken und Paprika – oder doch lieber ein Ei Benedikt?“ Daniel Jahn ist Koch und eigentlich Cocottier – also der Herr über die Frühstücks- Eiertheke – in einem großen Hotel in Leipzig. Zumindest war das so vor der Coronakrise. Als die Hotels schließen mussten, stand der Zeitarbeitnehmer von TEAMBREN- NER Personalkonzepte plötzlich ohne Aufgabe da. Und das nach 20 Jahren als Koch in verschiedenen Restaurants und Hotels, seit sieben Jahren als Zeitarbeitnehmer. „Acht Tage habe ich es Zuhause ausgehalten, dann musste etwas Neues her“, sagt der gebürtige Schkeuditzer. Als TEAMBRENNER ihm einen Job in einem Supermarkt in Leipzig anbot, zögerte Jahn keine Sekunde. „Ich kannte den Lebensmittelladen schon vorher, ich wohne nur zwei Minuten zu Fuß entfernt.“ EINLASS-KONTROLLE UND EINKAUFSWAGEN DESINFIZIEREN An vier Tagen pro Woche überwacht der Koch nun zwei Supermarkteingänge, weist Kunden auf die Maskenpflicht hin und desinfiziert Einkaufswagen. „Mir macht das Riesen-Spaß und es sind gute Erfahrungen und Einblicke, die ich sammele – auch wenn der Job echt anstrengend sein kann. Zehn Stunden am Tag immer den Überblick zu behalten, wie viele Menschen im Laden sind und ob jeder einen Mundschutz trägt, das schlaucht schon.“ Mehrmals am Tag desinfiziert Jahn auch die Kassenbänder und EC-Geräte. „Die Menschen sollen sich auf keinen Fall anstecken. Dafür bin ich verantwortlich und das nehme ich auch ernst“, sagt der 40-Jährige. 75 PROZENT DER TEAMBRENNER-MITARBEITER AKTUELL ANDERWEITIG IM EINSATZ „Der Supermarkt würde Daniel Jahn am liebsten behalten, weil er so einen guten Job macht“, schmunzelt Ulrike Brenner, Gründerin und Geschäftsführerin von TEAMBRENNER Personalkonzepte. Aktuell sind 80-100 Teambrenner-Mitarbeiter pro Tag in anderen Bereichen im Einsatz als vor dem Start der Corona-Pandemie. „75 Prozent meiner Mitarbeiter waren sofort bereit, auch was anderes zu machen. Viele arbeiten im Einzelhandel, aber es sind auch Aufträge dabei wie die Datenerfassung in einer Abrechnungsfirma“, erzählt Brenner. „Eigentlich sind wir auf die Gastronomie- und Hotelbranche spezialisiert. Aber als der ganze Wahnsinn losging, habe ich nach neuen Tätigkeitsfeldern gesucht, die wir dann auch langfristig fortführen können. Bis in der Gastronomie wirklich wieder Bedarf an Zeitarbeitskräften herrscht, wird es noch einige Zeit dauern. Die ganzen Restaurants, Hotels und Messen haben ja erst einmal nur einen Bruchteil der Besucher, die sie vor Corona hatten.“ Wann das Hotel, in dem Daniel Jahn vor der Coronakrise in Leipzig gearbeitet hat, seine Hotelküche wieder komplett öffnet, ist auch noch unklar. Und ob der 40-Jährige dann dort wieder als Koch arbeiten wird? „Die Einblicke und das Arbeiten hier im Supermarkt sind toll“, lächelt Jahn verschmitzt. „Aber irgendwann will ich dann doch auch wieder an meine Eiertheke und den Putzlappen gegen den Pfannenwender tauschen.“ JR | SaS WEITERE GESCHICHTEN AUS DER iGZ-KAMPAGNE LESEN SIE ONLINE UNTER www.zeitarbeit-einegutewahl.de/in-der-krise

Z direkt!

© 2017, Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen e.V.