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Z direkt! 02-2017

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Z direkt! Nachgefragt Nachgefragt Z direkt! Interview mit Christian Baumann, iGZ-Bundesvorsitzender Zukunft mutig selbst gestalten Nahezu 100 Prozent der Mitglieder wählten Christian Baumann in ihrer Versammlung am 5. April in Bonn zum neuen Bundesvorsitzenden des iGZ. Mit seinen Stellvertretern Bettina Schiller und Sven Kramer sowie den Beisitzern Martin Gehrke, Thorsten Rensing, Andreas Schmincke sowie der neu gewählten Manuela Schwarz und der Landesbeauftragtensprecherin Petra Eisen sowie dem iGZ-Hauptgeschäftsführer Werner Stolz vertritt er nun die Interessen der 3.500 iGZ-Mitgliedsunternehmen. iGZ- Pressesprecher Wolfram Linke sprach mit Baumann über Wünsche und Visionen, Konzepte und Ziele. Z direkt!: 100 Tage im Amt – welche Erfahrungen haben Sie denn als neuer Bundesvorsitzender des Interessenverbandes Deutscher Zeitarbeitsunternehmen bislang gesammelt? Baumann: Zunächst möchte ich mich für das Vertrauen der Mitgliedsunternehmen bedanken. Es ist keine Selbstverständlichkeit, Kandidaten eine Chance zu geben, die erst über eine so kurze verbandliche Vita verfügen. Das zeugt von Mut, aber auch von Veränderungswillen – und diesem Anspruch möchte ich gerecht werden. Die ersten 100 Tage waren sehr spannend, denn ich lernte viele Menschen und Prozesse kennen, die ich erst „verstehen“ musste. Zudem ist die Branche derzeit meiner Auffassung nach in einer sehr dynamischen Phase, die unbedingt zügig begleitet werden muss, sodass wir uns im Vorstand commitet haben, erste Schritte zur konsequenteren und nachhaltigeren Arbeit zu gehen. Z direkt!: Die Zeitarbeitsbranche steht vor vielen Herausforderungen – an erster Stelle ist hier die AÜG-Reform zu nennen. Da stellen sich auch für den Bundesvorsitzenden des Zeitarbeitgeberverbandes alternativ die Fragen: Anpacken und Umsetzen oder Abwarten und Tee trinken? Baumann: Unsere Branche steht für eine außerordentliche Marktdynamik und eine Antizipation von Marktbewegungen, die typische Betriebe außerhalb der Zeitarbeit eher später erkennen und sich darauf einstellen. Von dieser Warte aus betrachtet kann die einzige Antwort eines Zeitarbeitgeberverbandes sein, schnell und proaktiv die zentralen Fragen zur Umsetzung solcher wahnwitzigen Regulierungen anzupacken und umzusetzen. Gleichwohl, bei allem Drang zur schnellen Lieferung von Lösungen, darf der Parameter „Schnelligkeit“ nicht ausschließlich ins Kalkül gezogen werden. Aufgrund der Bedeutung unseres Verbandes für unsere Mitgliedsunternehmen, aber auch andere Stakeholder wie beispielsweise die Bundesagentur für Arbeit, sind wir darauf angewiesen, dass die Kommunikation, die unser Haus verlässt, richtig und umfassend geprüft ist. An dieser Stelle verlieren wir zwangsläufig und schuldlos Performance: Der iGZ ist auf Absprache und Diskussion zentraler beispielsweise gesetzlicher Vorgaben mit diversen Stellen angewiesen, auf deren Leistungsfähigkeit und Leistungswillen wir kaum Einfluss haben können. Das bedeutet für uns unbefriedigend, dass wir von Zeit zu Zeit auf Abwarten angewiesen sind, wenn wir eine verbindliche Antwort auf Herausforderungen geben wollen, die auch dann noch Bestand hat, wenn verschiedene Institutionen und Personen diese prüfen. Sie können sich vorstellen, dass dies überhaupt nicht meinem Naturell entspricht, aber da müssen wir dann einfach auch mal durch. Z direkt!: Es stellt sich automatisch auch die Frage nach der Wettbewerbsfähigkeit der Zeitarbeitsunternehmen – wie muss sich eine Zeitarbeitsfirma strategisch aufstellen, um den Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden? Baumann: Hier sprechen Sie eine zentrale Frage an, die wir uns in der konstituierenden Sitzung des Vorstandes gestellt haben und für die wir Lösungsansätze liefern wollen. Wie in allen Branchen erlebt die deutsche Wirtschaft einen immer stärkeren Einfluss gesellschaftlicher, ökonomischer und ökologischer Megatrends, die in immer kürzeren Zyklen bisher bestehende Gesetzmäßigkeiten in Frage stellen und teilweise innerhalb kurzer Zeit vernichten. Es ist die Aufgabe der Ökonomie, diese Trends zu identifizieren und sich daraufhin auszurichten, um eine Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Auf Zeitarbeitsbetriebe kommt hier eine ungleich größere Aufgabe zu. Wir sind seit jeher Seismograph für veränderliche Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt und spüren Auswirkungen der zuvor beschriebenen Trends in der Regel vor allen anderen Wirtschaftsbereichen. Das ist zwar total spannend in der Verfolgung, gleichwohl aber auch überaus kritisch. Wenn Veränderungen auf den Märkten immer häufiger, immer schneller und immer tiefgreifender stattfinden, dann müssen wir unsere Betriebe strategisch so aufstellen, dass sie ein Höchstmaß an adaptiver Effizienz aufweisen, sprich eine hervorragende Leistungsfähigkeit erzeugen bezüglich der Anpassung auf Veränderungen in der Arbeitswelt. Da sind wir heute in großen Teilen noch nicht, denn diesbezüglich agiert ein Großteil der Betriebe noch tendenziell traditionell. Wir werden in den nächsten drei Jahren jedoch dieses Thema intensiv bearbeiten und versuchen, Guidelines für die Mitgliedsunternehmen zu entwickeln, die notwendiges Change-Management ihrer Betriebe fördern können. Z direkt!: Die deutsche Wirtschaft steht an der Schwelle zur Digitalisierung der Arbeitswelt. Wie wollen Sie diesem Wandel stellvertretend für die Zeitarbeitsbranche begegnen? Baumann: Die Digitalisierung der Arbeitswelt wird beinahe „game changing“ sein. Es steht fest, dass wir, wenn wir zehn Jahre in die Zukunft schauen, einen völlig veränderten Arbeitsmarkt vorfinden werden. Diese Periode einer Dekade klingt erstmal recht weit, ist sie aber insbesondere dann nicht, wenn notwendige Justierungen in Dienstleistungsportfolios von Betrieben stattfinden müssen und eventuell sogar Infrastruktur angepasst werden muss, um die Anforderungen zukünftig digitalisierter Märkte zu erfüllen. Wir sind davon überzeugt, dass die Aufgaben, vor denen wir bezüglich der Digitalisierung stehen, so umfassend sein werden, dass wir diese nur im Kollektiv werden lösen können. Ein nicht unerheblicher Anteil der insbesondere kleinen und mittelständischen Betriebe wird qua Größe und Ressourcen nicht in der Lage sein, die Veränderungen aufgrund dieses Megatrends proaktiv zu treiben, sodass wir als Verband hier Unterstützung liefern möchten. Hierzu werden wir Projektgruppen bilden, die die zentralen Fragen durch Digitalisierung diskutieren und Antworten geben wollen. Diese Fragen beziehen sich auf Digitalisierung des Marktes, Digitalisierung der Geschäftsprozesse und als Königsdisziplin Digitalisierung der Geschäftsmodelle. Den Rahmen für die Bearbeitung wird thematisch mein Vorstandskollege Andreas Schmincke vorgeben, der sich für dieses Thema zukünftig verantwortlich einsetzen wird. Die zu bildenden Projektgruppen werden durch hauptamtliche Mitglieder des Verbandes sowie durch viele verschiedene Mitgliedsunternehmen besetzt, die stellenweise first mover auf diesem Gebiet sind. Z direkt!: Ein weiterer Knackpunkt ist der zunehmende Fachkräftemangel. Hat der neue iGZ-Bundesvorsitzende schon ein Konzept in der Schublade, um Abhilfe zu schaffen? Baumann: Diese Frage steht in starker Interdependenz zu der zuvor andiskutierten Thematik und zu 8 9

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